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Konrad Diener (Max von Thun) und Maris Bächle (Jessica Schwarz) in „Und tot bist Du“.

„Und tot bist Du!“ (ZDF)

ZDF-Schwarzwaldkrimi „Und tot bist Du!“: Das Auge des Teufels

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Der ZDF-Zweiteiler „Und tot bist Du!“ ist dank seiner reizvoll rätselhaften Geschichte ein auch über 180 Minuten spannender Schwarzwald-Krimi.

Das ZDF hat in den letzten Jahren eine kleine Tradition daraus gemacht, die Fernsehjahre mit einem zweiteiligen Taunus-Krimi nach Nele Neuhaus zu beginnen; die Filme sind meist in der kreativen Kombination Anna Tebbe (Buch) und Marcus O. Rosenmüller (Regie) entstanden. Die Qualität der bislang acht Verfilmungen war stets wechselhaft, aber zwei ragten aus dem Fernsehalltag heraus: „Böser Wolf“ (2016), ein äußerst komplexer Krimi über organisierten Kindesmissbrauch, sowie „Die Lebenden und die Toten“ (2017, ausnahmsweise nicht von Tebbe), ein Thriller über einen Scharfschützen, der scheinbar wahllos Menschen erschießt. 

In diesem Jahr gibt es keine Neuhaus-Adaption, aber einen mehr als würdigen Ersatz. Das Duo hinter der Kamera ist mit Tebbe (hinter dem Pseudonym verbirgt sich die Produzentin Annette Reeker) und Rosenmüller das gleiche, und auch die personelle Konstellation davor ähnelt den Taunus-Krimis: ein verheirateter Kommissar, eine attraktive Kollegin, eine Mordserie in der Provinz; allerdings mit Max von Thun statt Tim Bergmann, Jessica Schwarz statt Felicitas Woll und Nordschwarzwald statt Taunus. Die Geschichte ist derart handlungsreich, als habe Tebbe auch diesmal wieder einen Roman adaptiert.

„Und tot bist Du!“ im ZDF: Inspiriert durch Sagenschatz im Schwarzwald

Schon die ersten Bilder mit ihren Nebelschwaden deuten an, dass der Film ähnlich ungemütlich wird wie „Die Toten vom Schwarzwald“ (2010, ebenfalls ZDF), einem mysteriösen Krimi mit Heino Ferch als Forensiker, der die Leiche seiner erst kürzlich verschwundenen, aber offenbar schon seit zwei Jahren toten Frau entdeckt. Thorsten Näter (Buch und Regie) hat sein Drehbuch damals kräftig mit uralten Legenden angereichert. Auch Tebbe hat sich durch den Sagenschatz des Schwarzwalds inspirieren lassen. Ein scheinbar idyllischer Waldsee zum Beispiel gilt als „Auge des Teufels“. Gelegentlich tritt er über die Ufer, weil selbst dem Teufel angesichts des traurigen Schicksals der weiblichen Teichleichen die Tränen kommen.

Der Film beginnt mit einem weiteren Opfer; Diener und Bächle, die Doppelspitze der Mordkommission Freudenstadt, stehen vor einem Rätsel. Ihre Nachforschungen führen in die Nachkriegszeit. Damals hat sich ein grausiges Ereignis zugetragen: Ein kleiner Köhlerjunge musste mit Hilfe eines Abzählreims drei Frauen auswählen, die den Franzosen zur freien Verfügung überlassen werden sollten. Zwei dieser Frauen haben sich, wie es hieß, das Leben genommen, die dritte soll bei einem Sprengstoffanschlag auf das Lager der Soldaten gestorben sein. Gut sieben Jahrzehnte später scheint jemand Gleiches mit Gleichem vergelten zu wollen.

„Und tot bist Du!“ zeigt die Bedeutung, die ein guter Schnitt hat

Der besondere Reiz des Films liegt in der herausragend gut gelungenen Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit. Vermittler zwischen den beiden Zeitebenen ist der Köhlerjunge. Der kleine Hans war schon mit acht Jahren ein begnadeter Zeichner und hat seine Erlebnisse mit dem Holzkohlestift festgehalten. Der große Hans (Rüdiger Vogler), ein charismatischer Theologe, ist erst kürzlich in seine Heimat zurückgekehrt und wird immer wieder von Erinnerungen an die Nachkriegszeit übermannt. Schon allein die fließenden und ausgezeichnet in die Handlung integrierten Übergänge zwischen Heute und Damals sind eine Kunst für sich. „Und tot bist Du!“ ist zudem ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, welch’ großen Anteil der Schnitt (hier: Claudia Klook) an der Qualität eines Films hat. Nicht minder kunstvoll ist die Arbeit von Kameramann Stefan Spreer, der die schwarzweißen Rückblenden wie lebendig gewordene Fotografien aus jenen Jahren wirken lässt.

Genauso eindrucksvoll wie die Umsetzung ist die Geschichte. Weil jede Antwort neue Fragen aufwirft, gelingt es Rosenmüller, die Spannung über 180 Minuten zu halten; vielen Zweiteilern geht spätestens im zweiten Teil irgendwann die Luft aus. Dass das diesmal nicht passiert, liegt auch an der famosen Musik von Dominik Giesriegl, die regelmäßig für Hochspannung sorgt. Außerdem bleibt Tebbe ihrem Schema treu und gibt auch im zweiten Teil weitere Rätsel auf, während sich die verschiedenen Puzzlestücke nach und nach zusammenfügen. Selbstverständlich ist das Schicksal von Kommissarin Bächle ebenfalls mit der Dorfchronik verknüpft: Sie war als Kind mehrere Tage allein in einem verlassenen Bergwerksstollen. Als sie gefunden wurde, hatte sie ihr Gedächtnis verloren. Sie ahnt, dass sich der Schlüssel zu ihrer Biografie irgendwo in dem Stollen verbirgt; und auch zu den Ereignissen in den Nachkriegswirren, wie der Film mit einer Gänsehautaufnahme zum Schluss von Teil eins offenbart.

Bei den meisten deutschen Provinzkrimis außerhalb Bayerns kommt der Dialekt etwas kurz; der gebürtige Freiburger Robert Schupp ist hier offenbar der einzige Mitwirkende mit halbwegs einheimischen Wurzeln und nutzt die Gelegenheit, um den Rechtsmediziner als „symbadisches“ Original zu zeichnen, übertreibt dabei aber nicht. Rosenmüller, im Metier des TV-Thrillers erfahren wie nur wenige andere, schießt dagegen mitunter übers Ziel hinaus; in der Schlusseinstellung wabert derart viel Nebel über den Boden, als habe sich das Team vorübergehend auf den Friedhof eines drittklassigen Horrorstreifens verirrt. Der Film ist zwar dank der Bildgestaltung stellenweise durchaus gruselig, verzichtet ansonsten jedoch auf Plakativität und setzt stattdessen auf sparsame, aber wirkungsvolle Effekte. Respekt gebührt dem Regisseur auch für die Führung der Darsteller: Trotz einer Vielzahl von Sprechrollen gibt es nicht einen Ausfall. Heimliche Hauptfigur ist allerdings die Region. Dank beeindruckender Naturaufnahmen erscheint der Nordschwarzwald als unheimliche Gegend, in der die Menschen früher an langen Winterabenden viel Zeit hatten, unerklärliche Ereignisse in düstere Sagen umzuwandeln.

Zur Sendung

ZDF-Krimi „Und tot bist Du!“

Sendetermin TV: Mittwoch, 10.4., 20.15 Uhr, ZDF

Teil 1 von „Und tot bist Du!“ in der ZDF-Mediathek

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