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In Wahrheit: In einem anderen Leben (ZDF)
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Hauptkommissarin Judith Mohn (Christina Hecke, l) steht mit ihrem Kollegen Markus Zerner (Rudolf Kowalski, r.) vor dem Polizeipräsidium - eine Szene aus „In Wahrheit - In einem anderen Leben“. Der Film läuft im ZDF am 21.08.2021 (20.15 Uhr).

TV-Kritik

„In Wahrheit: In einem anderen Leben“ (ZDF) – Bittere Folgen mit Langzeitwirkung

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Für die Arte-ZDF-Serie „In Wahrheit“ hat sich Autorin Zora Holt des Themas Sexualverbrechen angenommen.

Die Arte-ZDF-Reihe „In Wahrheit“ gehört zu den stilleren im Lande. Das macht sie nicht schlechter, im Gegenteil, wie gerade die aktuelle Folge anschaulich belegt. In Anlehnung an einen wahren Fall greift die Autorin Zora Holt ein Thema auf, das einiges Fingerspitzengefühl erfordert: Vergewaltigung.

Eingangs ereignet sich ein Verkehrsunfall. In dunkler Nacht taumelt ein Mann auf eine Landstraße und gerät direkt vor einen LKW. Der Fahrer trifft den Verletzten noch lebend an, aber er stirbt bereits im nächsten Moment. Von Panik erfasst, verlässt der Fahrer den Unfallort.

„In Wahrheit: In einem anderen Leben“ (ZDF) – Folgenschwere Verspätung

Rückblende. Fünf Jahre zuvor. Saarlouis. Barbara Falk (Anja Kling) kommt mit Fesselmerkmalen und Blutergüssen in eine Klinik. Sie wurde nachts in ihrem eigenen Bett vergewaltigt, während sich ihr Ehemann, ein Lehrer, auf Klassenfahrt befand. Die Ärztin informiert die Polizei. Eigentlich werden die nötigen Vernehmungen zumindest im Beisein einer Frau geführt, aber Kommissarin Judith Mohn (Christina Hecke) wird privat in Anspruch genommen und verspätet sich. Wenige Minuten nur, aber Freddy Breyer (Robin Sondermann) und Markus Zerner (Rudolf Kowalski) möchten nicht warten. Zerner lässt ein wenig Bestürzung erkennen, aber insgesamt wickeln beide die Befragung mit der üblichen Routine ab.

Die Tatumstände machen es der Polizei schwer. Der Verbrecher hat am Körper des Opfers keine Spuren hinterlassen. Auch nicht in ihrem Haus. Fenster und Türen waren nach Angaben Barbara Falks verschlossen. Als sich herausstellt, dass sie auf eine psychische Erkrankung zurückblickt und noch immer entsprechende Medikamente einnimmt, ist ihre Glaubwürdigkeit erschüttert. Mangels weiterer Indizien soll der Fall eingestellt werden.

„In Wahrheit: In einem anderen Leben“ (ZDF) – Latent frauenfeindliche Polizeikollegen

Lisa Krohn (Jeanne Goursaud) aber entdeckt einen Fall mit ähnlichem Hergang, der sich in Saarbrücken ereignet hat. Judith Mohn geht der Sache nach. Auch diese andere Ermittlung wurde ohne Ergebnis zu den Akten gelegt. Mohn erlebt ihre Saarbrücker Kollegen unsensibel, gar belustigt, latent und stellenweise offen frauenfeindlich.

Das Opfer Melek Ergün (Sabrina Amali) aber ist traumatisiert und verlässt kaum noch die Wohnung. Mohn entdeckt eine Überwachungskamera in der Nähe des Lokals, wo der jungen Frau mutmaßlich K.o.-Tropfen verabreicht wurden. Eine erste Spur.

Die Autorin Zora Holt hat zuvor zur Reihe „In anderen Umständen“ Drehbücher beigesteuert und schon in dem Film „Der Mörder unter uns“ einen heiklen Stoff – ihr Thema war Selbstjustiz – souverän bewältigt. An diese Qualität knüpft sie mit „In einem anderen Leben“ nahtlos an. Dem Sujet angemessen wählt Regisseur Jens Wischnewski eine leise Tonart und lässt die Schauspielerinnen und Schauspieler unaufdringlich agieren. Zurückhaltend desgleichen Frank Küppers Kameraarbeit, kein Zeichen von Kunstlosigkeit, vielmehr sehr subtil, abzulesen beispielsweise an der Art, wie die Figuren über Spiegelungen zueinander ins Verhältnis gesetzt werden.

„In Wahrheit: In einem anderen Leben“ (ZDF) – Ein Muster an Feingefühl

Auch in dieser Beitrag zur Reihe widmet sich, wie teils schon die vorausgegangenen Folgen, den Auswirkungen einer Gewalttat, die, weil es überflüssig wäre und unwillentlich spekulativ geraten könnte, gar nicht gezeigt wird. Eine gute Entscheidung.

Ein Vergleich mit der dritten Staffel der britischen Serie „Broadchurch“ drängt sich auf. Auch dort hatten die Ermittler eine Vergewaltigung zu klären. Wie schon mit der ersten Staffel der Serie setzte der Autor Chris Chibnell Maßstäbe. Er hatte sich von polizeilichen Fachabteilungen, Beratungs- und Selbsthilfestellen eingehend unterrichten lassen und beschrieb mit kaum noch zu übertreffendem Feingefühl und größter Akkuratesse, welche Qualen das Opfer kurz nach der Tat und noch lange danach durchleiden muss.

In Wahrheit: In einem anderen Leben

Samstag, 21.8., 20:15 Uhr, ZDF

Chibnall und das Regieteam hatten acht Episoden zur Verfügung und damit die Möglichkeit, den Stoff differenziert, intensiver und ausführlicher zu bearbeiten. Ein anderes Erzählmuster also, eine andere Dramaturgie – so gesehen, bewegen sich beide Produktionen auf verwandtem Niveau. (Harald Keller)

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