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Im Wilden Westen: Ibrahim Koma (Passepartout), David Tennant (Phileas Fogg), Leonie Benesch (Abigail Fix, v.l.). Foto: Tudor Cucu/ZDF
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Im Wilden Westen: Ibrahim Koma (Passepartout), David Tennant (Phileas Fogg), Leonie Benesch (Abigail Fix, v.l.).

TV-Kritik

„In 80 Tagen um die Welt“: Mini-Serie heute Abend im ZDF

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Ein Spaß für unsere Tage auch heute Abend wieder im ZDF: die adrette und recht gruppendynamische Weihnachtsserie „In 80 Tagen um die Welt“.

Frankfurt - Die Neuverfilmung von „In 80 Tagen um die Welt“ im ZDF passt so gut in diese Welt, dass man sich kurz klar machen muss, wie alt der Plan dazu ist. Ein echter Vor-Corona-Plan, durch Corona unterbrochen und um ein Jahr verschoben, denn da eine der berühmtesten Wetten der Literatur an Weihnachten zur Einlösung gebracht werden muss, ist die Terminierung unwiderstehlich. Unwiderstehlich auch, in diesen Tagen Menschen – Menschen übrigens mit teils ausgeprägten Nähe-Distanz-Problemen – dabei zuzuschauen, wie sie besinnungslos um den Erdball flitzen. Per Schiff, Ballon, Zug, Kutsche, Kamel. Zu Fuß.

Die Menschen sind dermaßen in Eile, dass ihnen die Schönheit der Welt immer nur sekundenweise sich offenbart (gedreht wurde unter anderem in Südafrika, aber der Computer macht alles möglich, so wie früher das Pappmaché, Serienkintopp bleibt insofern Serienkintopp). Sie sind zudem so englisch / französisch, dass ihnen die Fremdheit der Welt irgendwo auch fremd bleibt. Es ist ein erfrischender Moment, als der Brite nach manchem Abenteuer in einer Hongkonger Bank mit sorgfältig ausgefülltem Formular beschwingt an den Geldschalter tritt, „wie eine Robbe, die ins Meer zurückkehrt“, kommentiert der weniger durchorganisierte französische Begleiter. Das hindert die Reisenden nicht daran, von der Fremde entzückt zu sein wie eine Passagiergruppe vom Traumschiff, der wie von ungefähr eine indische Hochzeit geboten wird.

Heute im ZDF: „In 80 Tagen um die Welt“ (ZDF) – Töten ist Töten

Es hindert sie aber auch nicht daran, sich menschlich anständig zu betragen. Die Neuverfilmung von „In 80 Tagen um die Welt“, eine internationale Produktion unter ZDF-Beteiligung, ist die perfekte Weihnachtsserie für Groß und Klein in den 2020er Jahren. Gleichberechtigung, Antirassismus, Kolonialismuskritik, soziale Gerechtigkeit und der Respekt vor dem Leben – wer hier tötet, steckt das und die Waffe nicht lächelnd weg – werden mit so dickem Pinsel aufgetragen, dass Schurken nur umschalten können. Alle anderen sollten daran denken, wie sie ihre Kindheit mit quietschenden Frauen, dummen Einheimischen und massenweise ermordeter Statisterie verbracht haben, untermalt mit US-amerikanischem oder europäischem militärischem oder intellektuellem Chauvinismus. Abenteuerfilme waren immer mehr als das Abenteuer, dann lieber eine sympathische zeitgenössische Variante.

Die sympathische Variante von „In 80 Tagen um die Welt“ im ZDF beginnt mit einem herzerfrischenden Satz: „Wir werden größere Tassen anschaffen müssen“, sagt Phileas Fogg, als der uralte Diener ihm zitternd den übergeschwappten Tee anreicht. Phileas Fogg mag ein nutzloser Snob sein, aber niemals nie würde er einen Menschen austauschen, wenn er auch den Gegenstand dazu austauschen kann. Auch die Weltumkreisung tritt er auf wohlmeinenden Rat hin nur deshalb mit einem anderen an, weil der uralte Diener das nicht überleben würde.

RolleDarsteller:in
Phileas FoggDavid Tennant
PassepartoutIbrahim Koma
Abigail „Fix“ FortescueLeonie Benesch
Bernard FortescueJason Watkins
Nyle BellamyPeter Sullivan
Thomas KneedlingAnthony Flanagan
GerardLoïc Djani
LomeAndré Penvern
GraysonRichard Wilson

„In 80 Tagen um die Welt“ heute im ZDF – Drehbuch orientiert sich an Jules Verne

Dieser bedankt sich im ZDF damit, dass er es ist, der dem Schlaumeier Fogg bei dessen Rückkehr acht Folgen später lakonisch wie Wikipedia erklärt, wie es sich mit der Zeitverschiebung beim steten Reisen nach Osten verhält und warum er seine Wette also doch gewonnen hat. Hier verrät man nicht zu viel, denn immer wieder einmal orientiert sich das wache Drehbuch von Ashley Pharoah (und anderen) an Jules Vernes Roman. Ein extrem plausibler Phileas Fogg ist David Tennant, als Doktor Who berühmt geworden, der nun also auf einer strammen, linearen Reiseroute zu erleben ist. Auch sein Phileas Fogg scheint extrem englisch, zivil, asexuell.

Ibrahim Koma mogelt sich als Passepartout in die Handlung, ebenso Leonie Benesch als rasende Reporterin Abigail Fix, wie überhaupt immer wieder Namen aus dem Buch auftauchen, ein kleines Versteckspiel mit denkbar loser Anknüpfung. Denn es ist ein reizendes Trio politischer Korrektheit und trockenen Humors, das auf Reisen geht und Konventionen zu Hause lässt. „Kein Ort für eine Frau“, sagt Phileas Fogg. „Einem Mann macht er auch wenig Freude“, sagt Passepartout. Abigail Fix’ Beruf gibt Gelegenheit, die Zeitung in ihrer Schönheit und Modernität ins Rampenlicht zu stellen (immer sucht sie nach der neusten Ausgabe, immer ist sie schon vor ihr eingetroffen, es ist die reinste Freude).

„In 80 Tagen um die Welt“

ZDF, zwei Doppelfolgen Dienstag, 21.12.2021, 20.15 Uhr, je eine Doppelfolge Mittwoch, 22.12.2021, und Donnerstag, 23.12.2021, 22.15 Uhr. Und komplett in der ZDF-Mediathek.

„In 80 Tagen um die Welt“ – was im ZDF außer Blick gerät

Ein bisschen aus dem Blick bei „In 80 Tagen um die Welt“ gerät im Laufe der Zeit die Technikgläubigkeit des Autors und seines Helden, der Sinn für Tüftelei, das Vertrauen auf den eigenen Verstand. Nach der Folge, in der eine halbzerstörte Eisenbahnbrücke dank raffinierter Gewichtlagerung – der eine steht da, der andere da, aber die Formel dazu ist enorm – überquert werden kann, wird es zunehmend gruppendynamisch. Nur die Liebe zählt, und Abenteurer sprechen ebenso gerne über Beziehungen wie die Leute in „Rote Rosen“. Die Bildsprache und Machart – inszeniert von Steve Barron (und anderen) – orientiert sich aber perfekt an den Weihnachtsabenteuern seit Beginn der Weihnachtsabenteuer. Und: Fortsetzung folgt! (Judith von Sternburg)

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