ZDF-Talk

Dunja Hayali (ZDF): Friedrich Merz offenbart tiefsitzenden Rassismus

CDU-Politiker Friedrich Merz war zu Gast im ZDF bei Dunya Hayali. Er spricht über die Zustände im Camp Moria und humane Asylpolitik, wirft aber einiges durcheinander.

  • Dunya Hayali im ZDF: „Moria: Elend im größten Füchtlingscamp Europas“
  • Mit Moderatorin Dunya Hayali diskutieren Friedrich Merz (CDU), Heinrich Bedford-Strohm, Bodo Ramelow (Die Linke), Prof. Ulrike Protzer (Virologin), Anas Modamani (Geflüchteter aus Syrien) und Reem Sahwil (in libanesischen Geflüchtetenlager geboren)
  • Friedrich Merz gibt im ZDF keine konkreten Antworten, präsentiert sich aber als Europäer

Berlin - Das völlig überfüllte Camp Moria, eine katastrophale Trinkwassersituation, keine ausreichende medizinische Versorgung und mutmaßliche Pushbacks durch griechische Behörden. In einem Video zeigt Dunja Hayali die katastrophalen Zustände an Europas Grenzen eindrucksvoll. „Europa produziert gerade einen Alptraum. Und wir alle sind daran beteiligt“ beschreibt ein Aktivist die Lage. In ihrer Talkshow (ZDF) diskutiert Dunja Hayali darüber, wie eine humane Asylpolitik aussehen kann.

Dunja Hayali im ZDF: Friedrich Merz zu Gast im Talk - Camp Moria sei „Schande für Europa“

Dass dazu ausgerechnet Friedrich Merz (CDU) eingeladen wird, erscheint mindestens ironisch. Besondere Humanität gegenüber Geflüchteten ist zumindest nicht das Markenzeichen des Parteivorsitz-Kandidaten. Doch plumpen Populismus erlaubt sich Merz – zunächst – nicht. Viel lieber weicht er den Fragen der Moderatorin aus und verhindert damit eine Diskussion. Hayali muss immer wieder nachhaken. Sollte es eine staatliche Seenotrettung geben? Gehört das Camp Moria aufgelöst? Direkte Antworten sind aus Merz nicht herauszukriegen.

Zumindest eins ist klar: Friedrich Merz empfindet die aktuelle Situation Geflüchteter als eine „Schande für Europa“. Leider verkommt dieses Europa bei Merz jedoch zu einer banalen Floskel, die es ihm erlaubt, um den heißen Brei zu reden. Das erkennt glücklicherweise auch der Mitdiskutant Heinrich Bedford-Strohm. Ja, es brauche eine europäische Lösung aber er lasse sich nicht mehr abspeisen mit der Aussage, man müsse auf Europa warten, um deine Lösung für die Situation Geflüchteter zu finden. „Das machen wir seit Jahren. Wir können nicht warten, bis alle Staaten Europas dahinterstehen.“

Dunja Hayali im ZDF: Friedrich Merz gibt keine konkreten Antworten und präsentiert sich als Europäer

Merz‘ Gerede von Europa unterstützt auch seine Auffassung, „wir“ bräuchten uns in der ganzen Sache gar keine Vorwürfe machen. Deutschland tue doch schon „sehr, sehr viel“. Damit wird deutlich, welchen Zweck Europa für Friedrich Merz in dieser Diskussion spielt: Auf diese Art und Weise muss er keine konkreten Antworten geben, kann die deutsche Politik aus der Affäre ziehen und den anderen europäischen Ländern die Schuld zuschieben. Ganz nebenbei präsentiert er sich als den ultimativen Europäer, der die Dinge nur gemeinschaftlich lösen will.

Doch Friedrich Merz hat noch eine zweite Strategie, um seine feindliche Haltung gegenüber Geflüchteten zu verbergen: Einen Schritt zurückgehen. Lautet die Frage, ob das Camp Moria aufgelöst werden soll, fragt Merz „Wo kommen die Leute eigentlich her?“. Der Schritt zurück – ein rhetorischer Kniff, um den Eindruck zu erwecken, das große Ganze im Blick und verstanden zu haben.

ZDF: Friedrich Merz in der Sendung von Dunja Hayali

In Wirklichkeit dient es nur dazu, vom Konkreten abzulenken und keine Position beziehen zu müssen. Spitzfindig wie er ist, kommt Merz schnell darauf, dass die Menschen in Moria aus Krisen- und Kriegsgebieten kommen. Die Situation dort sei doch das eigentliche Problem. Und natürlich die Schlepper! Als ob bisher keine NGO, keine Regierung darauf gekommen wäre, dass es natürlich notwendig ist, Fluchtursachen zu bekämpfen und dass Schlepper die Not der Fliehenden ausnutzen.

Dunja Hayali im ZDF: Friedrich Merz wirft alles durcheinander - Beteiligte sieht er nicht als Deutsch

Bis zum Ende der Sendung kann Friedrich Merz den matten Schein seiner philanthropischen Position allerdings nicht aufrechterhalten. Er berichtet von zwei Lehrerinnen, die ihm erzählten, sie würden das Problem mit den „türkischen und muslimischen Kindern“ nicht in den Griff bekommen. Diese Probleme könne man doch nicht ignorieren, so Merz. Ganz unabhängig davon, dass es um türkische Kinder in dieser Diskussion überhaupt nicht geht und Geflüchtete sich wohl auch unter dem Etikett „muslimisch“ unzureichend bis falsch beschrieben fühlen werden, nimmt Merz die Geschichte zum Anlass, alle möglichen Vorurteile gegenüber muslimischen Menschen ins Feld zu bringen.

Anschließend erwähnt er den geschilderten Vorfall im Zusammenhang mit den Ausschreitungen in Frankfurt und Stuttgart sowie dem Fall einer Vergewaltigung u.a. durch Geflüchtete in Freiburg. Hier offenbart sich ein tiefsitzender Rassismus. Respektloses Verhalten in der Schule, nächtliche Ausschreitungen und eine Vergewaltigung– es wird alles in einen Topf geworfen. Nur für Menschen wie Merz haben diese vier Fälle etwas miteinander gemein: Dass die Beteiligten in ihren Augen keine Deutschen sind. (Von Josephine von der Haar)

Lesen Sie auch: Nicht zum ersten Mal steht Hessen im Blickpunkt rechtsextremer Aktivitäten. Darüber und über die mögliche rechtsextremistische Unterwanderung der Sicherheitsbehörden ging es bei Dunja Hayali. Zudem musste Dunja Hayali einen Dreh bei einer Corona-Demo in Berlin abbrechen. Sie wurde beschimpft und bedrängt.

Rubriklistenbild: © Jule Roehr/ZDF

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