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ZDF „Die Toten von Salzburg - Treibgut“: Alfons Seywald (Erwin Steinhauer)und Hubert Mur (Michael Fitz) unterhalten sich in der Gerichtsmedizin.
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ZDF „Die Toten von Salzburg - Treibgut“: Alfons Seywald (Erwin Steinhauer, l.) und Hubert Mur (Michael Fitz, r.) unterhalten sich in der Gerichtsmedizin.

TV-Kritik

„Die Toten von Salzburg: Treibgut“ (ZDF) – Ein Behinderter, eine Drogenkonsumentin und ein Coming-Out

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Im siebten Film der ORF-ZDF-Reihe „Die Toten von Salzburg“ mischen sich klassischer Krimiplot mit einer Fülle drolliger und hintersinniger Einfälle.

Dunst liegt über Salzburg. Ein Rabe segelt über die Festung Hohensalzburg und den Dom hinweg in Richtung Salzach. Mit einem überraschenden Schnitt geht es unter Wasser weiter. Auf dem Grund ruht ein altertümlicher Lederkoffer, bekommt Auftrieb, gelangt an die Oberfläche. Er wird bald zum Asservat in einer Mordermittlung werden.

Die Autoren Silvia Wohlmuth und Klaus Ortner und Regisseur Erhart Riedlsperger haben einen recht originellen Weg ausgeheckt, das Gepäckstück in die Handlung einzuführen. Am Ufer startet ein Amphibienbus, um einer Gruppe Touristen Salzburg von der Wasserseite aus zu zeigen. Aber dann blockiert die Schraube, der Schiffsführer schaut nach, und was er entdeckt, wird ihm und seinen Fahrgästen gründlich den Tag verderben.

ZDF: Die Toten von Salzburg – Korruption in der Tourismusindustrie

Eine ungewöhnliche Ouvertüre, die zugleich das unterschwellige Thema dieses Kriminalfilms etabliert: Nutzen und schädliche Auswüchse der Tourismusindustrie.

Das Mordopfer Lien Kang (Andrea Guo) war in Salzburg für das Busunternehmen Mandl als Fremdenführerin tätig und mit Konstantin Mandl (Max Paier), dem Sohn des Betreibers, liiert. Kang ist Deutsche chinesischer Herkunft. Major Peter Palfinger (Florian Teichtmeier) und Bezirksinspektorin Irene Russmeyer (Fanny Krausz) reagieren mit Stoßseufzern auf die Information, dass Kang aus dem oberbayerischen Traunstein stammt. Denn das bedeutet, dass sie einmal mehr mit dem reizbaren Hubert Mur (Michael Fitz) von der Kriminalpolizeiinspektion Traunstein zusammenarbeiten müssen. Aus Erfahrung ein eher strapaziöses Unterfangen.

Aber der Kriminalhauptkommissar mit dem sprechenden Namen überrascht seine Umgebung und auch die Stammzuschauer der Reihe. Ehefrau Helene (Natalie O’Hara) und er haben ihre Krise überwunden. Der Freund üppiger Fleischgerichte hat sich auf eine Fastenkur eingelassen und besucht eine Gruppentherapie, um seine zornigen Aufwallungen in den Griff zu bekommen. Das gelingt ihm sogar. Sein ungewohnt sanftes Verhalten irritiert seinen geplagten Adlatus, Polizeiobermeister Wagner (Sebastian Edtbauer), dermaßen, dass nun er seinerseits die Fassung verliert und sich quer durch die Dienststelle brüllend über Murs neue Umgangsformen beschwert. Mur reagiert seinerseits mit einem Wutausbruch, und alles ist wieder im Lot.

ZDF: Die Toten von Salzburg – Der Hofrat muckt auf

„Treibgut“ ist der siebte Film innerhalb der seit 2016 ausgestrahlten österreichisch-deutschen, von ORF und ZDF koproduzierten Reihe „Die Toten von Salzburg“ und bereitet einmal mehr am meisten Freude, wenn man die früheren Folgen gesehen hat.

Neben den Ermittlern gehören auch Charaktere aus deren privatem Umfeld zum wiederkehrenden Personal. Immer für eine hintersinnige Pointe gut ist Peter Palfingers Bruder Sebastian (Simon Hatzl), ein abtrünniger Priester mit häufig wechselnden Berufen. Aktuell betätigt er sich als Fremdenführer – nicht im Massen-, sondern im „Bio-Tourismus“, so seine Worte –, bereitet sich auf die staatliche Prüfung vor und kokettiert heftig mit der aparten Agenturchefin Uschi Kastner (Barbara Kaudelka), ist aber auch mit Bezirksinspektorin Russmeyer befreundet, was diese im Laufe der Geschichte in eine hoch heikle und ziemlich brenzlige Lage bringt.

Die Toten von Salzburg: Treibgut

Mittwoch, 11.08., 20.15 Uhr, ZDF

Auch die Geschichte von Hofrat Alfons Seywald (Erwin Steinhauer) wird auf erbauliche Weise fortgeschrieben. Seiner Homosexualität wegen möchte ihn die auf Außenwirkung bedachte Landtagspräsidentin Zirner (Susanne Czepl) in den vorzeitigen Ruhestand drängen. Der stille Seywald reagiert trotzig – er macht seinem Lebenspartner, dem Bestatter René Kleist (Michael Schönborn), kurz entschlossen einen Heiratsantrag. Kopfschüttelnd kommentiert die Landtagspräsidentin den ihrer Meinung nach beklagenswerten personellen Zustand der Kriminalabteilung: „ein Behinderter, eine Drogenkonsumentin und ein Coming-Out.“

ZDF: Die Toten von Salzburg – Mit himmlischem Beistand

Nur eine Auswahl aus den oftmals mit ironischem Anklang servierten Begebenheiten, mit denen das Autorenteam die klassische Mordermittlung garniert. Die führt einmal mehr in gehobene Kreise, lotet die Abgründe ehrenwerter Häuser und angesehener Familien aus. Der Krimiplot ist nicht allzu vertüftelt, gelegentlich muss der Zufall helfen, und ein himmlisches Wunder gibt es auch, aber diese Mankos werden auf recht sympathische Weise mit drolligen Einfällen überspielt.

Die Behinderung des Rollstuhlfahrers Palfinger, der sich durch einen Unfall mit dem Gleitschirm eine Querschnittslähmung zugezogen hatte, wird seltener thematisiert als zu Beginn, dafür aber treffend, so wenn in einem Restaurant der Treppenlift nicht funktioniert. Anlass nebenbei für einen Metascherz. Behindertenhilfsmittel geraten in durchschnittlichen Fernsehfilmen zumeist nur dann ins Bild, wenn eine der Figuren darauf angewiesen ist. Also selten. Durchaus mehrdeutig also, wenn Hofrat Seywald kommentiert: „Diesen Dreck gibt es erst, seit Sie in Salzburg sind.“

Wer ein Faible für solche Feinheiten, zeitkritische Spitzen und nicht zuletzt für österreichische Eigenarten wie altväterische Berufs- und Behördenbezeichnungen hegt – Seywald ist Chef der „Abteilung Gewalt- und Blutdelikte“ –, wird von Regisseur Erhart Riedlsperger und den Autoren Silvia Wohlmuth und Klaus Ortner, beide sind übrigens auch als Schauspieler tätig, bestens unterhalten. (Harald Keller)

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