„Young. Black. British.“: Die britische Musikerin Lianne LaHavas steht in der Mitte und trägt ein dunkles Outfit. Hinter ihr befindet sich ein weißer Kreis. Hinter dem weißen Kreis Palmenblätter mit orangenen Blüten, dahinter ein pinker Hintegrund.
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Die englische Musikerin Lianne LaHavas.

TV-Kritik

3sat-Doku „Young. Black. British.“ Wann bekommt England einen schwarzen Premierminister?

  • vonHans-Jürgen Linke
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3sat zeigt Doku „Young. Black. British.“ Über britischen Rassismus, seine Geschichte und seine Gegenwart.

  • Großbritannien hat lange Geschichte von Rassismus.
  • Junge Künstler machen Hoffnung auf Veränderung.
  • Auch Rassismus ist eine Pandemie.

Stormzy, als viriler und wortgewandter HipHop-Künstler ein Weltstar, ist eine der Hauptpersonen des Films. Die Singer-Songwriterin Lianne LaHavas ist dabei, außerdem Melanie Onovo, die in Oxford studiert. Alle drei sind schwarze Bürger Großbritanniens.

Gut, dass Schwarze in der Musikbranche Erfolg haben, ist nicht völlig ungewöhnlich. Aber dass eine Schwarze, die in einem Arbeiterviertel aufgewachsen ist, in Oxford studiert und somit in absehbarer Zeit möglicherweise zur Elite des Landes gehören könnte – das ist wirklich ungewöhnlich.

Findet Melanie Onovo auch. Genau wie viele ihrer Mitstudenten und (selbstredend weißen) Hochschullehrer. Sie berichtet von Problemen mit Rassismus an der Uni, der hier etwas weniger grobmotorisch daherkommt als in bestimmten Londoner Stadtvierteln, aber nicht weniger präsent und genauso allgegenwärtig ist.

Geschichte des Rassismus in Großbritannien älter als in den USA

In Großbritannien sind etwa drei Prozent der Bevölkerung Schwarze. Die meisten von ihnen sind selbst eingewandert oder Nachkommen von Einwanderern aus ehemaligen Kolonien. Dass es im Lande institutionalisierten Rassismus gibt, spüren sie täglich. Deshalb gehen sie zurzeit in spontaner Solidarität mit ihren US-amerikanischen Leidensgenoss*innen auf die Straße und kümmern sich auf ihre Weise um die öffentlich aufgestellten Statuen historischer Rassisten, von denen es in Großbritannien mehr als genug gibt: Black Lives Matter!

Die Geschichte des britischen Rassismus ist älter als die in den USA. Immerhin waren es Briten, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts reich damit wurden, von England – vor allem der Hafen von Liverpool spielte hier eine dominierende Rolle – Baumwollstoffe nach Westafrika zu verschiffen, dort gegen Sklaven einzutauschen, diese in die Baumwoll- und Zuckerrohr-Anbaugebiete der beiden amerikanischen Subkontinenten zu transportieren und von dort mit frischen Rohstoffen zurück gen Liverpool zu fahren.

Zur Sendung

„Young. Black. British.“ Eine Dokumentation von Diana Zimmermann, Samstag, 12.09,2020, 19:20 Uhr, 3sat

Rassismus in Großbritannien: Langes Warten auf Veränderung

Der britische Kolonialismus und die daran sich knüpfenden, militärisch protegierten Handelsbeziehungen war über Jahrhunderte eine der gewaltförmigsten Unternehmungen auf dem Planeten. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts war zwar den Briten der Sklavenhandel verboten. Entschädigungen für das Verbot aber zahlte der Staat nur an die Händler. Nie gab es auch nur eine Guinee Wiedergutmachung für die Sklaven und ihre Nachkommen. Immerhin bis 2015 hat der englische Staat an diesen Entschädigungen gezahlt, ein gutes Jahrhundert länger als die Bundesrepublik an den Reparationen für den Ersten Weltkrieg.

Wie auch immer: Auch Rassismus ist eine Pandemie. Stormzy, Lianne LaHavas und Melanie Onovo jammern nicht herum, sondern analysieren mit klugen Argumenten, britischem Humor und einem souveränen historischen Bewusstsein. Trotzdem wird wohl noch viel Wasser die Themse hinunterfließen, bis ein britischer Premierminister mal eine andere Hautfarbe hat. Aber es macht viel mehr Spaß, Stormzy und Lianne LaHavas und Melanie Onovo zuzuhören und zuzuschauen als Boris Johnson. (Von Hans-Jürgen Linke)

Ein Bremerhavener Kneipier fand ein Getränk mit rassistischem Namen lustig. Nun hat er nicht nur Ärger mit der Justiz, sondern auch mit Jägermeister und den Asterix-Verlegern.

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