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Willkommen bei Graf Dracula: Hier wird die ganze Zeit Geburtstag gefeiert.
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Willkommen bei Graf Dracula: Hier wird die ganze Zeit Geburtstag gefeiert.

Hotel Transsilvanien

Wohlfühltage bei Dracula

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Dracula würde sich im Grab rumdrehen, wenn er das sehen müsste: Der 3-D-Animationsfilm „Hotel Transsilvanien“ führt in ein angestaubtes Monster-Biotop und wirft alles in einen Topf, was dem Horror-Genre in seiner klassischen Zeit lieb und teuer war.

Dracula würde sich im Grab rumdrehen, wenn er das sehen müsste: Der 3-D-Animationsfilm „Hotel Transsilvanien“ führt in ein angestaubtes Monster-Biotop und wirft alles in einen Topf, was dem Horror-Genre in seiner klassischen Zeit lieb und teuer war.

Nicht nur Horrorfilme, auch deren Parodien haben eigene, oft überstrapazierte Konventionen. Wie oft musste sich zum Beispiel der ehrwürdige Graf Dracula in modernen Zeiten wiederfinden, wo ihn das Jungvolk als hoffnungslos altmodisch outete? Man wollte ihn jedes Mal in Schutz nehmen, es ist doch immer dasselbe: Alte Schule, kein Respekt. Grusel stellte sich dabei höchstens unfreiwillig ein, manchmal jedoch immerhin ein harmloses Vergnügen – wie etwa bei Christopher Lees Ausflug in die französische Filmklamotte der 1970er, „Die Herren Dracula“. Da musste der Vampir mitunter mit Blutkonserven vorlieb nehmen, aber seinem Publikum ging es ja damals auch nicht besser. Schließlich erlebte Europa gerade den Beginn der Fast-Food-Ära.

Die hat längst auch die globale Trickfilm-Industrie erfasst. Das Gefälle zwischen dem wenig durchdachten 3-D-Futter und so kunstvollen Werken wie denen von Pixar wird immer größer. „Hotel Transsilvanien“, das Spielfilmdebüt des russischstämmigen Animators Genndy Tartakovsky, wirft nun alles in einen Topf, was dem Horror-Genre in seiner klassischen Zeit lieb und teuer war.

Dracula bietet Obdach für Kino-Veteranen

In einem Hotel in Transsilvanien bietet ein fürsorglicher Graf Dracula allerhand Kino-Veteranen Obdach: vom Wolfsmenschen und dem Unsichtbaren bis hin zu Frankensteins Monster, das hier als Ausdruck der Geschichtsverachtung selbst Frankenstein heißt. Sogar der glitschige B-Film-Star The Blob ist dabei. All diese alterslosen Geschöpfe scheinen als regelmäßige Geburtstagsgäste der Tochter des Patriarchen im Hotel Wurzeln geschlagen zu haben.

Draculas Tochter Mavis ist das Objekt einer väterlichen Überbehütung, die schon missbräuchliche Züge angenommen hat. Selbst an ihrem 118. Geburtstag will ihr der Vater keinen Ausgang gewähren, da die Menschen da draußen zu gefährlich seien. Doch wie kommen Vampire ohne sterbliche Opfer zum Aussaugen aus? Dracula liefert dem Drehbuch die nötige Erklärung mit einem Bekenntnis zu synthetischem Ersatz: „Wer trinkt denn schon noch Menschenblut? Es ist dickflüssig, und kein Mensch weiß, wo es schon drin war.“ Fassen wir zusammen: Da trifft sich also ein ganzes Gruselkabinett zum ewigen Kindergeburtstag, was die Filmemacher lustig finden. Die Geschichte kommt aber auch dann nicht recht in Gang, als sich ein smarter Rucksacktourist und Hobby-Rapper ins abgeschottete Hotel verirrt. Als buchten solche Leute nicht vorab im Internet! Natürlich muss sich Draculas Tochter mangels Auswahl in den Quatschkopf mit der vorgestrigen Jugendsprache verlieben. Sein Lieblingsausdruck ist „Locker vom Hocker“. Mit diesem Esprit ist er in der angestaubten Harmlosigkeit des Hotels Transsilvanien goldrichtig.

Dracula würde im Grab routieren

Man kann sich dennoch vorstellen, dass einmal echte Ambition in diesem Film gesteckt hat. Am Ende des Abspanns sieht man eine Reihe früher Aquarellentwürfe. Sie zeigen ein märchenhaft-magisches Transsilvanien, das wir im Film nur kurz aufblitzen sehen. Viele der ausdrucksstarken Skizzen erinnern an Gemälde von Arnold Böcklin, dessen „Toteninsel“ uns einmal in Draculas Hinterzimmer begegnet. Hätte man doch diesen Film gedreht! Nun möchte man jedes Monster einzeln für den erlittenen Image-Schaden bedauern. Den harmlosen Wolfsmenschen, der sich vor dem Mumienmann sogar für das Verspeisen einer Schafsherde rechtfertigen muss. Und vor allem Frankensteins Braut, einst in Elsa Lanchesters unsterblicher Darstellung die Königin der Horrorschmiede Universal. Hier ist sie eine hysterisch keifende Zicke. Wie würde wohl Graf Dracula auf diesen Unfug reagieren? Jede Wette: Er rotiert im Grabe.

Hotel Transsilvanien USA 2012. 91 Minuten, Farbe. FSK o. A.

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