Joseph Gordon-Levitt spielt einen Internet-Porno-Abhängigen.
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Joseph Gordon-Levitt spielt einen Internet-Porno-Abhängigen.

Glanz und Glimmer

Wie wird diese Welt ein besserer Ort?

Hollywood-Hoffnung und Hollywood-Superstar bei der Berlinale: Joseph Gordon-Levitt spielt bei seinem Regie-Debüt einen Ladykiller mit Porno-Abhängigkeit. Matt Damon stellt seinen Wettbewerbsbeitrag "Promised Land" über die amerikanische Identität vor.

Von Thomas Klein und Katja Lüthge

Skandalös charmant ist er, auch nicht hässlich oder dumm: Über Joseph Gordon-Levitt (alias "JGL"), Schauspieler, Hollywood-Hoffnung und mit seinem Regie-Debüt "Don Jon’s Addiction" im Panorama vertreten, kann man nichts Böses sagen. Er hat aber auch Glück, bei der Pressekonferenz zeigt sich die Weltpresse von ihrer besseren Seite.

Warum, will ein Journalist wissen, hat er die Geschichte des von ihm gespielten prolligen Ladykillers mit schlimmer Porno-Abhängigkeit als Komödie inszeniert? Die gesellschaftliche Wirkung von Medien sei schon ein sehr schweres, grüblerisches Thema, erklärt JGL. Pornografie sei da nur ein Aspekt, in seinem Film tauchten nicht ohne Grund auch Spielfilme, Werbespots, Fernsehen und Zeitschriften auf. "Ich wollte daraus keinen schweren, grüblerischen Film machen, dann könnte ich gleich ein Essay schreiben."

Seine Hauptdarstellerinnen hat JGL (der den Film durch sein Internet-Filmkollektiv Hitrecord produziert hat) leider nicht mit dabei. Scarlett Johansson spiele gerade am Broadway, die habe er beim Drehbuchschreiben immer für die Rolle der schönen Tussi im Kopf gehabt. Allgemeine Erheiterung. Julianne Moore ("eine der tollsten Schauspielerinnen der Welt!") sei zunächst skeptisch gewesen, weil sie gedacht habe "das sei schon wieder ein Film über Porno."

Aber dann habe sie das Skript gelesen und festgestellt, dass es gar nicht um Pornos geht, sondern um Nähe und Intimität. "Das hat mich sehr glücklich gemacht, dass sie das richtig verstanden hat." ???

Matt Damon bringt nichts aus der Fassung

Einen Mann wie diesen würde man sich im Katastrophenfall jederzeit als Helfer und Retter herbeiwünschen: Nichts scheint Matt Damon, den Schauspieler mit dem besonders beruhigenden Timbre, aus der Fassung bringen zu können. Unaufgeregt und aufrichtig, seiner Rolle im Film nicht unähnlich, sitzt er auf dem Podium zu "Promised Land", seinem Wettbewerbsbeitrag über die amerikanische Identität – für ihn eine Herzensangelegenheit.

Als Autor, Hauptdarsteller und Produzent hat er den Film gemeinsam mit dem ebenfalls anwesenden John Krasinski geschaffen und hätte auch gern noch die Regie übernommen, Termingründe sprachen dagegen. Gus Van Sant, der heute ein bisschen wie Andy Warhol aussieht und wirkt, als wäre er gern vollkommen woanders, hat statt dessen übernommen. Warum der Film, der in den USA schlecht angelaufen ist, so viel herbe Kritik einstecken musste, kann sich aber keiner der Drei wirklich erklären.

Bei aller, absolut glaubhaften, Gabe zur Selbstkritik: Matt Damon würde den Film genau so ein zweites Mal machen. Vielleicht, so hofft er, würde sein Wert erst später erkannt, das sei ihm in seiner Karriere schon häufiger passiert. Nicht nur das schwierige Thema Fracking, die Mitbestimmung kleiner Gemeinden bei großen industriellen Projekten überhaupt und das Ringen um das Wie des Miteinanderlebens würden in den USA gerade heiß diskutiert – Damon attestiert der Gesellschaft eine fundamentale Polarisierung in diesen Fragen.

Gefragt, ob Filme dabei helfen können, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, zeigt er sich nicht allzu optimistisch. Dabei würden wir Matt Damon selbst diese Aufgabe durchaus zutrauen.

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