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Der Start: Die beiden frischgebackenen Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec, links) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) am 1. Januar 1991 in „Animals“.
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Der Start: Die beiden frischgebackenen Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec, links) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) am 1. Januar 1991 in „Animals“.

München-Tatort

„Wir sind so normal, das würde sich heute keiner mehr trauen“

Seit 30 Jahren sind die Münchner Tatort-Kommissare Batic und Leitmayr im Amt.

Herr Wachtveitl, Herr Nemec, Herr Hofer, die Jubiläums-Folgen zum 50-jährigen Bestehen der Tatort-Reihe hießen „In der Familie“. Batic und Leitmayr sind zu Neujahr auch schon seit 30 Jahren dabei. Haben Sie drei ein Zusammengehörigkeitsgefühl in Bezug auf den Tatort? Nach dem Motto: Wir Kommissare, wir sind Teil einer großen Krimi-Familie?

Miroslav Nemec: Dazu kann ich eine kleine Anekdote erzählen. Als wir im vergangenen Jahr den ersten Teil dieser Jubiläumsfolge mit den Dortmunder Kolleginnen und Kollegen gedreht haben, gab es ein privates Zusammentreffen, das sich tatsächlich nach Familie angefühlt hat. Das war in Köln. Dort steht ein Gebäude, in dem die Innenaufnahmen aller WDR-Tatorte gedreht werden, also vor allem die Präsidiumsszenen der Kollegen aus Köln, Dortmund, Münster und diesmal eben auch mit uns. Eines Abends organisierte Dietmar Bär eine private vorweihnachtliche Kommissars-Feier für uns alle. Das fühlt sich dann tatsächlich nach „in der Familie“ an.

Udo Wachtveitl: Es gibt für uns Kommissare immer mal wieder Gelegenheiten, sich zu treffen, vor allem bei offiziellen Anlässen wie einem Jubiläum. Für diesen inoffiziellen Abend in Köln versprach uns Dietmar Bär aber eine Selfie- und Presse-freie Zone. Das soll jetzt nicht gegen Sie und die Presse gehen – aber dadurch war es schon noch ein bisserl entspannter als sonst und tatsächlich besonders schön.

Und bezogen auf die gesamte Tatort-Familie – in welcher Rolle sehen Sie sich da? Oberhäupter? Die jung gebliebenen Onkel?

Wachtveitl: Ich würde es nicht an diesen Rollen festmachen, sondern sagen: Wir sind die mit den wenigsten psychischen Defekten.

Nemec: Er meint unsere Figuren: Batic und Leitmayr, nicht uns als Privatpersonen. (Lacht.)

Wachtveitl: Na klar. Das Private ist ja uninteressant. (Lacht.) Im Ernst: Es war uns immer ein Anliegen, dass unsere Figuren dadurch interessant sind, dass sie als Menschen glaubhaft sind und nicht gebündelte Problemlagen darstellen. Mir persönlich gehen allzu viele Privatismen von Kommissaren ganz generell auf den Wecker. Wenn es persönlich ist, ist es gut. Und wenn es gut ist, darf es auch gerne originell sein. Aber ich möchte nicht von jedem Ermittler wissen, welche Fetische er hat. Wir sind drei stinknormale, heterosexuelle Männer, die in einem Mordfall ermitteln. Das ist so normal, das würde sich heute wahrscheinlich keiner mehr trauen, das ist fast schon avantgardistisch.

Nemec: Für neue Teams ist es mit Sicherheit schwieriger geworden, ein Profil für sich zu finden. Etwas, das sie abhebt von allen anderen. Nur dass bei der Suche nach einer eigenen Note inzwischen oft überdimensioniert wird.

Wachtveitl: Ja, das ist auch wie in einer echten Familie: Es kommen immer neue Mitglieder hinzu, die müssen sich erst mal profilieren – und manchmal wird es dann auch unübersichtlich. Ich könnte nicht genau sagen, wer aktuell alles ermittelt. Du?

Nemec: Ich müsste ein bisschen nachdenken, aber so ungefähr weiß ich es schon, ja. Manche Kollegen kennt man aber auch schon sehr lange, mit Sabine Postel habe ich früher zum Beispiel Theater gespielt, mit Klaus J. Behrendt tausche ich auch schon mal eine SMS aus.

Und Sie, Herr Hofer? Kennen Sie die Kollegen von Kiel bis Zürich?

Ferdinand Hofer: Ich finde es mitunter auch unübersichtlich. Ich habe jetzt beim Drehen natürlich die Kollegen aus Dortmund kennengelernt. Aber wenn ich ehrlich bin, kenne ich eigentlich nur meine eigene Münchner Tatort-Familie richtig gut.

Nemec: Ferdi, wenn du Udo und mich jetzt in Vater und Mutter einteilen müsstest?

Hofer: Das ist ja wohl ganz klar, dass du, Miro, bei uns die Mutti bist.

Und Udo Wachtveitl macht den Papa?

Hofer: Nein, der Papa bin ich! Udo ist das Kind (Alle lachen und nicken zustimmend.)

Wachtveitl: Komm du mir nach Hause!

Dass mit Kalli ein junger Kollege ins Team gestoßen ist – hält das Batic und Leitmayr jung oder lässt sie das in manchen Szenen besonders alt aussehen?

Wachtveitl: Das ist ja eine nette Frage! Kalli, also Ferdi, sag das Richtige jetzt!

Hofer: Ging die Frage nicht an euch?

Nemec: Mach nur du, Ferdl!

Hofer: Also, ähem, ich würde sagen, dass ihr definitiv jünger wirkt, seit ich an eurer Seite...? (Wachtveitl und Nemec lachen ziemlich dreckig, Hofer windet sich.). Nicht? Na ja, also natürlich ist da ein gewisser Altersunterschied, der ist nicht zu verleugnen. Ich finde aber, dass wir unabhängig vom Alter sehr gut miteinander...? Tut mir leid, ich kann die Frage jetzt nicht anders beantworten. Es macht uns jedenfalls allen dreien Spaß, das kann man schon sagen, denke ich.

Nemec: Auf jeden Fall. Und wir fangen jetzt auch nicht an, deinetwegen Turnschuhe zu tragen und deine Haartolle zu kopieren. Das finde ich auch gut.

Wachtveitl: Ist Ihnen aufgefallen, dass wir den Kalli duzen, er uns aber siezt? Das geht eigentlich nicht, aber mir gefällt’s. Das ist auch so ein unzeitgeistiger Anachronismus.

Die Zeiten, in denen die Menschen ihren Tag danach planen, was um 20.15 Uhr im Fernsehen läuft, sind mehr und mehr vorbei. Auch der Tatort wird immer stärker in der Mediathek nachgefragt. Was bedeutet das für die Zukunft des Formats?

Nemec: Zunächst einmal: Es gibt immer noch sehr viele Menschen, die genau das tun: am Sonntagabend um 20.15 Uhr den Fernseher einschalten, um Tatort zu schauen. Das zeigen ja schon die Quoten. Und da sind übrigens auch sehr viele Junge dabei. Für manche Leute ist es also ganz wichtig, dass sie solche Strukturen angeboten bekommen. Dass sie wissen, Sonntag ist Tatort-Tag. Dass es aber nicht der Sendeplatz allein ist, der den Tatort erfolgreich sein lässt, zeigt das Beispiel „Babylon Berlin“. Die ARD hatte die Serie kürzlich am Sonntag um 20.15 Uhr ausgestrahlt, wohl um den quotenträchtigsten Abend in der ARD zu nutzen.

Der München-Tatort

Miroslav Nemec, geboren 1954 in Zagreb, kam mit zwölf nach Freilassing, studierte am Salzburger Mozarteum Klavier und besuchte nach dem Abschluss dort die Schauspielakademie in Zürich. Seit 1991 spielt er den Münchner Tatort-Kommissar Ivo Batic. Udo Wachtveitl, geboren 1958 in München, war bereits als Kind Synchronsprecher. Er studierte Philosophie und spielte seit Anfang der 80er in TV-Filmen. Zusammen mit Nemec startete er als Münchner Tatort-Kommissar, in seiner Rolle heißt er Franz Leitmayr.

Ferdinand Hofer, geboren 1993, aufgewachsen im Landkreis Miesbach, wurde als Zwölfjähriger von Regisseur Marcus H. Rosenmüller für den Film „Schwere Jungs“ entdeckt. Im Mai 2014 hatte er sein Tatort-Debüt als Kriminalassistent Kalli Hammermann. Der erste München-Tatort mit Batic und Leitmayr hieß „Animals“ und wurde am 1. Januar 1991 ausgestrahlt. Zuletzt waren die beiden mit dem Dortmund-Team in der Doppelfolge „In der Familie“ zu sehen, die Ende November / Anfang Dezember lief.

Hat aber nicht funktioniert. Im linearen TV ist „Babylon Berlin“ gefloppt.

Hofer: Dafür war es in der Mediathek erfolgreich. Die Zielgruppe ist einfach eine andere. Die schaut halt eher online. Ich finde aber nicht, dass es für den Tatort zum Problem werden sollte, wenn auch er immer öfter online geschaut wird, im Gegenteil. Es sollte eine Motivation sein.

Wie meinen Sie das?

Hofer: Die Konkurrenz ist riesig im Netz. Wenn man mit dem Tatort gegen Streamingdienste bestehen will, muss man gute Qualität anbieten.

Wachtveitl: Das stimmt, das ist ein sehr guter Aspekt. Wenn der Tatort raus muss aus seiner ihn beschützenden Umgebung des Sonntagabends, darf er sich nicht genau darauf ausruhen.

Hofer: Unabhängig davon glaube ich aber auch, dass der Tatort immer etwas Besonderes bleiben wird. Das ist auch in meinem Freundeskreis noch so.

Also keine Sorge um die Zukunft des Tatorts?

Wachtveitl: Man muss schon aufpassen, dass man die Marke nicht überdehnt – mit ständigen Wiederholungen, aber auch mit einer vielleicht zu hohen Schlagzahl an Teams. Ich glaube wirklich, dieses Land kann nicht beliebig viele Tatorte pro Jahr produzieren, die alle gut sind. Das geht nicht. So viele gute Autoren und Regisseure sind gar nicht da.

Nemec: Gerade in den vergangenen zehn Jahren wurde die Marke wirklich sehr gehypt. Ich hatte manchmal das Gefühl, es läuft überhaupt nichts anderes mehr. Überall Tatort. Es wurden sogar Doktorarbeiten darüber geschrieben. Das wurde mir schon manchmal zu viel. Wir sollten uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren.

Das wäre?

Wachtveitl: Eine gute Krimigeschichte, gut erzählt.

Sie haben immer betont, dass Sie keinen Vertrag mit dem Sender haben und es somit auch kein Datum gibt, an dem Ihr Arbeitsverhältnis endet. Aber haben Sie eine Art Pakt untereinander geschlossen – nach dem Motto: Wenn wir gehen, dann gemeinsam?

Wachtveitl: Also, wenn überhaupt, dann ist als erstes für ihn Schluss. (Zeigt auf Miro Nemec) Er ist der Älteste.

Nemec: Sehr lustig. Die ehrliche Antwort ist: Wir haben keine Pläne. Und über unser Ende entscheiden im Übrigen auch nicht wir alleine.

Das ist ja wohl ein bisschen kokett.

Wachtveitl: Wenn der Miro noch Geld braucht, wenn ich aussteige, dann macht er weiter?

Nemec: Na klar.

Wachtveitl: Und wenn sie dich allein nicht wollen, dann leih ich dir was. Wir haben uns über das Ende tatsächlich nicht unterhalten. Das ist so. Ich habe mir aber natürlich schon Gedanken gemacht, wie ich mir das Ende vom Leitmayr vorstelle.

Nemec: Jetzt sind wir aber gespannt.

Wachtveitl: Die Idee ist leider so gut, dass ich’s nicht sagen kann. Es wird auf jeden Fall nichts Tragisches, Dramatisches sein. Das würde nicht zu uns passen.

Nemec: Nein. Wenn es etwas gibt, das wir verabredet haben, dann das: Wir bleiben uns treu. Bis zum Ende.

Und das wäre ungefähr wann?

Nemec: Wenn wir im Rollator den Verbrechern nachfahren müssen.

Wachtveitl: Oder wenn das Verbrechen endgültig besiegt ist.

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