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Porträt

Die Windmühlen werden nicht kleiner

Ein sehenswertes Porträt des Schauspielers und geläuterten Terroristen Christof Wackernagel: "Der Weiße mit dem Schwarzbrot".

Von xxmk

Im Jahr 1977 schlug der Schauspieler Christof Wackernagel die Hauptrolle in Alan Parkers "Midnight Express" aus, um sich stattdessen der Roten Armee Fraktion anzuschließen. Wackernagel war damals gerade 26 Jahre alt, aber schon seit zehn Jahren ein Star des deutschen Films, und wenn man ihn über diese Wegscheide seines Lebens sprechen hört, klingt das beinahe wie einem Hollywood-Drehbuch entnommen.

Nach zwei Monaten im Untergrund wird der steckbrieflich gesuchte Wackernagel gemeinsam mit Gert Schneider in Amsterdam von der Polizei gestellt und in Wildwest-Manier zur Strecke gebracht. Während Andreas Baader im Kino zuletzt wie in einem Western von Sam Peckinpah starb, erscheint der Schusswechsel in Amsterdam als garstige Wiederholung der Schlussszene von "Butch Cassidy und Sundance Kid". Der Unterschied zu Baader ist freilich, dass Wackernagel überlebte und die eigene Verbohrtheit heute selbst nicht mehr fassen kann.

Mittlerweile lebt Christof Wackernagel im afrikanischen Mali, was Jonas Groschs sehenswertem Porträt seinen schönen Titel "Der Weiße mit dem Schwarzbrot" beschert. Grosch begegnet einem Don Quichotte im weißen Turban, dem es gelingt, mit seiner Vergangenheit hart ins Gericht zu gehen und sich dabei doch treu zu bleiben. Wackernagel erzählt von der schmerzhaften Scham, die auf die Läuterung folgte, und man versteht, warum er am anderen Ende der Welt neu anfangen musste.

In ihm steckt unglaublich viel überschüssige Energie, die manchmal ziemlich unkontrolliert aus ihm heraus bricht, aber letztlich von einer gesunden Selbstironie im Zaum gehalten wird. Der Auswanderer kämpft weiter für eine bessere Welt, steigert sich gleichermaßen ins Reden wie ins Handeln hinein und versucht, neben deutschem Schwarzbrot auch den Recycling-Gedanken in Mali zu etablieren.

Sein wiederholtes Scheitern nimmt Wackernagel dabei beinahe gelassen hin, dass seine Idee einer Karawane des Friedens vom damaligen Außenminister Joschka Fischer nicht ernst genommen wurde, wurmt ihn allerdings immer noch. Unter den Gedenkfilmen zur 68er-Bewegung und ihren Folgen, ist dies sicherlich der Ungewöhnlichste.

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