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Freie Auslegung eines beliebten Gesellschaftstanzes in "Rumba".
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Freie Auslegung eines beliebten Gesellschaftstanzes in "Rumba".

Der Wind wirft die Blume zurück

Wenn zwei Clowns nicht Komödie spielen: In "Rumba" triumphiert die Liebe über die Widrigkeiten

Von HEIKE KÜHN

Lachen ist gesund. Nur nicht für den, über den man lacht. Der Begriff der Slapstick-Komödie geht auf den Laut zurück, den ein zum Ende hin zweigeteilter Stock fabriziert, wenn seine beiden Hälften auf dem Hintern eines mit schlichtem Humor Geschlagenen zusammenfinden. Dass das Lachen übers Bestraftwerden subversiv sein kann, bewiesen Stan Laurel & Oliver Hardy, in Deutschland besser bekannt als Dick & Doof. Unvergessen ihre Darbietung als Verkäufer, die im Sommer Weihnachtsbäume anbieten. Ein besonders unwilliger Käufer wird von den beiden geplagt, bis sein Haus in Schutt und Asche liegt.

Der Ruinenbesitzer revanchiert sich mit der Zerlegung ihres Autos. Als alle Objekte zerstört sind, geht es an die letzte Reserve. Die Körper werden gekniffen, gestaucht, verbogen: Und slap und slap und slap. Ein Polizist bereitet dem Irrsinn ein Ende. Prompt wird er zum gemeinsamen Feind, der die groteske Ordnung der Dekonstruktion bedroht. Weihnachtsbäume im Sommer, der Terror des ganzjährig geheiligten Konsums, der Krieg der Selbstgerechten, die nur ihren Schaden, nicht aber die eigene Schädlichkeit sehen, die Motive sind klug, aber die Lust an der Zerstörung ist klüger. Der Slapstick führt Krieg gegen die Zivilisation und zeigt, wie dünn das Furnier der Manieren über dem Sperrholz der Eigensucht spannt.

Buster Keaton und Charlie Chaplin wollten ein anderes Lachen. Ihre Filme wendeten das furchtbar Komische in eine komische Furchtlosigkeit gegenüber den Mechanismen moderner Entfremdung. Anstelle der Lachsalven strebten sie das melancholische Gelächter der Erkenntnis an, das sie im Zirkus und in Varietés erprobt hatten. Als ehemalige Clowns wussten Keaton und Chaplin um die Weisheit der mitfühlenden Ironie. Der Clown mag fallen, aber er zögert nicht, an seine Auferstehung zu glauben.

An diese Tradition, aber auch an die Filme von Jacques Tati, knüpfen die Kanadierin Fiona Gordon und ihr belgischer Partner Dominique Abel an. Clown zu sein, so die beiden Drehbuchautoren, Regisseure und Protagonisten von "Rumba", bedeute keineswegs Darsteller in einer Komödie zu sein. Ihr Film "Rumba", entwickelt mit dem französischen Clown Bruno Romy, ist denn auch ein komischer Ausnahmezustand. Inmitten der Katastrophe, die das Lehrerpaar Dom und Fiona in einer französischen Kleinstadt ereilt, bleibt der Humor von "Rumba" zärtlich und lebensbejahend, ein Triumph der Liebe über die Widrigkeit des Vergessens. Der Rahmen, in dem die beiden ihre Leidenschaft fürs Tanzen pflegen, ist der eines immer präsenten Bewusstseins für das Schauspiel unseres Lebens.

Nicht nur die knallbunten (Tanz-)Kostüme, in denen Fiona und Dom die vorstädtische Tristesse zum Schwingen bringen, heben die (Selbst-)Inszenierung als Mitspieler hervor, sondern auch ihr Haus, das einer Guckkastenbühne gleicht, sowie die auf komischste Weise selbstverständliche Einbettung von Rückprojektionen in die Landschaft ihrer verträumten Selbstwahrnehmung. Nachdem sie erneut einen Tanzwettbewerb gewonnen haben, auch ihre Auslegung der Rumba kratzt an der oberflächlichen Makellosigkeit professioneller Tanzturniere, weichen die Verliebten einem unbeholfenen Selbstmörder aus. Während der unfähige Selbstmörder weinend ins Leben zurückkehrt, verliert Dom sein Gedächtnis und Fiona ein Bein.

Die Klaglosigkeit, mit der beide ihr Geschick hinnehmen, obwohl es zum Verlust ihres Hauses und zur Trennung führt, wird vom burlesken Witz eines tiefer reichenden Menschenbildes gespeist: Die Liebe vergisst nichts und überwindet den Tod. Überzeugt von Dons Ableben, wirft Fiona eine Rose ins Meer. Der Wind wirft die Blume zurück. Nach drei Anläufen befördert Fiona die Rose mit einem Badmintonschläger ins Wasser.

Doch alles, was man zu wissen glaubt, schlägt in dieser humanistischen Burleske zurück und erweckt die Komik zu neuem Leben. Dom wird die Rose finden. Vielleicht ist er nicht der Dom, den Fiona kannte, doch das ist auch eine Chance. Ganz sicher für die Kunst des Lachens, die in diesem außergewöhnlichen Tanz der Farben und Körper mehr Spaß an der Liebe findet als an der Zerstörung.

Rumba, Regie: Dominique Abel, Fiona Gordon, Bruno Romy, Frankreich /Belgien 2008, 77 Minuten.

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