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Aus heiterem Himmel hat es Wilsberg (Leonard Lansink) gleich mit zwei Frauen zu tun: mit der Schneiderin Tahmina Ahmadi (Anastasia Papadopoulou, l.), die aus ihrer Schneiderei rausgeworfen werden soll, und mit der Investorin Rebekka Heise (Christine Sommer, r.), die dieses Ladenlokal kaufen will.
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Aus heiterem Himmel hat es Wilsberg (Leonard Lansink) gleich mit zwei Frauen zu tun: mit der Schneiderin Tahmina Ahmadi (Anastasia Papadopoulou, l.), die aus ihrer Schneiderei rausgeworfen werden soll, und mit der Investorin Rebekka Heise (Christine Sommer, r.), die dieses Ladenlokal kaufen will.

TV-Kritik

„Wilsberg: Aus heiterem Himmel“ (ZDF): Zwischen Immobilienhaien und chinesischen Triaden

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
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Schwache Vorstellung: Der Münsteraner Privatdetektiv Georg Wilsberg löst seinen 72. Fall.

Die Krimireihe „Wilsberg“, entstanden ursprünglich nach Romanen des Münsteraner Autors Jürgen Kehrer, bedeutet für das ZDF eine feste Bank. Fünf Millionen Zuschauer mindestens, eher sieben, im Einzelfall acht. Darunter ein hoher Anteil jüngeren Alters. Um mal die Relationen zu verdeutlichen: Netflix hat Schätzungen zufolge in Deutschland um die elf Millionen Abonnenten. Die verteilen sich auf ein schier unüberschaubares Angebot. Wie viele Zuschauer entfallen da wohl auf einzelne Netflix-Serien?

Selbst die leidenschaftlichsten Anhänger der „Wilsberg“-Reihe werden einräumen, dass die Qualität der einzelnen Filme schwankt. Da kommt schon mal das Gefühl auf, dass die Beteiligten ihr Produkt für einen Selbstläufer halten und sich bei der Mühewaltung sehr zurückhalten. Bei der aktuellen Folge ist das wieder der Fall.

„Wilsberg: Aus heiterem Himmel“ (ZDF): Aufforderung zum Tanz

Detektiv Wilsberg (Leonard Lansink) ist gerade privat unterwegs. Er schuldet Kommissarin Springer (Rita Russek) eine Kompensation für einen Gefallen. Die Gegenleistung: Er soll Springer zum Landespolizeiball begleiten und ihr als Tanzpartner zur Verfügung stehen. Springer fordert mindestens einen langsamen Walzer ein. Wilsbergs Verbindlichkeiten werden sich im Laufe der Geschichte noch erhöhen.

Zuvor muss der Schluffi Wilsberg angemessen eingekleidet werden und sitzt nun maulend und mit langem Gesicht im Atelier der Schneiderin Tahmina Ahmadi (Anastasia Papadopoulou). Da prescht mit quietschenden Reifen die Finanzbehörde in Gestalt Ekki Talkötters (Oliver Korritke) heran und stürmt das benachbarte Musikgeschäft. Steuerhinterziehung und Geldwäsche stehen als Verdacht im Raum. Der Inhaber Jazek Antonov (Christian Kuchenbuch) wurde angezeigt. Eine Schikane des Hauseigentümers, der die mit einem günstigen Mietvertrag beschenkten kleinen Ladenbesitzer, dazu zählt noch ein Modellbaufachgeschäft, zum Auszug bewegen möchte.

„Wilsberg: Aus heiterem Himmel“ (ZDF): Mord vor dem Auge der Kamera

Schon hat Wilsberg einen neuen Auftrag. Er soll die trüben Machenschaften des Spekulanten nachweisen. Kaum hat er mit der Arbeit begonnen, geschieht der erste Mord. Wilsberg und Ahmadi werden sogar Augenzeugen, denn sie führen gerade ein Videotelefonat mit dem Opfer, als der Schuss fällt. Natürlich ist der Täter oder die Täterin nicht zu erkennen.

Wie so oft, ermitteln Wilsberg und Anna Springer parallel. Ihr notorischer Adlatus Overbeck (Roland Jankowsky) ist derweil anderweitig beschäftigt. Er befasst sich mit einer App, über die sich Marihuana so einfach wie Pizza oder Döner per Bringdienst bestellen lässt. Overbeck wittert eine Attacke chinesischer Triaden, die die westliche Welt untergraben wollen. „Da rollte jemand eine mental-virale Revolution aus.“

RolleDarsteller:in
Georg WilsbergLeonard Lansink
Ekki TalkötterOliver Korittke
Kommissarin Springer\tRita Russek
OverbeckRoland Jankowsky
GrabowskiVittorio Alfieri
Rebekka HeiseChristine Sommer
Jazek AntonovChristian Kuchenbuch
Nils SchiefferMarek Harloff
Tahmina AhmadiAnastasia Papadopoulou
Milena ProbstNatalia Rudziewicz
Isabel WolfangelSarah Alles
Tillmann DrösserDirk Martens
Hans ÜberholzDirk Ossig

„Wilsberg: Aus heiterem Himmel“ (ZDF): Chamäleon vom Dienst

Und da fangen die Irritationen auch schon an. Overbeck kann hochgestochen über Untergrundorganisationen schwadronieren, „die experimentell mithilfe von Digitaltechnik und Psychedelika die Weltwahrnehmung der Bürger manipulieren wollen.“ Aber für die Mitglieder seines Überwachungsteams fallen ihm keine besseren Kodenamen ein als „Adler“, „Ente“, „Habicht“. Da wurde einmal mehr das Geschehen auf den Gag hingebürstet. Der Zuschauer spürt es und ist verstimmt.

Und darf man glauben, dass den observierenden Polizisten eine vom Himmel einschwebende fette Drohne entgeht? Diese Missgeschicke weisen auf ein grundlegendes Problem der Reihe hin. Die wechselnden Autoren formen Overbeck je nach Bedarf, mal als trampeligen Einfaltspinsel, mal als westfälischen Dirty Harry, mal in Verschwörungstheorien sich verlierenden Gelegenheitsintellektuellen. Dahinter steckt keine glaubwürdige Charakterentwicklung, sondern merklich auktoriale Willkür.

„Wilsberg: Aus heiterem Himmel“ (ZDF): Verschenktes Potenzial

An Overbecks Seite erscheint erstmals die beflissene Kollegin Isabel Wolfangel (Sarah Alles). Leider wissen der Autor Mario Sixtus und Regisseur Dominic Müller mit dieser vielversprechenden Figur nur wenig mehr anzufangen, als sie mit rehäugiger Entrücktheit den abweisenden und geistig abwesenden Overbeck anhimmeln zu lassen. Dabei könnte sie mit ihrer angedeuteten Kompetenz dem Blödel mit Verve Paroli bieten. Insbesondere, da die sonst für Frechheiten zuständige Merle (Janina Fautz) in dieser Episode fehlt.

Zur Sendung

„Wilsberg: Aus heiterem Himmel“, Samstag, 22.5., 20:15 Uhr, ZDF

Dialoge wie Gags fallen ausgesprochen schwach aus. Auch stören einige Unebenheiten: Ein Drogenhändler nimmt Bestellungen per App entgegen und liefert seine Ware per Drohne aus. Wie wird er bezahlt? Dem Autor Mario Sixtus müsste dazu eigentlich eine plausible Lösung einfallen, er hat sich in Dokumentarfilmen mit dieser Thematik auseinandergesetzt.

Gar nicht glaubhaft ist das seltsame Konstrukt, dass sich ein Ladenbesitzer mit seinem unmittelbaren Nachbarn, der kurz zuvor noch in Rufweite war, auf einem Feld weit außerhalb Münsters zu einem wichtigen Gespräch verabredet. Allgemein werden zeitliche Abläufe und Ortswechsel der Figuren eher salopp arrangiert. Notfalls muss ein Polizeibulli als Taxi herhalten. Der uniformierte Fahrer nimmt Wilsbergs Zielangabe widerspruchslos entgegen. Als ob er nichts Besseres zu tun hätte. (Harald Keller)

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