Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause).
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Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause).

TV-Kritik Polizeiruf "Wolfsland"

Der wilde Osten

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Der rbb-Polizeiruf „Wolfsland“ trägt Züge eines waschechten Brandenburg-Westerns, aber leider bleiben die Drehbuchautoren nicht auf ihrer eigenen Fährte. Die Hauptermittler lassen sich praktisch gar nicht auf die Westernstimmung ein.

Der rbb-Polizeiruf „Wolfsland“ trägt Züge eines waschechten Brandenburg-Westerns, aber leider bleiben die Drehbuchautoren Rainer Butt und Ed Herzog, der auch Regie führte, nicht eisern auf ihrer eigenen Fährte. Einer ungewöhnlichen Fährte, die bisher am ehesten beim Borowski-Tatort in Kiel vorkam, wo sie besonders herzerfrischend nicht hinpasst. Im Brandenburgischen führt sie nun zu nächtlichen Lagerfeuern mit heulenden Wölfen. Und zu einem wenn dann auch Doch-nicht-Showdown, bei dem ein hingemordeter Wolf dramatisch durch die sandigen Straßen eines brandenburgischen Örtchens getragen wird.

Fabian Hinrichs, der demnächst in Nürnberg selbst einen Tatort-Kommissar spielt – kaum noch erwähnenswert freilich, da heutzutage praktisch jeder anständige Schauspieler auch am Sonntagabend ermittelt, noch ermitteln wird oder schon ermittelt hat –, ist der junge Westernheld. In der Nähe tummelt sich ein Rudel, der junge Westernheld macht das „Wolfsmonitoring“, während die Mitglieder des Jägervereins am Ort den Standpunkt vertreten und mit der Flinte auch nächtens dafür einstehen, dass nur tote Wölfe gute Wölfe sind. Denn was kreucht und fleucht rund umher, das wollen sie schon bitte sehr selbst erlegen. Das letzte, was sie hier brauchen, ist ein Reservat.

Held bleibt trotz Übernachtungen im Freien blass

Es ist aber nun charakteristisch für den Umgang mit diesem äußerst verheißungsvollen Ansatz, dass der Held trotz seiner Übernachtungen unterm freien Himmel blass bleibt. Und dass die Haderlumpen zwar immerhin rauchen statt ihren Rasen zu mähen, aber allein ihre Hauptvertreterin, eine Frau von T. (Monika Lennartz), denn in Brandenburg wissen sie noch, wo der Feind sitzt, ihre Schurkenrolle ein bisschen bizarr ausspielen darf. Dass ihr Lakai den dunklen Namen Hagen Stamm trägt und vom trefflichen Götz Schubert gespielt wird, verpufft am Desinteresse der Inszenierung an einer großangelegten Atmosphäre. Denn ansonsten besteht ausgerechnet „Wolfsland“ aus eher unauffälligem Personal. Die Hauptermittler Lenski und Krause, Maria Simon und Horst Krause, lassen sich schon mal praktisch gar nicht auf die Westernstimmung ein. Die Kommissarin jammert lediglich ihrem kurz anderweitig verreisten Kind hinterher, und als der Wolfsflüsterer ihr die Leiche zeigt, sagt sie, dass sei keine Leiche, das sei ein totes Tier. Die Spielverderberin, und dabei war das noch eine von den witzigeren Lenski-Äußerungen dieser Ausgabe.

Unnötige Routine

Geradezu markig wirkt es da schon, dass Kollege Wolle, Fritz Roth, unterdessen den Kampf gegen den Waschbären unterm Revierdach aufnimmt. Selbst die Wölfe, im sympathischen Bestreben, sie als defensive Zeitgenossen zu präsentieren, werden in klassischen Tierfilmaufnahmen nicht gerade – aufregend.

Betrüblicher ist allerdings, dass „Wolfsland“ noch eine tragische, aber gezwungene „alte Geschichte“ unbewältigter Vergangenheit eingepflanzt worden ist. Sie gibt dem Western den Rest und „Wolfsland“ eine Routine, die nicht nötig wäre.

Es ist unverzeihlich, dass der Schriftsteller Burkhard Spinnen, bei einer noch dazu unpassenden Gelegenheit, am Sonntagabendkrimi herumgemeckert und speziell ländlich orientierte Folgen als vorhersehbar eingestuft hat. Aber noch unverzeihlicher ist es, wenn ihm ein Sonntagabendkrimi auch noch Recht gibt.

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