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Han Solo (Alden Ehrenreich) und Chewbacca (Joonas Suotamo).
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Han Solo (Alden Ehrenreich) und Chewbacca (Joonas Suotamo).

"Star Wars Story"

Wieso heißt Han Solo "Solo"?

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Ron Howards neueste "Star Wars Story" porträtiert den Helden der Saga in der undankbaren Vorstufe der Coolness.

Wenn Filme ganze Serien von Nachfolgern generieren, sprechen smarte Journalisten und Fans gerne von einem „Franchise“. „Star Wars“ wäre dann vergleichbar mit McDonalds und die Spin-Off-Reihe „A Star Wars Story“ so etwas wie McCafé. Da ist durchaus etwas dran. Denn so wie man bei McCafé meist nicht so lange anstehen muss wie im Hauptgeschäft, gibt es vor der Handlung von „Solo“ kein langes, in einen fernen Fluchtpunkt weisendes Schriftband mehr zu lesen. Auch wenn sich kein Star-Wars-Fan wohl je darüber beklagt hat. 

Nur knapp werden wir in einem Schrifttitel darüber informiert, was wir längst schon wussten: Auch gut zehn Jahre vor den Ereignissen von „Episode IV“ ging es in derselben weit entfernten Galaxis schon recht martialisch zu. 

Auf den letzten Drücker gelingt dem jungen Han (Alden Ehrenreich) die Flucht von seinem Heimatplaneten Corelia. Wenig Zeit zum Kennenlernen bleibt dem Publikum für seine Freundin, die nicht Leia, soindern Qi’ra heißt und von Emilia Clarke verkörpert wird. Dann werden die beiden auch schon getrennt. Not und Einsamkeit treiben den jungen Mann wie so viele Abenteurer in der Literaturgeschichte erst einmal zum Militär: Die Imperiale Armee ist ihm gerade gut genug, sich zum Flieger ausbilden zu lassen. Man kann sich gut vorstellen, wie die einprägsame kleine Szene der Rekrutierung wohl entstanden sein könnte. Vielleicht fragte Lawrence Kasdans Sohn Jonathan, der sich mit seinem Vater den Drehbuchcredit teilt, einmal vor dem Einschlafen: „Wieso heißt denn Han Solo eigentlich ‚Solo‘?“ und bekam darauf zur Antwort: „Ja, das war so: Bei der Anmeldung zur Fliegerausbildung wurde er nach seinem Familiennamen gefragt. Weil er aber keine Familie hatte, sagte der Beamte: Dann bist du also Solo.“ 

Es gibt noch ein paar andere kleine Szenen von ähnlichem Anekdotenpotential, die hier zu verraten ein Verbrechen wäre. Sie betreffen etwa den unorthodoxen Erwerb seines damals noch fast neuwertigen Fluggeräts. Oder den Beginn der Freundschaft mit Chewbacca. Nur soviel sei verraten: Die alte George-Lucas-Idee, er sei von dem lieben Zottel aufgezogen worden, wurde nicht verwirklicht.

Weit entfernt vom späteren Han Solo

Man kann diese unbeschwerten Augenblicke als bessere Fan-Fiction kritisieren, tatsächlich aber sind sie – neben den Einzeilern einer neuen Druidin namens L3-37 – das sentimentale Herz dieses Films – und leider in der Minderheit. Rund zwei Drittel der Filmzeit sind Schlachten, einige spektakulär, die meisten weniger. Wie sicher war sich Lawrence Kasdan einst bei Buch und Regie des Klassikers „Das Imperium schlägt zurück“ in ihrer Gewichtung. Diesmal scheinen alle Beteiligten vergessen zu haben, was niemand besser wusste als George Lucas, der Regisseur von „American Graffiti“: dass es nun mal keinen Rock’n‚Roll gibt ohne die Balladen. Dieses Gefühl für die Gewichtung ist mehr als alles andere das Erfolgsrezept von „Star Wars“, und kein Studio verstand das so gut wie Disney, dessen vierter Ausflug ins Lucas-Universum dies nun ist.

Alden Ehrenreich ist ein sympathischer und glaubwürdiger Solo, aber sich gerade diesen Helden ohne Narben und Kanten vorzustellen, ohne jene Prägungen also, die ihn erst zu Mr. Cool machen werden, ist schon etwas desillusionierend. Vom späteren Raubein, das Luke Skywalker an Reizen übertreffen wird, ist der junge Han so weit entfernt, dass man ihn wiederum davor schützen muss, von anderen an die Wand gedrängt zu werden. Immerhin ist er schon in jungen Jahren aufmüpfig genug, um gleich wieder von der Fliegerakademie geworfen zu werden. Im windigen Sternenkriegsgewinnler Beckett (Woody Harrelson) findet er einen angemessen zwielichtigen Mentor. Ein gemeinsamer Raubüberfall auf einen futuristisch designten Zug wird zum ersten wirklichen Höhepunkt des Films und zu einer Verbeugung vor dem Urgrund des amerikanischen Kinos, dem Klassiker „The Great Train Robbery“ von 1903.

Man hat viel lesen können über die Produktionsgeschichte von „Solo“ und den ersten ausgebooteten Franchise-Nehmern. Fünf Monate nach Drehbeginn, nur wenige Wochen vor dem geplanten Ende wurden die Regisseure Chris Miller und Phil Lord entlassen, deren Namen sich nun – wie ein erkaufter Frieden – im Vorspann als executive producer finden. Die Schöpfer des verwegen-anarchischen „Lego Movie“ sollen beim Dreh viel improvisiert und den geradlinigen, Genre-bewussten Stil des Kasdan-Drehbuchs mit Humor gebrochen haben. Veteran Ron Howard, der sie ersetzte, brachte alles wieder auf Kurs – wie berichtet wird, um den Preis von siebzig Prozent Nachdreh. Das macht den Film weit weniger zu einem Experiment als es das offenere Konzept eines Spin-Offs hätte erhoffen lassen. Aber doch immerhin zu einer Art 50-Prozent-Klassiker. Das ist kein Millenium-Falke von einem Film, aber doch besser als ein Besuch bei McCafé. 

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