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Wien-Tatort „Alles was Recht ist“ könnte der kürzeste aller Zeiten sein

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Von: Sylvia Staude

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Stefan Weingartner vor Gericht. Foto: ARD Degeto/ORF/KPG/Sara Meister
Stefan Weingartner vor Gericht. © ARD Degeto/ORF/KGP/Sara Meister

Der originelle Wien-Tatort „Alles was Recht ist“ (ARD) stellt die Frage nach Schuld und Sühne. Der Mordfall aber ist äußerst schnell geklärt.

Das könnte der kürzeste Tatort aller Zeiten sein, wenn es nicht Brauch wäre, dass so ein Sonntagabendkrimi in der ARD halt 90 Minuten dauern muss, basta. Denn: Einem völlig unauffälligen Angestellten (Beamten?) ist schlecht, er geht vorzeitig nach Hause, dort sitzt seine Frau mit einer Freundin fidel auf dem Sofa und spricht und gickelt (während ihr Mann noch im Flur ist) über den supertollen Sex mit ihrem Fitness-Trainer. Der Ehemann hat einen Blackout, schneidet den beiden Frauen die Kehle durch. Dann ruft er die Polizei und wartet, seine blutige, tote Frau streichelnd und zum Geständnis bereit.

Es gibt also eigentlich sogleich kein Rätsel mehr zu klären für Bibi Fellner und Moritz Eisner, Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer. Und schon macht Eisner seine Aussage im, Achtung!, Mord-Prozess. Dass die Anklage auf Mord lautet, dass der Angeklagte einen äußerst gewieften Anwalt hat, ist fatal, denn Stefan Weingartner – wie betäubt von seiner Tat, aber auch hintergründig: Johannes Zeiler – hat bestimmt nicht überlegt gehandelt.

Rolle im Wien-TatortDarsteller:in
Moritz EisnerHarald Krassnitzer
Bibi FellnerAdele Neuhauser
Meret SchandeChristina Scherrer
Dr. KreindlGünter Franzmeier
Ernst RauterHubert Kramar
Inkasso HeinziSimon Schwarz
Maria GavricInes Miro
Stefan WeingartnerJohannes Zeiler
Johanna WeingartnerNoemi Krausz
Helene SchmiedingerMarion Mitterhammer
Irene WeingartnerEva Maria Marold
Paul TuxerMorteza Tavakoli
Thomas HafnerJulian Loidl
Katja BergerDoris Schretzmayer
Hubert NovotnyDeniz Cooper
Willibald LehnerAlexander Lutz
Jelica GavricAnja Struc
Bojana AnticCaro Scheicher

Wien-Tatort „Alles was Recht ist“ in der ARD: Gereinigt wird hier nicht

Er muss freigesprochen werden. An der Gefängnispforte gibt man ihm seine Sachen, sorgsam eingepackt, aber blutbefleckt, wie sie waren. Reinigung scheint nicht zum Knastservice zu gehören. Eine mitleidige Beamtin holt von irgendwo einen Trenchcoat zum Drüberziehen.

Der Wien-Tatort „Alles was Recht ist“ von Robert Buchschwenter und Karin Lomot, Buch, und Gerald Liegel, Regie, hört mit Weingartners Freispruch natürlich noch lange nicht auf. Er stellt vielmehr die so interessante wie originelle Frage, wie jemand sich fühlt, der seine Schuld gestanden hat, der außerdem gläubig ist – und nun plötzlich weitermachen soll, als sei nichts gewesen. Der von der Tochter gehasst wird, die nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Der darum einsam ist, von aller Welt verurteilt wird, „am meisten von sich selbst“ (Eisner).

Der Köln-Tatort „Hubertys Rache“ in der ARD bot statt eines herkömmlichen Geiseldramas eine unheimlich interessante psychologische Studie.

Tatort „Alles was Recht ist“ in der ARD mit wienerisch-morbider Szene

Zum Befindlichkeitsporträt des Stefan Weingarten kommt nun doch noch eine veritable Whodunnit-Handlung – als dessen pfiffiger Anwalt erschossen wird. Könnte es Weingarten gewesen sein, weil er ja gar nicht freigesprochen werden wollte? Oder seine Tochter (Noemi Krausz)? Irgendjemand anderes, der Rache üben wollte an diesem gerissenen Verteidiger? Gerade noch sagte Moritz Eisner, „Leute wie dieser Hafner gehören aus dem Verkehr gezogen“, wie man halt so dahinsagt, ohne demjenigen den Tod zu wünschen. Irgendwie schaffen es Buchschwenter und Lomot auch noch, Bibis Bekannten Inkasso Heinzi, Simon Schwarz, in die etwas unübersichtlich werdende Handlung einzubinden. Aber nun, auch das Leben an sich ist unübersichtlich.

Nicht immer entspannt, aber doch von Zuneigung geprägt ist mittlerweile das Verhältnis von Bibi Fellner und Moritz Eisner. Auch lassen sie es wirklich nicht an Engagement fehlen. In einer wienerisch-morbiden Szene versucht Eisner, das Smartphone des Toten mittels Gesichtserkennung zu entsperren: „Was ist, wenn wir’s mit Strom probieren?“ Da blendet die Regie dankenswerterweise aus. (Sylvia Staude)

„Tatort: Alles was Recht ist“, ARD, Sonntag (03.04.2022), 20.15 Uhr.

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