Kopper (Andreas Hoppe, li.) und Lena (Ulrike Folkerts, re.) beim angeblichen Pferderipper.
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Kopper (Andreas Hoppe, li.) und Lena (Ulrike Folkerts, re.) beim angeblichen Pferderipper.

Tatort: "Die Sonne stirbt wie ein Tier" (ARD)

Ist sie wieder ganz die Alte?

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Lena Odenthal entlässt sich selbst aus der Reha und ermittelt im Fall eines Pferderippers - Schon mancher Sonntagabend-Ermittler ist unter fadenscheinigen Vorwänden in einen Fall hineinverwickelt worden. Aber so plump wie in diesem Tatort geschah das doch selten.

Das geht dann doch sehr schnell, zu schnell. Gerade ist Kommissarin Odenthal noch in der Reha wegen psychischer Probleme – man erinnert sich an Panikattacken im letzten Ludwigshafen-Tatort „Blackout“. Da kommt sie schon ein Wald-und-Wiesen-Polizist zu Hilfe holen („wir brauchen Sie“). Da fährt sie auch schon mit, Leiche gucken; ein Pferdepfleger wurde erstochen. Seltsamerweise ist sie außerdem als einzige Manns genug, ein aufgeschlitztes, sterbendes Pferd zu erschießen.

Danach sind auch Mario Kopper und Johanna Stern schon eingetroffen – und warum auch nicht? – und Lena Odenthal könnte zurück in die Kur. Theoretisch. Aber sie taucht bald im Büro auf und sagt: „Ich war doch gar nicht krank“ und ihre Vertretung, Stern (Lisa Bitter), sagt: „Na, Sie sind ja wieder ganz die Alte.“

Fadenscheinige Vorwände

Schon mancher Sonntagabend-Ermittler ist unter fadenscheinigen Vorwänden in einen Fall hineinverwickelt worden. Aber so plump wie im Buch von Harald Göckeritz und in der Regie von Patrick Winczewski geschah das doch selten (aber immerhin unter dem beeindruckenden, aus einem Konstantin-Wecker-Lied stammenden Titel „Die Sonne stirbt wie ein Tier“). „Auf dem Land, da redet man“, sagt der in der Reha auftauchende Ortspolizist zur Begründung, warum er bei Odenthal Hilfe sucht und warum er weiß, wo sie sich aufhält – obwohl doch die Mordkommission inklusive Spusi schon angefordert ist.

Nach diesem vermurksten Anfang geht es dann allerdings ein kleines Komplexitätsstück aufwärts mit diesem Tatort. Indem nämlich ein verdächtig nervöser junger Mann (Ben Münchow) in den Vordergrund tritt, der mehr als einmal beteuert: „Ich bin kein Psycho.“ Der aber eine junge Verkäuferin (Lisa Charlotte Friederich) verfolgt und fotografiert. Er ist ein diskreter Stalker. Und ein rettungslos Verliebter. Er ist einfach glücklich, als sie mit ihm ausgeht. Auch sie ist mit ihm froh.

Während die beiden jungen Leute allemal interessieren, während auch bald kein großes Geheimnis mehr darum gemacht wird, wer der Pferderipper ist, läuft die Mordermittlung an dem Tierpfleger so mit. Die üblichen Verdächtigen – der reiche, vielleicht eifersüchtige Anwalt? Seine nervlich angespannte Verlobte? – werden aufgebaut. Es gibt Verwirrung um Tatzeiten und Alibis. Die üblichen Sätze fallen, inklusive „hinterher weiß man immer mehr“. Odenthal, Ulrike Folkerts, versucht Kopper, Andreas Hoppe, schonend beizubringen, dass sie aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen will. Weil sie doch mittlerweile seien „wie ein altes Ehepaar“. Da immerhin fällt ein pfiffiger Satz: „Was ist denn daran schlimm?“, fragt Kopper.

Kommt ganz darauf an, könnte man antworten, was für eine Art von Ehepaar. Als regelmäßiger Tatort-Gucker hat man übrigens das Gefühl, mit dieser Art von Sonntagabendkrimi auch schon eine Weile sehr vertraut zu sein.

„Tatort: Die Sonne stirbt wie ein Tier“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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