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TV-Kritik Wahlabend

Westerwelles Platte hängt

Von der Gefährlichkeit der Linkspartei war wieder die Rede. Das abgehalfterte Gespenst des Kommunismus geisterte gestern Abend durch die Gesprächsrunden von Anne Will (ARD) und Maybrit Illner (ZDF). Von Felix Ehring

Von Felix Ehring

Ein Gespenst geht um - wenn schon nicht in ganz Europa, dann zumindest in Deutschland. Man ahnt es bereits: Es ist mal wieder das Gespenst des Kommunismus. Es geisterte am Sonntagabend durch die Gesprächsrunden von Anne Will (ARD) und Maybrit Illner (ZDF).

Von der Gefährlichkeit der Linkspartei war die Rede, der Unzuverlässigkeit und - natürlich - von personeller Kontinuität mit der SED. In der etwas drögen ZDF-Runde kam die EU-skeptische Haltung der Linken auf den Tisch, in der ARD krittelten Guido Westerwelle (FDP) und Günther Oettinger (CDU) am SED-Erbe der Linkspartei herum. Das dürfte nach 20 Jahren allerdings für Wähler immer weniger den Ausschlag geben, wie die Ergebnisse am Sonntag zeigten.

Anne Will hatte außerdem noch Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) geladen, der seinem liberalen Kontrahenten in Fragen des Teints in nichts nachstand. Westerwelle bekam bald Gelegenheit, die Gefahren von Rot-Rot zu beschwören.

Heute im Land, morgen im Bund - mit dieser Aussicht will die FDP die eigenen Wähler mobilisieren und vor anderen Koalitionen warnen. Er wolle nicht, dass Rot-Rot 20 Jahre nach dem Mauerfall auf Bundesebene möglich werde, sagte Westerwelle.

Westerwelle beantwortet Fragen, die niemand gestellt hat

Der FDP-Chef versuchte sich wieder staatsmännisch, geriet aber durch Wills hartnäckige Nachfragen zu den Zielen der FDP im Falle einer Regierungsbeteiligung im Bund in Bedrängnis. Will wollte wissen, ob Westerwelle den Kündigungsschutz lockern und Mindestlöhne verhindern wolle.

Westerwelle aber verweigerte die Antwort und legte stattdessen die Schallplatte zur Förderung von Familien und Mittelstand auf. Will griff ihm mehrmals genervt in den Plattenspieler: Sie finde es unfair, wenn Westerwelle nicht auf ihre Frage antworte. Westerwelle wehrte ungerührt ab, er war ohnehin glänzender Laune.

Lange boten Westerwelle und Gabriel eine unterhaltsame Runde, ohne die großen Neuigkeiten zu bieten. Wahlkampf eben, und immerhin mehr, als von der CDU zu erwarten ist.

Aber auch die CDU war ja mit Oettinger vertreten. Vielleicht hatte ein ARD-Gremium durchgesetzt, dass auf die Union nicht verzichtet werden könne in Zeiten des Wahlkampfs. Oettinger blieb jedoch bestenfalls blass neben dem Zweigespann Westerwelle/Gabriel. Er kam selten zum Zuge. Der baden-württembergische Landesvater sprach denn kryptisch vom "Höhepunkt des Ansehenstiefs" und "kommunizierenden Röhren".

Westerwelle hingegen hielt sich an erprobte Phrasen, um für sich selbst erträglich zu formulieren, dass viele Wähler erst kurz vor der Bundestagswahl ihre Entscheidung treffen werden. Vor der Wahl, sagte Westerwelle, stehe die Entscheidung "Spitz auf Knopf". Und natürlich: Es werde um die Wurst gehen.

Während Westerwelle und Gabriel zwischenzeitlich ins Infantile abglitten und sich fröhlich feixend über ihre Lesekenntnisse austauschten, ging es auch bei Maybrit Illner im ZDF um die Linkspartei: um ihre Glaubwürdigkeit, Koalitionsfähigkeit und Seriosität.

Illner hatte sich mit Hans-Dietrich Genscher, Wolfgang Schäuble und Friedrich Nowottny einen Ältestenrat einbestellt. Dazwischen saß Jürgen Trittin und bewies einmal mehr, dass er die lauteste Sprechstimme aller Politiker besitzt.

Illner amüsiert sich außerplanmäßig

Katja Kipping von den Linken versuchte die Haltung ihrer Partei in der EU-Politik zu verteidigen: Europa ja, aber bitte ohne Militäreinsätze. Schäuble wies darauf hin, dass Rot-Rot in Berlin bereits dazu geführt habe, dass SPD-Bürgermeister Wowereit sich im Bundesrat enthalten musste bei Abstimmungen zu EU-Fragen.

Thomas Oppermann (SPD) relativierte die Sonderrolle der Linkspartei:Abgesehen vom SED-Erbe sei die Partei "normal", was immer das auch konkret heißen mag.

Trittin wies darauf hin, dass auch die CSU in Europa-Fragen oft Steine in den Weg gelegt habe, was heftiges Gemurmel auslöste. Die sechs Gäste waren von Illner nicht jederzeit zu kontrollieren: "Ich stelle jetzt die nächste Frage!", beharrte sie irgendwann.

Zuvor hatte Genscher gesagt: "Europa ist unsere Zukunft", während er sich sein Wasserglas auffüllte. Nowottny amüsierte mit einem alten Journalistenspruch, über den Kipping gern gelacht hätte. Sie bremste sich dann aber zu einem verkniffenen Grinsen. Am Ende hatte auch Illner noch etwas zu schmunzeln, als sie den nachfolgenden Spielfilm ankündigen musste.

Auf Sat 1 boten Stefan Aust und Sabine Christiansen ein Kontrastprogramm: Familienministerin von der Leyen war zu Gast, es ging um Komasaufen, Amokläufe und Kinderpornographie im Internet.

Von der Leyen gab die engagierte Retterin der Jugend und setzte sich für die konsequente Umsetzung des Jugendschutzes ein. Christiansen stellte nüchtern fest, saufende Jugendliche seien ein "Armutszeugnis für die Gesellschaft".

Die Idee von Sat 1, eine Alternative zu den Landtagswahlen zu bieten, ist zwar löblich, aber die Wahlergebnisse waren in dem Fall eben doch spannender als die bekannten Positionen der Familienministerin. Während Christiansen abmoderierte, sagte Aust noch: "Nächste Woche geht?s weiter..." Davon gehen wir aus.

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