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Landschaften, die sich als Wildwest-Kulisse anbieten.
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Landschaften, die sich als Wildwest-Kulisse anbieten.

"Western"

Der Westen im Osten

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Valeska Grisebach bringt mit ihrem "Western" Gegenwärtiges in eine klassische Form.

Der Western, das amerikanischste aller Filmgenres, ist geprägt von Geschichten der europäischen Migranten. Der erste große Tonfilm-Western, Raoul Walshs „The Big Trail“ (1930) entstand gleich in fünf Sprachversionen, jede mit einem Helden aus einem anderen Land. Erst vor kurzem wurde die deutsche Fassung, „Die große Fahrt“, durch eine beispielhafte DVD und Bluray wieder zugänglich. „Der Western gehört auch den Europäern“; sagt deshalb Valeska Grisebach zurecht, ohne damit unbedingt nur Winnetou zu meinen.

„Western“ hat die Berliner Regisseurin ihren Film genannt, wir wären auch so darauf gekommen. Auch wenn er in der Gegenwart spielt unter deutschen Gastarbeitern in Bulgarien, in Landschaften, die sich in der Zeit europäischer Wildwestfilme gut als Kulisse angeboten hätten. Auch wenn nur ein Pferd erschossen wird, lassen sich die Konflikte mit den Dorfbewohnern – etwa ein Streit um die Wasserversorgung – aus zahllosen Genrevorlagen ableiten. Als heimatloser Wanderarbeiter ist die Hauptfigur des Meinhard ein Nachfahre jenes Helden, den Alan Ladd in „Mein großer Freund Shane“ verkörperte. Doch je besser wir ihn in der langsam aufgebauten und doch ruhelosen Erzählung kennenlernen, desto weniger erhaben wirkt sein Edelmut.

Was ist dran am Erdig-Echten, das diesen angeblichen Irak-Veteranen der Bundeswehr umweht? Die sicheren Gesten, die intuitive Menschenkenntnis, die ihn leichthändig Sprachbarrieren überwinden lässt, wären auch gut für die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg. Wann hat man zuletzt eine so einfühlsame, würdevolle Inszenierung von Laiendarstellern gesehen?

In einem Ensemblespiel, das so dicht ist, dass kaum ein Klappmesser dazwischen passt, spielt Grisebach meisterhaft mit jenen Vorurteilen, ohne die kaum ein Western auskäme. Und deren elementare Werte heute im Populismus ein Comeback erleben.

Wie in der Feuerwehr-Gesellschaft von Grisebachs Vorgängerfilm „Sehnsucht“ geht es um Männerbünde und die Codes von Maskulinität. Nun erweitert sie diese schillernden Netze aus Aufnahme und Ausgrenzung um einen interessanten Außenblick auf Deutschland: An der Grenze zu Griechenland verbinden die Bulgaren offenbar noch Positives damit, wie die Nazis einmal mit den ungeliebten Nachbarn umsprangen. Da können sich die Arbeiter noch so proletenhaft aufführen und ein schwarzrotgoldenes Fähnchen an ihr Lager knoten.

Beim vergangenen Filmfestival in Cannes entfachte dieser Film Bewunderung wie im Jahr zuvor Maren Ades „Toni Erdmann“, dem er in nichts nachsteht, obgleich er es vielleicht im Kino etwas schwerer haben wird. Es ist nicht leicht, eine zeitlose Form zu bedienen und zugleich die Essenz des Gegenwärtigen hineinzubringen. Unwahrscheinlich, dass wir in diesem Jahr noch einen besseren deutschen Film zu sehen kriegen.

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