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Die Autoren Werner Doyé und Andreas Wiemers blicken auf das Jahr 2018 zurück.

"Der Satirische Jahresrückblick", ZDF

Wenn der Skandal der Minister ist

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Die Frontal-21-Autoren des ZDF, Andreas Wiemers und Werner Doyé werfen einen ironischen Blick auf Prominenz und Politik 2018.

Alle Jahre wieder dürfen sie sich für eine halbe Stunde schadlos halten an all den Absurditäten, die sie über die vergangenen Monate mit Sachlichkeit und Seriosität abhandeln mussten: Werner Doyé und Andreas Wiemers, Autoren des ZDF-Politmagazins „Frontal 21“. Kurz vor Mitternacht und Weihnachten erlaubt ihnen ihr Sender einen „Satirischen Jahresrückblick“, und so nehmen sie sich die Skandale und Skandälchen der bundesdeutschen und internationalen  Politik zur Brust. Dabei setzten sie auf eine Ironie, die nie bitter  wird, sondern stets leichthändig wirken will.

Schließlich sind wir beim ZDF in Mainz, und da gilt ganzjährig das närrische Motto: Allen wohl und niemand weh (Fassenacht nicht nur beim MCC). SO hatte es vergangene Woche ja auch Oliver Welke mit seiner humoristischen Bilanz gehalten, die allerdings grobschlächtiger daherkam mit ihrer Verteilung diverser „Vollpfosten des Jahres“.

Selbstverständlich kommen bei Wiemers und Doyé die größten Aufreger vor, aber auf kleiner Sketch-Flamme gekocht: Bundestrainer Jogi Löw meditierend in der Endlos-Schleife, der Anfall von geistiger Umnachtung  zweier Bayern-Bosse, oder die Geschäfte des Mafifa-Padrone, der seine kriminelle Karriere  gerne mit dem Ausverkauf seines Verbandes krönen möchte.

Um ein anderes global auftretendes Trampeltier mit Toupet und  krimineller Energie  kommen sie natürlich nicht herum bei ihren Collagen: Grimassen mit Papst, Grimassen mit Merkel, Grimassen mit dem Mordbuben Bin Salman. 

Viel Raum nehmen die Nazis und ihre Freunde wie der Hütchenträger in Chemnitz ein, der ja die Kollegen der Autoren behelligt und damit eine kleine Affäre ausgelöst hatte. Sie lassen Theresa May ohne Musik tanzen, was schon ziemlich gut ist, aber übertroffen wird von der mit dem Queen-Song  „Bohemian Rhapsody“ unterlegten Talfahrt der SPD: Deren Dilemma verdichtet zur Liedzeile „...escape from reality“... : Das hat was.

In der Innenpolitik spielt selbstverständlich die CDU-Kandidatenkür eine Hauptrolle, die sie pfiffig als SMS-Austausch in einer WhatsApp Gruppe abbilden. Friedrich Merz stellt  sich in der Gruppe vor. Sein Kleinwagen: Ein Learjet. Seine Rentenversicherung: Blackrock, und seine Info-Broschüre: die Bildzeitung. So verdichtet wirken die Spitzen umso besser.

Bei manchen Themen hat sie der Humor dann doch eher im Stick gelassen, etwa beim größten Skandal des zu Ende gehenden Jahres. Da werden sie gar ernst und zeigen, wie ein Verkehrsminister reagiert. Der real existierende  Minister – das bedeutet ja: Staatsdiener – aber reagiert nicht, sondern erweist sich als eilfertiger Diener der betrügerischen Autobauer, und nicht deren  Schummel-Software, sondern das Katzbuckeln Scheuers ist der wirkliche Skandal.  

Eher misslungen ist die Parodie auf die Bundesverteidigungsministerin, doch die untaugliche Bundeswehr musste aus Tapet, aber neben deren Misserfolgen würdigen sie auch Erfolge: die der Deutschen Wirtschaft. Dass die Unternehmer sich auf Kosten der Arbeitnehmer gesund stoßen, den Mindestlohn unterbieten und wir deshalb schon vier Millionen Arme haben, gehört dann auch zu den Beiträgen des satirischen Jahresrückblicks, bei denen einem das Lachen im Halse stecken zu bleiben droht – und so sollte gute Satire ja auch wirken.

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