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Feierlich weiß gekleidet ist dieser Klon aus der Zukunft in „Cloud Atlas“ – und darf doch keinen eigenen Willen haben. ?

Kommentar zum Deutschen Filmpreis

Weniger ist mehr

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Dieses Jahr kann man – nach den Fehlern bei der Vorauswahl – mit den Nominierungen für den Deutsche Filmpreis durchaus zufrieden sein. Denn oft tun sich Preisgremien ja schwer, in den sogenannten „kleinen Filmen“ und in Kunstfilmen das Besondere zu entdecken.

Dieses Jahr kann man – nach den Fehlern bei der Vorauswahl – mit den Nominierungen für den Deutsche Filmpreis durchaus zufrieden sein. Denn oft tun sich Preisgremien ja schwer, in den sogenannten „kleinen Filmen“ und in Kunstfilmen das Besondere zu entdecken.

„Can’t Buy Me Love“: Ein Schelm, der bei den Nominierungen zum Deutschen Filmpreis an die Beatles denkt. Wie leicht ist es, „Oh Boy“ zu lieben, diese mit bescheidenem Aufwand, aber auf höchstem Niveau produzierte, philosophische Berliner Tragikomödie. Dennoch ist es eine schöne Überraschung, dass Marcos Kantis und Alexander Wadouh, die leidenschaftlichen Produzenten, auf der Nominierungsliste stehen, Jan Ole Gerster zugleich als Regisseur und Drehbuchautor.

Denn oft tun sich Preisgremien ja schwer, in den sogenannten „kleinen Filmen“ das Besondere zu entdecken: Wie in diesem Jahr bei der anderen großartig-unorthodoxen Berliner Komödie der Saison, „3 Zimmer, Küche, Bad“ von Dietrich Brüggemann. Skandalös, dass man ihn nicht mal in die Vorauswahl von 46 Filmen aufnahm.

Wie schwer ist es dagegen, den ebenfalls nominierten ?Cloud Atlas? zu lieben. Nicht, weil er mit einem geschätzten Budget von 100 Millionen Dollar rund hundertmal teurer sein dürfte als „Oh Boy“, diese Rechnung verbietet sich: Große Kinoträume sind nun einmal teuer, und vielleicht hätten einige weitere Millionen dem Fantasy-Epos sogar sehr gut getan und einige seiner digitalen Kanten noch verschwinden lassen.

In seinem Koproduktionsland China, wo der Film in kürzerer Version weit erfolgreicher ist, mag man sich über die „Lola“-Nominierung wundern – dort hält man „Cloud Atlas“ für chinesisch. Das allein mag zeigen, wie relativ die nationale Vereinnahmung von Filmkunst heutzutage ist: Wäre nicht mit Tom Tykwer einer der drei Regisseure ein Deutscher, hätte die kostspieligste deutsche Produktion gar nicht beim „Lola“-Rennen konkurriert.

Dieses Jahr allerdings kann man – nach den Fehlern bei der Vorauswahl – durchaus zufrieden sein. Mit „Die Wand“ steht neben „Oh Boy“ sogar ein zweiter radikaler Kunstfilm in der Endauswahl. In mythische Wälder führt auch die Australierin Cate Shortland im Coming-of-Age-Film „Lore“: Ein völlig unkonventioneller Blick auf das besiegte Deutschland des Jahres 1945, durch das sich die 15-jährige Titelfigur mit ihren Geschwistern schlägt. Die Chancen sind nicht schlecht, dass dies der Gewinner wird, weil er zu allen Zuschauerschichten spricht.

Oskar Roehlers Epos „Quellen des Lebens“ ist die Sorte Film, auf der das Wort „Kunst“ weit größer darauf steht, als diese dann darin zu finden ist. Aber Roehler ist ein Unangepasster, und von denen hatte das deutsche Kino nie genug. Einer der größten hat die „Lola“ übrigens sicher: Werner Herzog erhält bei der Gala den Preis fürs Lebenswerk.

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