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Wie befragt man künstliche Intelligenz?
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Wie befragt man künstliche Intelligenz?

Tatort „Echolot“

Und was weiß die Maschine?

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Künstliche Aufgeregtheit: Der neue Bremen-Tatort „Echolot“ versucht, einer digitalen Zukunft auf die Spur zu kommen.

Der neue Bremen-Tatort gehört zur ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ und man kann sich vorstellen, dass es sich nicht um eine freundliche Zukunft handelt. Vielmehr zeigt „Echolot“ Menschen, die ihr Leben so weitgehend in die Firmen-Waagschale werfen, dass ein digitaler Assistent sogar die Anrufe bei der Familie übernimmt. Nicht einmal die Mutter merkt, dass sie nicht mit ihrer Tochter spricht, sondern mit der perfekten virtuellen Assistentin: „Immer zuverlässig, nie gestresst, erledigt alle Telefonate für sie“. Die Kollegen finden es wahnsinnig lustig, dass auch die Ermittler auf „Nessa“ reinfallen. Die Vanessa aus Fleisch und Blut ist da schon tot.

Sie ist mit dem Auto verunglückt, bei überhöhter Geschwindigkeit; schon etwas seltsam, dass gleich die Mordermittler auftauchen, die Hauptkommissare Lürsen und Stedefreund, Sabine Postel und Oliver Mommsen. Denn erst danach stellt sich heraus, dass an der Steuerungssoftware des Wagens manipuliert wurde. Dafür muss sich schon die kühl-autistische Linda Selb vom BKA, Luise Wilfram, Tag und Nacht hinter den Laptop klemmen.

Das fiktive Bremer Startup-Unternehmen, das mit einem digitalen Assistenten ganz groß rauskommen wollte, nennt sich Golden Bird Systems, GBS, und hat im angemessen saloppen Bürogebäude – eine ehemalige Fabrikhalle in Klinkeroptik – einen Käfig mit Kanarienvögeln rumstehen. Aber wer mag die pflegen und füttern, wo doch das Firmengründerquartett, Vanessa und drei Freunde, immer nur zu arbeiten scheint. Aber man steht nun kurz vor der Markteinführung von „Nessa“, die Aussehen, Bewegung, Mimik, Stimme Vanessas bekommen hat.

Wer kann was löschen? Wer hat wo Zugang?

Gruselig, zweifellos. Schon vor Vanessas Tod gab es Streit darum, nun gibt es ihn wieder: Die Tote in ihrer virtuellen Form löschen oder nicht? Die Markteinführung stoppen, die Firma pleite gehen lassen aus Pietät? Die Ermittler wiederum müssen nicht nur die drei realen Freunde befragen, sondern sich bald auch überlegen, wie man dem „Nessa“-Programm die richtigen Fragen stellt. Denn das weiß etwas – irgendwo, irgendwie wird das ja wohl abgespeichert sein.

Einige gespenstische Szenen sind den „Echolot“-Autoren eingefallen (Peter Henning, Christine Otto, Claudia Prietzel, Ben Bräunlich), etwa wenn die kleine Tochter der Toten mit Digital-„Nessa“ spricht oder in der Gerichtsmedizin mit ihrem Tablet ihre Mutter abfotografiert. Gleichzeitig ist so eine Computerermittlung allemal schwierig abzubilden. Etwas hilflos zeigen Prietzel und Henning (beide Regie) die konzentriert und einsam arbeitende BKA-Spezialistin Selb und Zahlenreihen auf einem Bildschirm.

Wer kann was löschen? Wer hat wo Zugang? Wer mag sich wo reingehackt haben? Künstliche Aufgeregtheit muss für ein Minimum an Spannung sorgen. Und am Ende – an einem ziemlich kuriosen Ende – beweist „Echolot“ nur, dass schon Goethe mit seinem „Zauberlehrling“ eigentlich alles gesagt hat über Geister, die man ruft und nicht wieder los wird.

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