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Der Pazifist als Kriegsteilnehmer: Desmond (Andrew Garfield).
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Der Pazifist als Kriegsteilnehmer: Desmond (Andrew Garfield).

Mel Gibsons „Hacksaw Ridge“

Von wegen Pazifismus

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Patriotischer Kriegsfilm alter Schule: Was spricht dagegen, die Wucht von Mel Gibsons „Hacksaw Ridge“ zu genießen und doch der Propaganda zu widerstehen?

Die Idee des pazifistischen Kriegsfilms ist so alt wie das Genre selbst. Unermüdlich können Filmfans darüber streiten, ob beides auf einmal möglich ist: Wird sich nicht allein die martialische Spannung eines Kriegsdramas jeder Friedensbotschaft in den Weg stellen? Tatsächlich ist die Filmgeschichte reich genug an Gegenbeispielen, die besten – wie Frank Borzages „Seventh Heaven“ – entstanden zwischen den Weltkriegen. Mel Gibsons „Hacksaw Ridge“ macht die Klassifizierung einfach: Es ist ein Kriegsfilm, der von einem Pazifisten handelt. Er feiert den Heldenmut des gläubigen Christen Desmond Doss (Andrew Garfield), der sich im Zweiten Weltkrieg freiwillig zu den Waffen meldete, ohne eine einzige in die Hand zu nehmen. Und schließlich als Sanitäter 75 Kameraden das Leben rettete, indem er die Verletzten todesmutig von den Schlachtfeldern schleppte.

Wie immer, wenn Mel Gibson etwas inszeniert, imponiert die schiere Wucht. Wo er einen Strich macht, da macht er auch einen Punkt und meistens noch ein paar dazu. Hollywoods alte Idee vom Kino, das größer als das Leben ist, hält er dabei lebendig. Zugleich ist Gibson ein Prediger, sein Thema das Übermenschliche, ja Göttliche im Menschen. Zwei Stunden und 19 Minuten orchestriert er die Unbeugsamkeit dieses überzeugten Pazifisten im Krieg. Dass darin auch ein Dilemma liegt, dass Doss selbstverständlich Feuerschutz bekommt für seine Rettungsaktionen, bei denen auf der anderen Seite durchaus Soldaten sterben, thematisiert er nicht. Kein überzeugter Kriegsdienstverweigerer würde sich als Sanitäter melden, doch Doss ist tatsächlich auch keineswegs gegen den Krieg. Er will einfach nur nicht töten. So feiert Gibson weniger den Pazifismus als die alte Rhetorik der Armee-Pastoren, man könne sehr wohl zugleich Gott und dem Kriege dienen. Dass er überhaupt das Wort Pazifismus in den Mund nimmt, ist verwegen.

Man muss die Waffen ja nicht anfassen

So muss man seinen Film für das nehmen, was er ist: Ein patriotischer Kriegsfilm alter Schule, der in keinem Widerspruch steht zu einem bestimmten christlichen Fundamentalismus, für den Gibson nicht nur berühmt, sondern auch berüchtigt ist. Es gibt alles darin, was Kriegsfilme schon immer mitreißend machte, wenn sie gut gemacht waren, und das ist „Hacksaw Ridge“ auf handwerklicher Ebene durchaus.

Und das war dann auch stets der Konsens der Filmfans nach den ewigen Debatten um die Möglichkeit des pazifistischen Kriegsfilms. Was spricht dagegen, sich in den Strom eines gut gemachten Films zu setzen, die Wucht zu genießen und doch der Propaganda zu widerstehen. Denn schließlich ist man ein Soldat des Kinos, wie Werner Herzog sagen würde. Man muss die Waffen ja nicht anfassen, wenn man sich ins Gefecht aufmacht.

Hacksaw Ridge. USA 2016. Regie: Mel Gibson. 139 Minuten.

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