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Mockridge ist zurück bei Sat1: Ein Schlag ins Gesicht für betroffene Frauen

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Von: Moritz Post

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Luke Mockridge bei einem Auftritt.
Luke Mockridge bei einem Auftritt. © stock&people/STAR-MEDIA/Imago

Die Cancel-Culture hat auch gute Seiten, vor allem, wenn sie Luke Mockridge aus dem Fernsehen verschwinden lässt. Sat.1 bringt ihn mit „A Way back to Luckyland“ zurück. Das ist bitter. Eine TV-Kritik.

Nun steht er wieder auf der großen Showbühne: Luke Mockridge. Hierfür hat der Sender Sat.1 sogar kurzfristig seinen Sendeplan über den Haufen geworfen, um das aktuelle Programm „A Way Back To Luckyland“ des italienisch-kanadischen Comedians über den Äther zu jagen. Das ist durchaus bemerkenswert, da die Sender ihr Programm größtenteils Monate im Voraus planen.

Es muss sich für die Programmmacher:innen des Wohlfühl-Sat.1-FilmFilm-Privatsenders wie ein revolutionärer Akt anfühlen: Der Sunnyboy des heiteren Comedyfernsehens darf nach den Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn wieder auf die Mattscheibe zurückkehren. Der Sender Sat.1 wird mit dieser Programmänderung so etwas wie der Piratensender in Richard Curtis‘ Film „Radio Rock Revolution“ – nur eben für übergriffige Typen, die viel Geld, gute Anwälte und kein Reue- und Schamgefühl zu besitzen scheinen.

Wiederaufnahme von Mockridge ins Sat.1-Programm erschließt sich nicht

Die Wiederaufnahme von Luke Mockridge ins Programm von Sat.1 erschließt sich inhaltlich nicht: Die Pointen von Mockridge sind flach. Die Shows der immergleiche Mix aus mittelgutem Stand-up und mäßigem Gesang, stets mit wenig Tiefgang. Die Art und Weise, wie sich prominente Freundinnen Mockridges im Zuge der Vorwürfe gegen den Comedian solidarisch gezeigt haben, unterstreichen die Bodenlosigkeit des Niveaus. Hier haben sich vor allem die Schauspielerin Joyce Ilg und der Comedian Faisal Kawusi mit geschmacklosen “Witz“-Bemerkungen über K.O.-Tropfen hervorgetan.

Ja, das geneigte und abgeneigte Publikum kann am Freitagabend auf der Couch mit der Fernbedienung in der Hand selbst entscheiden, ob es sich einen Comedian anschauen möchte, dessen Witze maximal das Qualitätsprädikat „Mario Barth für Schwiegermütter“ verdient haben. Die Cancel-Culture hat aber auch ihre guten Seiten: Es war durchaus angenehm, Luke Mockridge seit September 2021 in der Versenkung zu wissen. Schade, dass diese Zeit vorbei ist.

Deutsche Unterhaltungsbranche wird von höchst problematischen Männern dominiert

Die Angelegenheit des Luke Mockridge ist zwar ein Einzelfall. Doch sie hat uns wieder einmal vor Augen geführt, wie stark die deutsche Entertainment-Branche von höchst problematisch handelnden Männern dominiert wird. Denn die Vorwürfe der sexualisierten Gewalt, derer sich Mockridge ausgesetzt sah, spiegeln eine Realität in der deutschen Unterhaltungsindustrie wieder, in der dieses von Männern ausgeübte Verhalten mit anzunehmender Sicherheit und in viel zu großer Anzahl an der Tagesordnung ist.

Informationen zur Sendung

Wer es dennoch nicht lassen kann: „A Way back to Luckyland“ läuft am Freitag (9. Dezember), um 20.15 Uhr bei Sat.1. Mockridge wolle Themen wie den Ukraine-Krieg oder die Corona-Krise aufgreifen. Der Moderator hatte sich vergangenen Spätsommer aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Gegen ihn wurden Vorwürfe sexualisierter Gewalt erhoben.

Die Shitstorms, wie sie Mockridge erfahren hat, sind nur ein kleiner Lichtkegel auf ein bedrückend großes Dunkelfeld. In diesem Schwarzraum stehen betroffene Frauen, die nicht gesehen werden. Dass Luke Mockridge heute Abend wieder im Scheinwerferlicht der Bühne steht, muss für sie ein Schlag ins Gesicht sein. (Moritz Post)

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