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Leute, Leute, stellt's Euch nicht so an: Monika Gruber zeigt im neuen Satireformat des ZDF Witz und wenig Gnade.

„Leute, Leute" mit Monika Gruber

Watsch'n für die ganze Welt

Monika Gruber präsentiert im ZDF die Boulevard-Satiresendung "Leute, Leute!" derb, trashig und ziemlich clever. Nur der Sendeplatz ist bitter.

Von Felix Brumm

Wenn Monika Gruber den Aufruhr um den Rekord-Sprung von Felix Baumgartner ein „G’schiss“ schimpft, dann tut sie das mit einem Lächeln. Mit ein paar ausladenden Armbewegungen. Und in einem butterweichen Oberbayerisch, das jede Spitze abfedert – so bitterböse sie auch sein mag. Es menschelt sofort, wenn Gruber in ihrem Dialekt einen Promi nach dem anderen auf den Arm nimmt.

„Leute, Leute!“ läuft nur einmal im Monat. Da kommt so einiges zusammen, über das sich herziehen lässt. Und so begrüßt Gruber ihr Publikum auch zu einem „Oktoberfest der Verhaltensauffälligen“. Vom neuen Traumschiff-Kapitän Sascha Hehn („Seid‘s doch froh - Hauptsache kein Italiener“) über Fernseh-Zampano Thomas Gottschalk („unser V-Mann im Lumpenproletariat RTL“) bis hin zu Kanzlerkandidat Peer Steinbrück („Peerminator“) watscht Gruber sich durch die ganze Welt – vom Boulevard in die Politik und wieder zurück.

Dabei ist sie nicht allein: Wie in jeder Sendung spielt Matthias Matschke („Ladykracher“) den Medienpsychologen Joachim Drening. Und auf dem Oktoberfest streift der aus der „Heute-Show“ bekannte Carsten van Ryssen als Live-Reporter über die sogenannte Kotzwiese und lässt Sturzbesoffene Grüße an Jenny Elvers ausrichten oder befragt sie gleich mal zum Syrien-Konflikt.

Doch Zugpferd der Sendung ist Monika Gruber. Aufgebrezelt wie Sonya Kraus, aber nicht so frivol ausgeleuchtet. Bissig wie Desirée Nick, nur nicht so affektiert. Klug und kehlig wie Lisa Fitz, dabei jedoch graziler. Gruber ähnelt auch Martina Hill – sie ist witzig und passt dennoch ins ZDF.

Wobei das nicht ganz fair ist. Grubers Sendung, die nach eigenen Angaben „die Irrungen und Wirrungen des Showbusiness niveauvoll seziert“, muss den Vergleich mit Oliver Welkes „Heute-Show“ nicht fürchten. Sie ist vielmehr eine gelungene Ergänzung der Satire-Schiene im ZDF-Spätprogramm, auch wenn das lila Studio mit seinen Ornamenten ein bisschen so aussieht, als hätte Tine Wittler sich im alten Gottschalk Live-Studio ausgetobt.

Gruber kann auch ernst sein 

An einer Stelle wird es überraschend ernst bei „Leute, Leute!“. Als es um den Kindsmörder Magnus Gäfgen geht, dem das Land Hessen 3000 Euro Schmerzensgeld zahlen musste, geht Gruber an die Decke: „Ich würde gern auf 10 000 erhöhen, wenn ich diesem Schwein dazu noch eine reinhauen dürfte.“ Sie entschuldigt sich kurz. Und ob das zwischen Gags über schönheitsoperierte Promis und eitle Politiker passt, ist tatsächlich fraglich. Das Studio-Publikum würdigt Grubers Statement jedenfalls mit Applaus. 

Die meisten Scherze sind aber von einem anderen Kaliber, wie etwa der über die  Familie von US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney („als hätte man die Waltons mit den Wollnys gekreuzt“). Ein nahezu symbolischer Gag. Denn „Leute, Leute!“ holt auch den Zuschauer ab, der sich nachmittags gern mal ungeniert RTL2 reinzieht, aber sich nachts im ZDF darüber empören kann. Der den Sado-Maso-Roman „Shades of Grey“ nicht gelesen haben will, dann aber doch über eine Überleitung zu Jörg Kachelmann lachen kann. So ticken die Menschen. Und deshalb funktioniert „Leute, Leute!“ auch. Es fließt. Zack, schon ist die halbe Stunde rum. Man muss oft grinsen, manchmal auch lachen. Kein Gag ist wirklich schlecht. Am Ende darf der Gast-Comedian Johann König zwar noch fünf Minuten lang Sado-Maso-Witzchen reißen, was ziemlich in die Hose geht. Dem Gesamteindruck tut das aber keinen Abbruch. Nur der Sendeplatz um 23.30 Uhr, der ist wirklich bitter.

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