1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Wien-Tatort „Das Tor zur Hölle“ heute im Ersten: Das hätte was werden können

Erstellt:

Von: Sylvia Staude

Kommentare

Nathalie (Maresi Riegner) ist ein besonders krass besessener Fall. Foto: Hubert Mican/ORF/Film 27/ARD Degeto
Nathalie (Maresi Riegner) ist ein besonders krass besessener Fall. © Hubert Mican/ORF/Film 27/ARD Degeto

In der ARD war wieder Krimi-Zeit. Der Tatort „Das Tor zur Hölle“ wäre gern eine Wien-Horror-Show – klappt aber nicht wirklich.

Wien – Der Österreich-Tatort (ARD) mit dem Team Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer verspricht meist einiges – und hält es auch. Und was, bittschön, kann schiefgehen, wenn in Wien „Das Tor zur Hölle“ höchstpersönlich liegen soll? Hat nicht schon Georg Kreisler gewusst und gesungen: „Der Tod, das muss ein Wiener sein / Genau wie die Lieb a Französin! / Denn wer bringt dich pünktlich zur Himmelstür? /Ja, da hat nur a Wiener das Gspür dafür“.

Logischerweise werden nicht alle Wiener und Wienerinnen Engerln sein, da braucht es dort irgendwo auch eine Tür zur Hölle. Her also mit dem unterweltschwarzen Humor und dem Schmäh. Wenn die Konkurrenz aus Münster uns ins Jenseits locken konnte, dass es eine Freude war (im Tatort „Limbus“), können es die Österreicher schon lange. Nun, es kann offenbar bei der Kombination Wien & Tod & Teufel doch einiges schiefgehen. Und das tut es dann auch im neuen Tatort von Thomas Roth, Buch und Regie.

Tatort „Das Tor zur Hölle“ heute in der ARD: Ein Prälat wird tot aufgefunden

Die Ausgangslage: Ein Prälat ist zu Tode gekommen. Offenbar nicht dort, wo man ihn findet. Und offenbar wurde er vorher schwer misshandelt. Er war für die Kirche „im Befreiungsdienst“ tätig, das heißt als Exorzist. Es ist heutzutage eine Tätigkeit, bei der zuerst versucht wird zu klären, ob bei einem Menschen, der sich an die Kirche wendet, weil er sich für besessen hält, eine psychische Erkrankung vorliegt.

RolleSchauspieler:in
Moritz Eisner\tHarald Krassnitzer
Bibi FellnerAdele Neuhauser
Günther DambuschRoland Düringer
August SittsamSven Eric Bechtolf
Kaplan RaimundLukas Watzl
NathalieMaresi Riegner
Ernst RauterHubert Kramar
Werner KreindlGünter Franzmeier
Tea BerkovicAngela Gregovic
Wilfried Schüssler\tMarkus Schleinzer
BeamtinTanja Maria Troll
Bibi als KindLotte Burger
HausverwalterinAlina May
RezeptionistinMadeleine Steinwender
Prälat ManfredTino Sekay
KellnerinCatherine Wewima Adejemy

Also muss gleich mal der Psychiater (Sven Eric Bechtolf) befragt werden, der den Prälaten beraten hat. „N.“ stand zuletzt im Terminkalender des Toten, offenbar ein besonders krass besessener Fall namens Nathalie. (Der Rest ist Schweigepflicht.) Die Suche führt Fellner und Eisner zu einem alten Bekannten Bibis (Roland Düringer), der Zuhälter war, exorziert wurde, jetzt ... ungewiss, was er jetzt ist oder tut. Aber er rät Bibi, ihren „wunden Punkt“ loszuwerden (eine böse Erinnerung an einen Suizid).

Tatort „Das Tor zur Hölle“ heute in der ARD: Bibi Fellner wird von Alpträumen geplagt

Die Suche führt dann zu einer Professorin (Angela Gregovic), die sich für Exorzismus interessiert, aber auch das Tor zur Hölle finden will. Es gibt eins, aber nicht in Wien, sagt sie. Gleich darauf: Okay, es gibt doch eins in Wien, „am ehemaligen Donauufer im 3. Bezirk“, wo einst die einzige Hexenverbrennung Wiens stattgefunden hat.

Später wird Moritz Eisner vorschlagen, „hier mal ein Loch“ zu graben. Später wird die Professorin in elegantem Kostüm, Pumps, mit Handtasche über dem Arm unterm Stephansplatz rumstöckeln. Ist das ironisch, satirisch, lustig gemeint? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Denn zur gleichen Zeit wird Bibi Fellner von Alpträumen geplagt, in denen sie als Kind im weißen Kleid eine Frau von der Decke baumeln sieht.

Tatort heute in der ARD: „Tor zur Hölle“ fehlt es an innerer Logik

Zur gleichen Zeit spukt es bei Fellner und Eisner Zuhause gehörig: Bilder fallen von der Wand, Stimmen sind zu hören, es grummelt, raschelt, donnert (viel Gewitter in Wien während der Dreharbeiten?). Da ist außerdem noch die tatsächlich sehr unheimliche Nathalie (Maresi Riegner). Einzig Chef Ernstl (Hubert Kramar) versucht einmal einen Scherz zu machen – und blitzt ab.

Ein Tatort als Wien-Horror-Show: Das hätte was werden können und Thomas Roth versucht es. Aber dem „Tor zur Hölle“ fehlt es an innerer Logik, an augenzwinkerndem Irrsinn, an Schärfe und Schwärze. Warum wohl Bibi sich im Alptraum als Kind sieht? „Weil du unschuldig bist wie a Kind“, erklärt ihr Moritz. Ach so, dann ist ja alles gut. (Sylvia Staude)

Letzten Samstag lief der HR-Tatort in der ARD und war mehr Kunstfilm als Fernsehkrimi.

Auch interessant

Kommentare