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Räuberin in der Telefonzelle - ratlos. Saffron Burrows als Martine in Roger Donaldsons Film "Bank Job".
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Räuberin in der Telefonzelle - ratlos. Saffron Burrows als Martine in Roger Donaldsons Film "Bank Job".

Kino

Walkie-Talkie-Räuberei

Roger Donaldsons spöttisches Porträt der britischen Klassengesellschaft: "Bank Job".

Von xxmk

Im September 1971 hebt eine Diebesbande einen Tunnel in den Tresorraum einer Londoner Bankfiliale aus. Während sich ihre Mitglieder durch die Erde wühlen und unterwegs eine alte Grabkammer entdecken, steht über den Dächern ein Komplize Schmiere und zwitschert ihnen über Walkie-Talkie zu, wenn ein Bobby um die Ecke biegt.

Ironischerweise lässt sie gerade diese Vorsicht beinahe auffliegen: Am anderen Ende der Innenstadt hört ein Amateurfunker mit und alarmiert die Polizei. Weil die nicht weiß, in welche Bank gerade eingestiegen wird, schickt sie einen Sirenenwagen von Filiale zu Filiale und hofft, dass die Gauner Alarm schlagen und sich verraten. Eine hübsche Idee, die allerdings nicht mit der Ungeschicklichkeit des Komplizen auf dem Dach gerechnet hat. Der schmeißt das Walkie-Talkie versehentlich vom Sims und sorgt im entscheidenden Augenblick für Funkstille.

Der Einbruch, von dem Roger Donaldson in seinem famosen Thriller "Bank Job" erzählt, mag nicht der am besten geplante und durchgeführte gewesen sein, was jedoch seine zahlreichen unerwarteten Wendungen angeht, kann er sich mit den größten Schurkenstücken der Filmgeschichte messen. Das liegt auch daran, dass sich mit seinem historischen Vorbild, dem in die britische Skandalgeschichte eingegangenen "Walkie-Talkie-Raubzug", ganz ausgezeichnet spekulieren lässt.

So wurde niemals geklärt, was in den ausgeräumten Schließfächern gelagert war, und vier Tage nach dem spektakulären Raub verschwand das Thema plötzlich spurlos aus den Spalten der Revolverblätter. Bis heute wird nicht darüber berichtet. Ob dieses Stillschweigen auf eine Verfügung der britischen Regierung zurück ging, ist bis heute umstritten, es bleiben aber genug Fragen offen, um die Fantasie der Drehbuchautoren Dick Clement und Ian La Frenais ordentlich ins Kraut schießen zu lassen.

Welchen Schatz die Gauner im Film tatsächlich heben, verrät Donaldson erstaunlich früh, an dieser Stelle sei jedoch nur erwähnt, dass sich ein politischer Brandstifter und mieser Zuhälter seinetwegen diplomatischer Immunität erfreut, und die königliche Familie darüber ganz und gar nicht amüsiert ist. Um an das belastende Material heran zu kommen, ist der englische Geheimdienst jedenfalls zu jeder Schandtat bereit - solange sich die feinen Herren nicht selbst die Hände schmutzig machen müssen. Also schicken sie ein ehemaliges Mannequin mit guten Kontakten in die Arbeiterklasse vor, um aus eben dieser ein paar nützliche Idioten für den eingangs geschilderten Coup zu rekrutieren?

Auch diese schöne Idee hat freilich einen Haken, weil in den Schließfächern der Bank nicht nur die den proletarischen Gaunern in Aussicht gestellten 500 000 Pfund lagern, sondern eben auch alle Peinlichkeiten des Vereinigten Königreichs versammelt sind: Von Schwarzgeld über die geheimen Filmaufnahmen einer Puffmutter bis hin zur doppelten Buchführung eines Unterwelt-Königs ist alles dabei. Entsprechend knifflig wird es für die gar nicht so blöden Einbrecher, heil aus der Sache heraus zu kommen, und auch der Secret Service hat alle Mühe, das würdevolle Gesicht der Monarchie zu wahren.

Wer das britische Königshaus für bloße Folklore hält, wird in "Bank Job" augenzwinkernd eines besseren belehrt. Mit dem Ansehen der Krone steht und fällt die brüchige Allianz zwischen politischem Adel und stolzem Proletariat - letzteres soll mal wieder die Kohlen für eine ebenso hochnäsige wie dekadente Oberschicht aus dem Feuer holen und sich anschließend mit Wasser und Brot zufrieden geben.

Eine garstigere Travestie sozialer Partnerschaft lässt sich kaum vorstellen, und doch nehmen alle Beteiligten die Sache einigermaßen sportlich. Insbesondere die Blicke hinter die Türen der Macht sprühen vor spöttischem Understatement, etwa wenn der als Mittelsmann hinzugezogene Lord Mountbatten, ehemaliger Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Ostasien, frohlockt, seit dem Krieg habe er nicht mehr so viel Spaß gehabt. Leider gelingt es Roger Donaldson nicht immer, das Leichte und das Ernste seiner verwegenen Geschichte ins Gleichgewicht zu bringen.

Doch selbst in der Schieflage bewahrt er ihren süffisanten Ton. Um es mit einem einfachen Inspektor zu sagen, der an den Einmischungen konkurrierender Geheimdienste verzweifelt: "Diese Typen konnte ich noch niemals auseinander halten."

Bank Job, Regie: Roger Donaldson, GB 2008, 110 Minuten.

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