+
22 Prozent der Bürger der USA besitzen die 265 Millionen Schusswaffen.

„Never Again – Amerikas Jugend gegen den Waffenwahn“, Arte

Waffenwahn in den USA: Für schussfeste Schulranzen!

  • schließen

Die erschreckende Dokumentation „Never Again – Amerikas Jugend gegen den Waffenwahn“ zeigt die Gründe für zu viele Tote auf. 

Was wir aus alten Western wie „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ kennen, ist im Weltbild der National Rifle Association (NRA) pure Gegenwart: Nur wer bewaffnet ist, kann sich und die Anderen gegen Verbrecher schützen. Wenn es nach der NRA ginge, würden heute in den USA Lehrer nicht mit tief geschnallter .357-er Magnum, sondern mit einem AR 15 in die Schule gehen, denn das AR 15 ist ein sehr wirkungsvolles Sturmgewehr und lässt sich mit Hilfe einiger leicht zu erwerbender Kleinteile zu einer vollautomatischen Waffe umbauen: Ratatata! Aber wer würde seine Kinder in eine solche Schule schicken wollen? 

265 Millionen Schusswaffen in den USA 

Der Film „Never Again – Amerikas Jugend gegen den Waffenwahn“ versucht eine Bestandsaufnahme, und die ist bedrückend und hilflos. 265 Millionen Schusswaffen, erfährt man, befinden sich in den USA in privater Hand, allerdings besitzen 78 Prozent der Bevölkerung keine Waffen. Das heißt, dass 22 Prozent der Bürger der USA die 265 Millionen Schusswaffen besitzen. Pro Jahr sterben dort über 30.000 Menschen durch Feuerwaffen. Die meisten davon wohl durch Selbstmord, aber Massaker an Schulen, in Behörden, im öffentlichen Raum geschehen entsetzlich regelmäßig und stets mit frei käuflichen Waffen. Und manchmal geht auch in Kinderhand aus Versehen ein im Hause herumliegender Colt los. 

Chicago am gefährlichsten

Die gefährlichste Stadt ist offenbar immer noch Chicago. Um die 600 Menschen werden dort pro Jahr bei Schießereien unter Gangs oder zwischen Gangs und Polizei oder in sonst irgend einer Konstellation erschossen. Deshalb befasst sich der Film auch intensiver mit freundlichen Versuchen, problematische und unfriedlich angespannte soziale Milieus zu befrieden. Aber was soll man sozialtherapeutisch tun in einem Stadtteil, in dem schon der Schulweg immens gefährlich ist? Soll man die Kinder bewaffnen und mit schussfesten Rucksäcken und Westen ausstatten? 

Emma Gonzales, Gesicht einer Jugendbewegung

Die NRA fände das in Ordnung. Der Böse mit der Waffe wird nur gestoppt vom Guten mit der Waffe, das ist das Gesellschafts-Konzept der Waffenhersteller. „Bullshit!“ ruft da nicht nur Emma Gonzales. Die junge Frau mit den raspelkurzen Haaren wurde zum Gesicht einer Jugendbewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Schulmassaker wenigstens hier und da ein bisschen zu erschweren – zum Beispiel dadurch, dass man den bedenkenlos legalen Verkauf von Feuerwaffen einschränkt. Es sei, finden sie, zu leicht, sich in den USA ein Sturmgewehr zu verschaffen. Wozu aber braucht man Sturmgewehre? Für die Jagd taugen sie nicht. Man kann mit ihnen auf Zielscheiben ballern. Braucht man dazu wirklich ein automatisches oder halbautomatisches Sturmgewehr? 

Wozu braucht jemand, der weder Soldat im Krieg noch Polizist an der Verbrechensfront ist, ein Sturmgewehr? Die in der NRA zusammengeschlossenen Interessengruppen sehen durch jegliche Einschränkung des freien Waffenerwerbs die Freiheit und ihre Geschäfte bedroht. Waffen und Freiheit sind für sie weitgehend deckungsgleiche Begriffe. Sie preisen scheinheilig den zweiten Verfassungszusatz, obwohl sie von anderen Teilen der gleichen Verfassung weniger halten, und unterstützen Politiker, die aus Überzeugung oder gegen Höchstgebot der gleichen Auffassung sind. Die jungen Leute müssen sich also mit Politikern auseinandersetzen. Der aktuelle Präsident ist so einer. Ob öffentliches Reden und moralische Argumenten da helfen? 

„Never Again – Amerikas Jugend gegen den Waffenwahn.“ Arte, Di., 11.6., 20.15 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion