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Einfach toll: Julia Dietze als Renate.

Science-Fiction-Trash

Volle Granate, Renate

Der Science-Fiction-Film des Finnen Timo Vuorensola „Iron Sky – Wir kommen in Frieden“ ist gepflegter Trash, der historische und politische Bezüge und auch die Stereotype des Kinos pflegt.

Von Anke Westphal

Das Zusammenleben erfordert Einfühlungsvermögen. „Gut, dass ich diesen Film nicht für Samstagabend vorgeschlagen habe“, sprach ich zum Gatten: „Nazis auf dem Mond, Invasion der Reichsflugscheiben, dazu Erdlinge mit großer Klappe – das hätte Dir doch nicht gefallen“. „Wieso nicht?“, entgegnete der Angetraute lässig: „Klingt doch ganz nach meinem Geschmack!“ Sage niemand, er kenne einen Menschen wirklich. Und es stimmt ja auch: Ein Film über Nazis auf dem Mond, von Finnen gedreht, mit Udo Kier als Hitler-Parodie – wer wollte das nicht sehen! Wer wollte den Spaß versäumen, wenn Kier als Herrscher auf der dunklen (sic!) Seite des Mondes mit „Heil Kortzfleisch“ gegrüßt wird, weil er nun mal nicht Hitler ist, sondern Wolfgang Kortzfleisch heißt.

Das ist ein eher wenig furchteinflößender Name. Kein Wunder, dass bereits gegen den Mann intrigiert wird. Oberführer Adler möchte Kortzfleisch stürzen, um mit „Heil Adler“ gegrüßt zu werden . Doch erst einmal landet eine US-amerikanische Weltraummission auf der dunklen Seite des Mondes, und es wird ein Gefangener gemacht: Die Nazis sind entsetzt, als sich ein schwarzes Gesicht unter dem Astronautenhelm zeigt. James Washington ist Afroamerikaner? Na, dem Mann kann geholfen werden! Eine Injektion vom Geheimwissenschaftler Dr. Richter, und schon ist Washington weiß sowie Arier. Was ihm so wenig gefällt wie Richters Tochter, der so formschönen wie blonden Nazi-Lehrerin Renate.

Bombastische Musik von Laibach

Muss hier noch mehr erzählt werden? Wohl kaum, es dürfte längst klar sein, dass „Iron Sky“ ein B-Movie ist, gepflegter Trash, und dass der Film auch gar nichts Anderes sein will, ungeachtet der nahezu Hollywoodreifen Spezialeffekte, macht ihn gleich noch sympathischer als es die vielen hübschen Verweise tun. Unter anderem geht es hier auch um eine US-Präsidentin, die wiedergewählt werden möchte und es auch wird – nachdem sie sich ihre Wahlreden von den Nazis schreiben lässt. Nicht ohne Hintersinn hat man diese Frau zurecht gemacht wie Sarah Palin. Gut bedacht im Film ist auch jene Szene, in der die glühend naive Renate in den USA ein paar Männer von den „White Aryans“ freudig als nette Kumpel begrüßen will und ihren Irrtum spät erkennt.

Nicht nur historische und politische Bezüge, auch die einschlägigen Stereotypen des Kinos sind liebevoll bedacht worden in „Iron Sky“, etwa wenn der Mad Scientist Richter am Wunderwaffenprojekt „Götterdämmerung“ bastelt. Ja, bastelt – allein das Design der Nazi-Welt sind schon ein großer Spaß. Wie die Nazis überhaupt auf die dunkle Seite des Mondes gerieten? Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs schafften sie das mit Hilfe ihrer Reichsflugscheiben. Im Jahr 2018 wollen sie nun wieder nach der Weltherrschaft greifen. Aber sie haben, siehe Palin-Verschnitt, Konkurrenz.

Die bombastische Musik ist von Laibach. Regie führte Timo Vuorensola. Mehr als acht Millionen Mal wurde dessen No-Budget-Film „Star Wreck: In the Pirkinning“ im Internet angesehen. Nun legt der Finne seinen ersten professionell produzierten Spielfilm vor, wesentlich gestützt durch Crowd Funding, Crowd Investing – und Crowd Ideas! So wie „Iron Sky“ sieht also ein Wunschfilm aus. Nichts dran auszusetzen.

Iron Sky Finnl./Dtl. 2011. Regie: Timo Vuorensola, Kamera: Mika Orasmaa, Darsteller: Julia Dietze, Götz Otto, Udo Kier u.?a.; 93 Minuten, Farbe. FSK o.?A.

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