Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Deutsche Spielerinnen im iranischen Fußball-Dress.
+
Deutsche Spielerinnen im iranischen Fußball-Dress.

"Football under cover"

Verschleierte Freiheit

Berliner Fußballerinnen spielten in Teheran gegen das Frauen-Nationalteam des Iran - und machten einen Film darüber. Das Rückspiel steht noch aus.

Von HEIKE KÜHN

Auf dem Berlinale Talent Campus 2005 präsentierten Marlene Assmann und ihr Bruder David Assmann einen kurzen Film über den Kreuzberger Frauenfußball-Verein BSV Al-Dersimspor, in dem Marlene Assmann Linksverteidigerin ist. Sie trafen auf Ayat Najafi, der einen Film über ein Fußball spielendes iranisches Mädchen im Gepäck hatte.

So entstand die tatsächlich bahnbrechende Idee, gemeinsam einen Film über die iranische Frauen-Nationalmannschaft zu drehen, die noch nie gegen ein ausländisches Team antreten durfte. Keine Frage, dass es Marlenes eigene Truppe sein musste, die diesen Mangel beheben sollte.

Nötig: unendliche Geduld

Ein Jahr lang planten die jungen Berlinerinnen, unter denen etliche Musliminnen sind, die Einzelheiten der Reise. Sie sollte, so der Vorsatz, jedenfalls nicht an mangelnder Bereitschaft ihrerseits scheitern, den Schikanen seitens der iranischen Behörden mit unendlicher Geduld und angemessenem Spott zu begegnen.

Bei einem ersten Treffen mit Fußball-Funktionären im Iran wird den Assmanns das Blaue vom Himmel versprochen, weil die Kamera dabei ist. Von ihren iranischen Gegnerinnen, die schnell zu Gefährtinnen im ungleichen Kampf gegen Bespitzelung und Willkür werden, lernen die deutschen Spielerinnen, was es heißt, in einer religiösen Diktatur zu leben. Intrigen und Schikanen sind das einzig Verlässliche.

Dennoch lassen sich die jungen Frauen nicht kleinkriegen. Die deutschen Musliminnen mussten selbst lernen, sich gegen ihre Brüder durchzusetzen. Die Iranerinnen punkten damit, dass schon ihre Mütter Fußball gespielt haben. Niloofar trainiert im Park sogar ohne Kopftuch. Später wird sie vom Spiel ausgeschlossen.

Die Spitzel sind überall. Wie der Widerstand: Rund 1000 Frauen kommen zu dem historischen Freundschaftsspiel, bei dem Männer draußen bleiben müssen, sogar der türkische Trainer der Deutschen. Zwar tragen die Spielerinnen Kopftücher und sie behindernde, schlabbernde Trikots, aber ihre Freude überstrahlt alles. Jeder Kommentar der selbstbewussten Besucherinnen ist ein zusätzlicher Sieg: "Es ist unser Grundrecht, ins Stadion zu gehen", sagte eine, "aber als Frau habe ich nur die Hälfte der Rechte."

Im Iran wird der Film ein Aufführungsverbot erhalten. In Deutschland kann ihn jeder sehen, der ein differenziertes Zusammenspiel von Sport und Politik schätzt. Der Ball ist rund, damit man ihn von allen Seiten ansehen kann.

Football under cover, Regie: Ayat Najafi, David Assmann, Deutschland 2008, 86 Minuten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare