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Matteo (Tobias Oertel), Sonja (Chiara Schoras, re.) und Sonderermittlerin Carla Pisani (Jeanette Hain) wollen der Mafia das Handwerk legen.

"Der Bozen-Krimi: Leichte Beute", Das Erste

Verliebt in die Mafia

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Im Schatten der Dolomiten lodern die Gefühle, und von außen bricht das Verbrechen über Bozen herein.

Wenn der Bozener Commissario Matteo Zanchetti (Tobias Oertel) seinem ewigen Widersacher, dem ’Ndrangheta-Repräsentanten Francesco Rossi (Thomas Sarbacher) gegenübertritt, könnte man auf den Gedanken kommen, die beiden trügen ihr Platzhirschgebaren über die Stimmlage aus – wer am tiefsten knurren kann, gewinnt. Zwischen diesen beiden wie holzgeschnitzten Gestalten hat es Chiara Schoras nicht schwer, ihre Figur der Kommissarin Schwarz natürlich und menschlich wirken zu lassen. Zumal Sonja Schwarz auch allweil, in diesem Fall von Stammautor Jürgen Werner, emotionale Bürden auferlegt bekommt.

Wir befinden uns im sechsten Kapitel der Bozener Kriminalchronik, und die ursprünglich aus Frankfurt stammende, mittlerweile verwitwete „Frau Commissario“ liegt aktuell im Zwist mit Stieftochter Laura (Charleen Deetz). Die junge Dame möchte überraschend mit ihrem Freund Luca Forlani (François Goeske) durch Italien reisen. Da hat nicht nur das Herz der Mutter den einen oder anderen Aussetzer, auch in ihrer Eigenschaft als Kriminalistin äußert Schwarz Bedenken. Die sollen sich alsbald bestätigen, denn der fesche Hilfskellner Forlani ist ein Verwandter von Francesco Rossi, der auch in dieser Folge irgendeine Rolle einnehmen musste, und sei es die des bösen Onkels. Die Tochter liebäugelt also mit der Mafia, und an diesem Punkt hat alle mütterliche Nachsicht ein Ende.

Der Generationenstreit ist nicht ausgestanden, da steht einmal mehr im unpassenden Moment Commissario Matteo Zanchetti (Tobias Oertel) vor der Tür und beordert die Kollegin an einen Tatort. Hingemeuchelt wurde ein pensionierter Richter, der unverhofft aus dem Urlaub zurückgekehrt war und offenbar einen Einbrecher an dessen schändlichem Tun zu hindern suchte. Dumme Idee.

Die neue Handschrift noch nicht angekommen

Wie schon in einigen Einbruchfällen zuvor, hatte auch hier die doch so hochgerüstete Alarmanlage nicht angeschlagen. Der Installateur wird um Prüfung gebeten und kann nur sagen: Die Apparatur war schlicht nicht eingeschaltet. Ein Richter, der vor einer längeren Abwesenheit das Warnsystem nicht einschaltet? Bei Sonja Schwarz funktionieren die Alarmglocken noch. Und sie klingeln, dass es von den Bozener Schroffen widerhallt.

Auch auf Seiten der Verbrecherbande gibt es komplizierte Familienverhältnisse. Beispielsweise einen Vater mit Knastvergangenheit. Daraus hätten sich interessante Spiegelungen und Kontraste gewinnen lassen, es bleibt aber, von wenigen Seitenblicken abgesehen, beim kriminalistischen Spiel. In den Donnerstags-Krimis des Ersten insgesamt ließ sich in jüngster Zeit eine positive Entwicklung hin zu weniger eindeutigen, mitunter gebrochenen Figuren und verschlungenen Geschichten beobachten. Beim „Bozen-Krimi“ aber ist diese neue Handschrift noch nicht angekommen. Die Protagonisten kommen kaum über den Rang von Spielbrettfiguren hinaus, die von Autorenhand über die vorgedruckten Linien geschoben werden. Auch das kann reizvoll sein, braucht dann aber mindestens Schauspieler und Schauspielerinnen, die mehr abliefern als ihre gewohnte Spielplanroutine. So aber wirkt hier alles sehr gestellt, konstruiert und arrangiert.

Kommenden Donnerstag geht der „Bozen-Krimi“ gleich in die nächste Runde. Dann wird der Mafioso Francesco Rossi aus dem Schatten auf die Hauptbühne gezerrt. Und begeht Fehler, die man ihm nach Ansicht der vorherigen Episoden gar nicht zugetraut hätte.

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