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"Ich bin der einzige, der es kann", sagte Harald Schmidt über seine neue-alte Late-Night-Show bei Sat.1.
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"Ich bin der einzige, der es kann", sagte Harald Schmidt über seine neue-alte Late-Night-Show bei Sat.1.

Harald Schmidt zurück bei Sat.1

Vergnügtes Meta-Fernsehen

Harald Schmidts erste Sendung nach seiner Rückkehr zu Sat.1 war so anarchisch und subversiv wie in den Anfangsjahren. Und das hat Schmidt nicht zuletzt Günther Jauch zu verdanken.

Von Markus Bäcker

Harald Schmidts erste Sendung nach seiner Rückkehr zu Sat.1 war so anarchisch und subversiv wie in den Anfangsjahren. Und das hat Schmidt nicht zuletzt Günther Jauch zu verdanken.

Wenn all das Geraune stimmt, wie gut es Harald Schmidt tun würde, nun wieder bei Sat.1 senden zu dürfen, als subversiver Akt inmitten des Randständigen und Jenseitigen, als intellektueller Feuilletonliebling inmitten des Geist- und Niveaulosen, wenn all das wirklich zutrifft, dann muss man sagen: Schmidts neuer alter Sender hat seinem neuen alten Late-Night-Talker für dessen Comeback-Show die wirklich besten Startbedingungen ermöglicht. Angekündigt wurde die erste Sendung des ARD-Abtrünnigen gruselig salbungsvoll von Ulrich Meyer (dessen Magazin „Akte 20.11“ dienstags immer vor Schmidt läuft, da muss man vorsichtig sein, wie leicht hat man zu früh den Fernseher eingeschaltet). Schmidt selbst wiederum durfte am Ende seiner Show die Reportage „Drunter und drüber – Stellungswechsel im Pornoland“ ansagen. Mehr musste er gar nicht machen, ein einfacher, sicherer Lacher war das. Danke, Sat.1.

Steilvorlage von der ARD

Dass Schmidt mindestens bis zur ersten Werbepause so schwungvoll, angriffslustig und begeistert böse wirkte wie seit langem nicht mehr, lag allerdings weniger an Sat.1 als an der ARD. Auch die hatte sich ja mächtig ins Zeug gelegt, um ihr ehemaliges Aushängeschild mit Steilvorlagen zu versorgen, und Schmidt nahm sie virtuos auf, noch ehe Helmut Zerlett und seine Band die Eröffnungsmusik gespielt hatten. Extrem Günther-Jauch-inspiriert deklarierte er: „Dieses Bild hat sich in unser kollektives Gedächtnis eingegraben.“ Dazu sah man nicht etwa Bilder des kollabierenden World Trade Centers, sondern ein Foto von Günther Jauch an seiner neuen ARD-Wirkungsstätte. „Denn seit dem 11. September 2011“, fuhr Schmidt fort, „ist in der Talkshowrepublik Deutschland nichts mehr so, wie es einmal war.“

Was hernach folgte, war grandios und konfrontierte das Publikum unter anderem mit einem kleinen Einspielfilm, bei dem man sich unvermittelt an die ganz alten Zeiten der Partnerschaft von Schmidt und Sat.1 erinnert fühlte. Damals, als Geschmacksfragen noch nicht von Intendanten diskutiert wurden, sondern im Schmidt-Universum schlichtweg keine Rolle spielten. Der Zuschauer wurde jedenfalls Zeuge, wie Anne Will am Sonntagabend scheinbar entspannt auf dem Sofa liegt; dann erscheint Jauch nicht nur auf ihrem Fernsehbildschirm, sondern obendrein auch noch auf ihrem alten Sendeplatz, worauf Frau Will sehr grün anläuft und beherzt auf die Mattscheibe kotzt. Im quasi-feuilletonistischen, von Ulrich Meyer bedrohten TV-Biotop funktioniert so etwas.

Meta-Fernsehen

Danach kam Olli Dittrich (man plauderte über funktionierende und nicht funktionierende Gags und Rudi Carrell), anschließend Hape Kerkeling (man plauderte über dessen neue Fernsehaktivitäten und natürlich auch irgendwie immer über „Wetten, dass ..?“), und ja: Das war schon alles recht lustig, manchmal sogar sehr. Aber selbst der Scherz über die Griechenland-Krise folgte dem Prinzip der reinen Selbstreferenzialität: „Wir sind der Sender mit der größten Insolvenzkompetenz in Europa.“

Schmidt machte also Meta-Fernsehen, reflektierte sein eigenes Tun und sezierte vergnügt das Medium, das sich ihm seit so vielen Jahren als zu sezierendes Objekt und gleichzeitig als Schauplatz der lustvollen Seziererei anbietet. Klar liegt eine solche Herangehensweise nahe, wenn man gerade im Mittelpunkt der Medienberichterstattung steht. Und es ist schon ein tolles Kunststück, wie Schmidt es hinbekommt, als festes und fantastisch bezahltes Mitglied des Fernsehetablissements immer noch als anarchisch und subversiv wahrgenommen zu werden. Keine Frage, diese 60 Minuten haben Spaß gemacht. Es wäre nur schön, wenn Schmidt mit der gleichen Verve nun auch andere Ziele ins Visier nähme als sein gutes altes Fernsehen.

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