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Vater, Tochter, Kind

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Vater (Sebastian Bezzel, r.) und Tochter (Sarah Horváth, l.). Ob dieser Annäherungsversuch gelingt?
Vater (Sebastian Bezzel, r.) und Tochter (Sarah Horváth, l.). Ob dieser Annäherungsversuch gelingt? © ZDF/Kerstin Stelter

Viel schräges aber wenig neues. Die Kinokomödie „Vatertage – Opa über Nacht“ im ZDF.

Von David Segler

Zugegeben: Der Titel „Vatertage – Opa über Nacht“ klingt nicht nach einem Film, für den man sich am ersten Tag unbedingt ein Kinoticket sichern muss. Sebastian Bezzel und Monika Gruber in zwei der Hauptrollen auch nicht. Aber wie jeder weiß, darf man Filme nicht vorverurteilen – man muss sie sehen.

Die Geschichte von Vatertage ist schnell erzählt: Der junge Basti (Bezzel) ist ein freiheitsliebender Mensch mit eigenem Rikscha-Unternehmen in München – Die Radlbeißer. Sein Leben besteht meistens aus Wiesn-Schönheiten abschleppen und Heilkräuter von Freunden inhalieren. Eines Tages steht seine Tochter vor der Tür, die selbst schon Mutter des kleinen Babys Paul ist – und fordert Geld. Sie will mit ihrer besten Freundin in den Urlaub und warum da nicht den Papa anhauen – der Saubär hat ja 17 Jahre nicht gezahlt, da kann er jetzt ruhig tiefer in die Tasche greifen, 15.000 Euro sollen es sein. Natürlich findet die Tochter ihren bis dahin unbekannten Vater aber doch ganz nett und bleibt für einige Zeit mit ihrem Sohn und der besten Freundin in München, dem Land der Lederhosen und Weißwürste, wie es die beiden am Anfang vermuten. Wissen können sie es nicht, sie stammen aus dem „Wilden Osten“ Bitterfeld, wie es Basti selbst später einmal ausdrückt.

Entgegen aller Vorurteile entpuppt sich die bayrische Komödie als nette Unterhaltung, die über weite Strecken unaufdringlich und nicht allzu verbohrt in ihre Geschichte daherkommt. Es gibt einige wirklich „coole“ Figuren, wie der schwule Vater von Basti mit seinem neuen griechischen Liebhaber (Herrlich daneben: Heiner Lauterbach und Adam Bousdoukos).

Am Ende gescheitert

Man hat das erfrischende Gefühl, dass die Autoren und Regisseur Ingo Raspel die sowieso völlig absurde Geschichte nicht allzu ernst nehmen, sondern eine Reihe von durchaus vorzeigbaren Pointen über München und seine Bewohner mit einer seichten Geschichte unterfüttern – bis auf das Ende. Es gibt ja viele dieser locker-schrägen Komödien und sie scheitern zu oft daran, dass man bei der Zuspitzung doch wieder in die Pflicht verfällt, am Ende den Figuren und der „Moral von der Geschicht“ gerecht werden zu wollen. Hier ist auch Vatertage leider keine Ausnahme.

Natürlich muss Basti erkennen, dass sein Lebensstil eigentlich nicht das ist, was er wirklich will, natürlich muss es krachen zwischen ihm und seiner Tochter, das tut es zweimal auf die gleiche Weise, und natürlich kommt noch eine kleine „überraschende Wendung“, die das Ende der Entwicklung von Bastis Figur noch runder und sympathischer machen soll. Diese Rezepte sind  zu oft gekocht worden und hat man sich vorher noch schön schräg amüsieren können, geht es in den letzten 20 Minuten fast in Richtung Langeweile. Und als man am Ende des Films überrascht feststellt, dass es keine echte Liebesgeschichte um die Hauptfigur Basti gab, kommt der Epilog und räumt auch damit auf.

Man kann sich Vatertage angucken, man kann auch öfter mal mit und über ihn lachen, aber es wäre zu viel gesagt, dass im ZDF am Donnerstagabend eine richtig gute Komödie aus München lief. Schade eigentlich.

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