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Jahrgang 1918, Ex-Bundeskanzler, einflussreicher Publizist. Welche Menschen haben Helmut Schmidt am stärksten beeinflusst? Welche Vorbilder sind aus seiner Sicht untauglich? - Moderatorin Sandra Maischberger mit Helmut Schimdt
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Jahrgang 1918, Ex-Bundeskanzler, einflussreicher Publizist. Welche Menschen haben Helmut Schmidt am stärksten beeinflusst? Welche Vorbilder sind aus seiner Sicht untauglich? - Moderatorin Sandra Maischberger mit Helmut Schimdt

Maischberger zum Tode von Helmut Schmidt

Wie Vater und Tochter

Sandra Maischberger durfte Helmut Schmidt wie kaum eine andere Journalistin kennenlernen. Doch ein fast 100 Jahre langes Leben zusammenzufassen, schaffte nicht einmal Maischberger.

Von Ralf Böhme

Ein fast 100 Jahre dauerndes Leben - zusammen gefasst in einer Fernsehstunde? Nein, das schafft nicht einmal die Maischberger, die den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt wahrscheinlich wie kein zweiter Journalist kennenlernen durfte. Ihre Gespräche mit dem SPD-Urgestein aus Hamburg, in einem Mix um Mitternacht an seinem Sterbetag gesendet, vermittelten dem Zuschauer aber ein im Fernsehen seltenes Gefühl von gedanklicher Nähe und großem Respekt - etwa wie im Verhältnis von Vater und Tochter. Geduldig hörte der Alte noch im April dieses Jahres die Fragen und Stichworte der wissbegierigen Jüngeren, gab ihr und damit den Zuschauern mit auf den Weg, was er erlebte, als Politiker, Publizist und Mann: mit wohl bedachten Worten, vor allem zuletzt mit einer Ehrlichkeit, die berührte. Das waren dann keine Auftritte, sondern eher eine Mission im Sinne "Haltet Maß in allen Dingen".

Zu fast allen Fragen der Zeit hatte Helmut Schmidt eigene Gedanken, oft frappierend einfach auf den Punkt oder besser auf das eigentliche Problem gebracht. Maischberger, davon sicht- und hörbar immer wieder beeindruckt, musste Schmidt nur die Zeit zum Nachdenken lassen. Blickte Schmidt zurück, musste er nicht nach Argumenten suchen. Dieser Mann war seine eigene Chronik, schöpfte aus dem Erfahrungsschatz eines bis zuletzt wachen, kritischen und realistischen Geistes. Zwei Beispiele aus seinen Statements, fast eine Art politisches Testament.

Erstens: Deutschland verändert sich, muss sich verändern - auch durch Zuwanderung. Aber ohne Probleme geht das nicht ab. Das sagte der Deutschen angeblich liebste Bundeskanzler vor der Flüchtlingskrise. Gegen eine Moschee in der Nähe seines Wohnhauses, antwortete er freimütig,  gäbe es nichts einzuwenden.

Zweitens: Keine Angst vor Schulden! Sie gehören laut Schmidt zur Marktwirtschaft. Wie bei einem Hausbau- und das ist eine Replik auf seine Regierungszeit -  sei die Aufnahme von Krediten im Prinzip ganz normal.  Doch, die Politik müsse die Kontrolle behalten, sonst laufe das Ganze aus dem Ruder und sei nicht mehr beherrschbar.  Sollte das misslingen und die ungezähmte Gier auf dem Finanzmärkten obsiegen, werden nur wenige gewinnen, viele aber vieles verlieren.

Was Maischberger gelang, kann wahrscheinlich nur einer Frau gelingen. Sie durchbrach zunehmend die Fassade hanseatischer Kühle, mit der sich Schmidt lange Zeit umgab - als Schutz vor Freund und Feind. Wie vertraut die Moderatorin den Faden aufnahm, die fast 70 Jahre Ehe mit Loki Schmidt zu thematisieren, war schon ein kleines Lehrstück für einfühlsame Gesprächsführung.

Dass das Duo Helmut Schmidt und Sandra Maischberger auch die Kurve kriegte, als es um das unvermeidliche Qualmen ging, verwunderte nicht. Schmidt, dessen Zigarettenschachteln angeblich keine Warnhinweise trugen, bekannte: Ja, das Rauchen ist eine Sucht. Und trotz des späten Geständnisses behielt er doch das letzte Wort: E-Zigarette gefällig? Nein, Schmidt blieb auch in dieser Beziehung ganz Schmidt - und in guter Erinnerung.

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