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Vater und Söhne

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Der Todkranke und die Skeptikerin.
Der Todkranke und die Skeptikerin. © ZDF und Julia von Vietinghoff

Günther Maria Halmer spielt im ZDF- „Familienfest“ herrlich einen angekränkelten Lumpen. Der Film gerät dann aber doch etwas konventioneller als nötig.

Wie schlimm kann ein Vater sein, damit man sich immer noch nach seiner Liebe und Achtung sehnt? Wo ist die Grenze zwischen Kauz und Scheißkerl? Schwer zu sagen, aber immer wieder interessant angesichts des hohen Vater-Aufkommens in einer bei allen Auflösungserscheinungen weiter in Familien organisierten Gesellschaft. Auch dieses „Familienfest“ kann einem gleich bekannt vorkommen, entwickelt sich auch erwartungsgemäß einerseits, andererseits birgt es – ebenfalls erwartungsgemäß – Überraschungen.

Andrea Stoll und Martin Rauhaus (Drehbuch) scheinen sich an der Drastik von Thomas Vinterbergs „Das Fest“ zu orientieren, aber vielleicht orientiert sich auch nur die Zuschauerin automatisch daran. Trotz nachgeschobener Erklärungen fehlt unter diesem Blickwinkel ein bisschen der Kern, jenes Wie-konnte-es-so-weit-Kommen.

Das könnte damit zusammenhängen, dass in der Figur des Vaters, Hannes sein unverfänglicher Name, bedenklich viel untergebracht wurde. Der erfolgreiche, vielleicht geniale Musiker, der dumme Zyniker, der erzkonservative, homophobe Schwadroneur und Frauen- und Kinder-Schläger – der die unglücklichen Söhne noch dazu einst der vor Gram dem Alkohol verfallenen leiblichen Mutter wegnehmen konnte. In einer von Regisseur Lars Kraume wunderbar flüchtig gezeigten Szene fährt er versehentlich seine zweite Frau an, im Gewimmel der Ankunft. Kein schlimmer Unfall, kein großes Drama.

Das Schnütchen des Lumpen

Günther Maria Halmer spielt das alles herrlich mit dem törichten Schnütchen des von des Gedankens Blässe nicht angekränkelten Lumpen. Er sei zu alt und zu wohlhabend, um sich belehren zu lassen, erklärt er. Jedoch kommt es im Laufe der anderthalb Stunden, die ja auch im Film bloß einige Tage umfassen, dann doch dazu. Schwierig. Spannender darum die Reaktionen der zu seinem 70. Geburtstag verblüffenderweise komplett angereisten Kinder.

Auch sie zwar vollgepresste Schablonen – der zartbesaitete Homosexuelle, der ewige Pleitier, der Todkranke, der dem Vater am nächsten und fernsten zugleich steht. Barnaby Metschurat und Marc Hosemann bleiben im Hintergrund, den sie bei begrenztem Spielraum ordentlich ausfüllen. Ärger ist es für Hannelore Elsner als alkoholkranke Ex und Michaela May als mütterliche Nachfolgerin: Über das Vertraute an solchen Figuren, bekannt aus Dramen und Komödien gleichermaßen, dürfen sie einfach nicht hinaus.

Lars Eidinger hingegen, der Todkranke, wird bestechend lapidar in Szene gesetzt. Die faszinierendste Figur ist womöglich die Krankenschwester, die er auf der Anfahrt aufgabelt und die alles von außen betrachten kann: Jördis Triebel als freundliche Skeptikerin. Aber wenigsten meiden Stoll und Rauhaus die zuckrigsten Varianten, Kraume ohnehin, der bewundernswert kühl an die Geschichte herantritt. Die verlegenen Gesichter sind in Ruhe anzuschauen, dieses Dümpeln in einem unerfreulichen Beisammensein. Viele Blumen von der Tankstelle, das deutlich pubertäre Herumgeätze des Vaters – keine Restspur vom vorausgesetzten Charisma –, die Ausgelaugtheit der leidgeprüften Familienmitglieder.

Dass Hannes Pianist ist, hebt das Niveau der Musik im Film. Dafür ist irritierend, sogar enttäuschend, dass das für die (auf Konzertniveau musizierende) Familie so gar keine Rolle zu spielen scheint. Das wäre eine Gelegenheit für mehr Individualität und weniger TV-Familiendramenkonvention gewesen.

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