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Uwe Ochsenknecht: „Bei diesen Filmen wird das Kind wieder in mir erweckt!“

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Von: Marc Hairapetian

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FR-Autor Marc Hairapetian und Schauspieler Uwe Ochsenknecht bei der Uraufführung von „Die Mucklas… und wie sie zu Pettersson und Findus kamen“ am 9. Oktober im Cinestar Chemnitz.
FR-Autor Marc Hairapetian und Schauspieler Uwe Ochsenknecht bei der Uraufführung von „Die Mucklas… und wie sie zu Pettersson und Findus kamen“ am 9. Oktober im Cinestar Chemnitz. © Daniela Schleich/Schlingel

Im Interview mit der Frankfurter Rundschau spricht Schauspieler Uwe Ochsenknecht über Kinderfilme, Ordnung und Fantasie.

Frankfurt – Uwe Ochsenknecht ist auch mit 66 Jahren als Schauspieler noch ein Tausendsassa: Seit 1972 wirkte er in gut 175 Produktionen mit. Internationale Aufmerksamkeit erreichte er erstmals 1981 mit Wolfgang Petersen Kriegsfilm „Das Boot“. Vier Jahre später schaffte der im am 7. Januar 1956 im südhessischen Biblis geborene Akteur und Sänger, dessen streng protestantische Eltern 1951 die DDR verließen, an der Seite von Heiner Lauterbach in Doris Dörries Komödie „Männer“ den endgültigen Durchbruch.

Im folgenden Gespräch mit FR-Autor Marc Hairapetian, das anlässlich der Uraufführung von „Die Mucklas …und wie sie zu Pettersson und Findus kamen“ (seit 20. Oktober bundesweit im Kino) beim Internationalen Filmfestival Schlingel in Chemnitz stattfand, spricht er erstmals ausführlicher über Kinder- und Jugendfilme.

Uwe Ochsenknecht: „Darin können die Kinder sich total verlieren“

Uwe, nach deinem Mitwirken als König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte in „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ und „Jim Knopf und die wilde 13“ spielst du nun den Kammerjäger Karl im teilanimierten Realfilm „Die Mucklas …und wie sie zu Pettersson und Findus kamen“. Hast du, obwohl deine Kinder inzwischen groß sind, ein Faible für Kinder und Jugendfilme entwickelt?

Was heißt Faible? Wenn man mich fragt und mir gefällt die Rolle, dann mache ich das immer wieder gern. Man glaubt es heute kaum, doch ich war mal selbst auch ein Kind! Und bei diesen Filmen wird das Kind in mir wieder erweckt! Ich weiß, wie schön das für ein Kind ist, ins Kino zu gehen. Als ich das erste Mal im Kino war, wurden Filme noch in Schwarzweiß gezeigt und ich sah „Dick und Doof“. Es hat sich alles geändert, nicht nur die Farbe. Es macht einen Riesenspaß, wenn man selbst Kinder hat und sieht, wie sich freuen, mit einem ins Kino zu gehen. Heute mit den technischen Mitteln ist’s noch mal toller. Man kann wirklich eine Märchen-Fantasiewelt aufbauen und es sieht dann aus wie echt. Darin können die Kinder sich total verlieren. Selbst in Kinderfilmen mitzuspielen, macht mir große Freude, vor allem sich zu verkleiden.

Also nun auch beim Kammerjäger Karl, der den süßen Erdgeistern Mucklas auf den Pelz rücken will?

Bösewichter machen natürlich besonders Spaß. Kinder erschrecken sowieso. (lacht) Natürlich nur im Film! Und dann ist’s gut, wenn er auch wieder vorbei ist. 

Uwe Ochsenknecht: „Als Schauspieler eine gute Portion Fantasie für den Beruf mitbringen“

Diesmal musstest du nicht vor einem Green Screen agieren?

Bei „Jim Knopf“ war noch viel Green Screen dabei. Bei den Mucklas musste man sich die Figuren hingegen „nur“ vorstellen. Aber man sollte ohnehin als Schauspieler eine gute Portion Fantasie für den Beruf mitbringen. Insofern ist mir das nicht so schwergefallen. Es macht auch deshalb Spaß bei Kinderfilmen mitzuwirken, weil man als Schauspieler immer ein bisschen übertreiben kann, beispielsweise wenn ich meine Stimme verstelle und sage (spricht im tiefsten Bass wie Darth Vader, wenn er Gollum verschluckt hätte): „Ich weiß genau, wo ihr alle wohnt! Und ich komme euch heute Abend besuchen!“

Gruselig! Kommen wir lieber nochmals auf die Mucklas zu sprechen. Sie lieben Unordnung. Dein Dinner-Date mit der von dir im Film angebeteten, etwas schlampigen Naschkatze in Gestalt der wundervollen ChrisTine Urspruch stürzen sie ins totale Chaos. Ist es bei dir zu Hause eigentlich ordentlich?

Nicht wirklich …

Uwe Ochsenknecht: „Habe die Augsburger Puppenkiste sehr geliebt“

Die Mucklas würden sich also bei dir wohlfühlen …

Das hoffe ich nicht. Aber es herrscht schon im Laufe der Zeit eine gewisse Ordnung bei mir. Das habe ich aber auch erst lernen müssen. Und Ordnung lernt man von Mädchen und Frauen. Die bringen uns Männern die Ordnung bei. Und das ist auch gut so.

Hast du selbst einen Lieblingskinderfilm?

Früher gab es mehr Märchenverfilmungen, die besten kamen aus der ehemaligen Tschechoslowakei. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist in dem Genre wirklich ein Meisterwerk. Aber auch die DDR-Verfilmung von „Schneeweißchen und Rosenrot“ aus dem Jahr 1979 hat mir, als jemand, der im Westen geboren und aufgewachsen ist, sehr gut gefallen. Dagegen war die bundesdeutsche Adaption doch etwas bieder. Und dann habe ich die Augsburger Puppenkiste sehr geliebt. Als dann die Anfrage für „Jim Knopf“ kam, fand ich das umso schöner, dass ich da mitmachen dufte. 

Uwe Ochsenknecht: „Was heute alles möglich ist, mit den digitalen Mitteln, ist natürlich Wahnsinn“

Die 1955er-Version von „Schneeweißchen und Rosenrot“ war der erste Film, den ich im Kino gesehen habe! Immerhin war es ein ansatzweiser innovativer Versuch, den deutschen Märchenfilm der 1950er Jahre mit Außenaufnahmen aus dem bayerischen Bergwald von seiner Studiosteifheit zu befreien.

Ja, für uns war so ein Märchenfilm seinerzeit schon wahnsinnig faszinierend. Wenn wir als Kinder damals „Herr der Ringe“ von Peter Jackson hätten sehen können! Nicht auszudenken! Was heute alles möglich ist, mit den digitalen Mitteln ist natürlich Wahnsinn! Ich glaube, das beflügelt auch die Fantasie der Kinder.

Interview: Marc Hairapetian

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