Sarah Wagenknecht kann im ARD-Gespräch mit Sandra Maischberger über die US-Wahl der Politik von Donald Trump auch etwas Gutes abgewinnen.
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Sarah Wagenknecht kann im ARD-Gespräch mit Sandra Maischberger über die US-Wahl der Politik von Donald Trump auch etwas Gutes abgewinnen.

Maischberger (ARD)

„Maischberger“ (ARD): Diskussion um US-Wahl - Sarah Wagenknecht verteidigt Donald Trump

  • vonRüdiger Suchsland
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Natürlich um die amerikanische Präsidentschaftswahl ging es in der früher als gewöhnlich angesetzten Spezialsendung „Maischberger - Die US-Wahl 2020“ in der ARD.

  • Am Tag nach der US-Wahl spricht Sandra Maischberger (ARD) mit ihren Gästen über die Lage in den USA.
  • Welche Auswirkungen hat diese Wahl auf die Gesellschaft in den USA und die deutsch-amerikanischen Beziehungen?
  • US-Wahlen 2020*: Alle Ergebnisse, Hochrechnungen und Nachrichten zu den Entscheidungen in den Vereinigten Staaten im Überblick.

„Wenn man in meiner Haut steckt, dann muss man vorsichtig sein. Als Schwarzer in den USA bin ich sozusagen eine aussterbende Rasse.“ - das schockierendste Statement des Abends kam von Kenton F. Barnes, einem in Deutschland lebenden Amerikaner und Sympathisanten der Demokraten. Der amtierende Präsident Donald Trump sei schon in den 80er Jahren ein Rassist gewesen. Aber das war nur einer von wenigen emotionalen Momenten an einem betont sachlichen Abend mit Sandra Maischberger in der ARD.

Als Pendant zu Barnes saß ihm gegenüber Ralph Freund, Mitglied der CDU und der US-Republikaner. Er verteidigte seinen Präsidenten so gut es ging, aber moderat. „Seine Wortwahl ist mir auch fremd.“ Der Dialog der beiden war als Konfrontation angelegt, lief aber weitaus zivilisierter und respektvoller ab als ähnliche Begegnungen vor Ort, irgendwo in der amerikanischen Provinz. Viel inhaltlich Neues kam bei Maischberger in der ARD nicht raus. Trumps Anhänger seien Fanatiker und personen-fixiert - „Trumpist zu sein ist eine Charaktereigenschaft“ so Freund - aber am Ende funktionierten in den USA die „checks and balances“ - das wird auch diesmal nicht anders sein.“

„Maischberger - Die US-Wahl 2020“ (ARD): „Eine Schande. Das ist verantwortungslos“

Eine illustre Gästeschar hatte Sandra Maischberger (ARD) auch sonst versammelt. Der prominenteste von allen war fraglos John Bolton. Genau genommen ein eher sinistrer Geselle, der aus den Rechtsaußen-Bereichen der republikanischen „Tea-Party“ stammt, unter George W. Bush ein berüchtigter UN-Botschafter war, und seit 2018 immerhin anderthalb Jahre lang unter Donald Trump als williger Sicherheitsberater gedient hatte – aber ein unbedingt dankbarer Talkshow-Gast für Maischberger, weil Bolton von den ersten Sekunden an wie ein Rohrspatz drauflos schimpfte und seiner Abneigung gegen Trump freien Lauf ließ: „Das ist eine Schande, das ist verantwortungslos“, tönte es aus der Standleitung auf die Frage nach Trumps Selbst-Deklaration zum Wahlsieger: „Ein empörendes Statement. Ihm ist einfach nicht klar dass er überhaupt nicht den Supreme Court einfach so anrufen kann.“ Trump könne nicht entscheiden zwischen seinen persönlichen Zielen und seinen Aufgaben als Präsident.

John Bolton bei „Maischberger - Die US-Wahl 2020“ (ARD): Trump „baut sich seine eigene Welt“

Die Reaktion auf seine vermutliche Abwahl offenbarten noch einmal den ganzen Charakter Donald Trumps: „Er baut sich seine eigene Welt; er ignoriert die Fakten.“

Nichts wirklich Neues also in der ARD, aber eine gute Zusammenfassung seiner Präsidentschaft. Lustiger wäre es erst geworden, hätte die Moderatorin Sandra Maischberger den Gast selbst einmal in die Mangel genommen, und gefragt, wie er es denn unter Donald Trump solang ausgehalten habe, und wie er mit seinem Gewissen vereinbaren könne, für eine derartige Figur zu arbeiten.

Aber solche Fragen gehören nicht zum Konzept der Sendung. Boltons Aufgabe war, als Stichwortgeber zu dienen und dies mit vermeintlichen Innenansichten aus dem Zentrum der Macht zu würzen. Diese Aufgabe erfüllte er gut und unterhaltsam.

„Maischberger - Die US-Wahl 2020“ (ARD): Es ging nicht um Analyse

Das Ziel des Abends war keineswegs Analyse, sondern das Sammeln von Fakten, Eindrücken, Anekdoten und vor allem Gefühlen zur noch immer nicht endgültig entschiedenen US-Wahl.

Der Politikwissenschaftler Christian Haake erhofft sich bei Maischberger in der ARD von einem Biden-Sieg vor allem Erholung: „Das Land ist vier Jahre lang in einem ununterbrochenen Spannungszustand gewesen. Trump hat alle vor sich her getrieben. Alle sind erschöpft. Ich hoffe dass man jetzt sagt: Nun ist‘s genug.“

„Maischberger - Die US-Wahl 2020“ (ARD): Donald Trump gelingt die Mobilmachung

Bei den Wahlen aber ist Donald Trump die Mobilmachung noch einmal gelungen. Und etwas ratlos machte die Experten in der ARD die Suche nach Erklärungen, warum Trump gegenüber 2016 ausgerechnet bei Frauen, Schwarzen und Latinos zugelegt hat. Und das in Zeiten von Corona. Hacke vermutet die Ursachen in der Härte der US-Gesellschaft: Die uramerikanische Auffassung sagt: ‚Wir müssen die Wirtschaft am Laufen halten, selbst wenn es mehr Tote kostet.‘“ Hacke erwähnte bei Maischberger auch den „unangenehmen Dreiklang“: „Keiner spricht es aus – aber der Virus trifft vor allem die Armen, die Schwarzen und die Latinos.“

Joe Biden habe da mehr eine europäische Sicht. Vor zu vielen Hoffnungen warnte allerdings Sarah Wagenknecht (LINKE) im folgenden Zweier-Zwischengespräch mit Alexander Graf Lambsdorff (FDP): „Es ist eine Illusion, dass sich mit Biden viel ändern wird.“

Wagenknecht ließ sich bei Maischberger sogar dazu hinreißen, Trumps Außenpolitik zu loben. Er habe immerhin keine Kriege angefangen, und Soldaten im Ausland abgezogen: „Ich finde auch nicht, dass wir eine Airbase wie Ramstein für den Drohnenkrieg brauchen.“ Darauf Lambsdorff in der ARD: „Wie stellen Sie sich eigentlich Deutschlands Position in der Welt vor? Wir leben in einer Welt, die kann man sich nicht malen.“

„Maischberger - Die US-Wahl 2020“ (ARD): Agenda-Setting via Twitter

Viel Raum nahm einmal mehr in allen Gesprächsphasen der ARD-Talkrunde die Trumpologie ein - und es müssen schon Historiker und Politikwissenschaftler der Zukunft beantworten, warum selbst die informierten, medial abgebrühten, und ausdifferenzierten Öffentlichkeiten Europas auch nach über vier Jahren auf Donald Trumps allzu durchschaubare Ablenkungsmanöver und seine Taktiken des Staubaufwirbelns hereinfallen: Sein Agenda-Setting via Twitter wurde auch am Morgen nach der Wahl übernommen, seine Grenzverletzungen bestimmten die Narrative. Die Medien reproduzieren auch jetzt wieder Trumps Verunsicherungen.

Die amerikanische Komedian Gayle Tufts fasste es bei Maischberger in der ARD gegen Ende noch einmal zusammen: „In dieser Mischung aus Entertainment und Television und Realität ist Trump der ‚Perfekte Sturm‘. Da sind wir jetzt.“

Wo Politik auf Unterhaltung reduziert wird, Schauspieler und TV-Stars Präsidenten werden, da kann auch Sandra Maischberger vielleicht eines Tages noch Kanzlerin werden. (Von Rüdiger Suchsland)

Maischberger - Die US-Wahl 2020 (ARD): Die Sendung im Netz

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