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Zu den Aufgaben der Kriminalpolizisten gehören Spurensicherung, Zeugenbefragung und Leichenschau.

"Die Kriminalisten - Dem Verbrechen auf der Spur", ZDF

Unzulängliches Ermittlungsergebnis

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Die halbstündige ZDF-Reportage über die Arbeit von Kriminalisten bleibt zwangsläufig unzulänglich.

Eigentlich müsste der Kniff längst an Wirksamkeit verloren haben. Angelsächsische Begriffe wie Showrunner, Writer‘s Room, True Crime haben Eingang gefunden in die deutschsprachige Berichterstattung und sollen suggerieren, dass es sich bei den bezeichneten Phänomenen um etwas ganz und gar Neuartiges handelt. So wie vor Jahren aus der Gesprächssendung die Talkshow und aus dem Fernsehfilm das TV Movie wurde, um altbekannten Programmformen einen modischen Anstrich zu verleihen und ihnen neue Aufmerksamkeit zu bescheren.

Die Spur der „True Crime“-Formate, TV-Beiträge über reale Verbrechen, führt weit zurück in die deutsche Programmgeschichte. Mit ihnen hat hierzulande der Fernsehkrimi einst begonnen. Jürgen Roland berichtete bereits in der Phase des Hamburger Versuchsbetriebs zu Beginn der Fünfzigerjahre über aktuelle Kriminalfälle und warnte vor den Maschen der Gauner, auch begleitete er den damaligen Hamburger Polizeipräsidenten bei der Arbeit und bekam sogar Einblicke in dessen Privatleben.

Bald wurde die Kriminalerzählung, ob tatsachenorientiert oder frei erfunden, eines der beliebtesten Genres des Fernsehprogramms. Gleichzeitig richtete sich weiterhin das Interesse von Reportern und Dokumentarfilmern auf die Arbeit im Bereich der Verbrechensbekämpfung. Die aktuelle Ausgabe der ZDF-Reihe „37°“ ist da nur ein Beispiel unter vielen. Und es zählt nicht zu den gelungensten.

In dreißig Minuten gewährt die Autorin Jennifer Gunia einen Einblick in den Alltag des Essener Kriminaldauerdienstes. Sie konzentriert sich auf zwei Protagonisten, den siebenundfünfzigjährigen Peter und seine jüngere Kollegin Jana. Angetextet als „die schnelle Eingreiftruppe der Kripo“, als diejenigen, die genau hinschauen, „wo alle lieber wegschauen - in die Abgründe der Gesellschaft.“

Das sprachliche Niveau bessert sich, den genauen Blick aber bleibt die Autorin schuldig. In schneller Folge absolviert das Ermittlerpaar seine Einsätze: eine Vergewaltigung wird angezeigt, ein gescheiterter Einbrecher hat Spuren hinterlassen, die gesichert werden müssen. In einer verwahrlosten Wohnung liegt – es herrschen hochsommerliche Temperaturen – ein bereits verwesender Toter. Eine unappetitliche Angelegenheit. Dann müssen die Ermittler eine Todesnachricht überbringen, die unangenehmste ihrer vielen Aufgaben.

Auch das Privatleben der beiden Kriminalisten findet Erwähnung, insbesondere die Auswirkungen des in Schichten aufgeteilten Dienstes auf Ehe und Familie. In allem aber bleibt die Reportage flüchtig. Der Autorin ist daraus kein Vorwurf zu machen; es fehlt schlichtweg die nötige Zeit, bedeutsame Aspekte stärker herauszuarbeiten. Ohne zusammenfassende Kommentare geht es nicht, sie sind aber stets ein notdürftiger Ersatz für breiter angelegte Bildfolgen.

Wenn im Film die beiden Kommissare im Falle einer mutmaßlichen Vergewaltigung die Aussagen der Beteiligten aufnehmen, dann kommt am Rande zur Sprache, dass ausnahmslos jede sexuelle und herabwürdigende Handlung als Vergewaltigung gilt, sobald sie ohne Einwilligung vollzogen wird. Eine wichtige Information, die größtmögliche Verbreitung finden sollte, hier aber mehr oder weniger im Reigen der schnellen Eindrücke untergeht.

Nicht zum ersten Mal zeigt sich, dass die Darstellung kriminalpolizeilicher und staatsanwaltlicher Arbeit in dreißig- oder fünfundvierzigminütigen Fernsehreportagen zwangsläufig unzulänglich bleibt. Positive Gegenbeispiele gibt es: Reihen wie „Die Ermittler“, eine fünfteilige Langzeitbeobachtung, die 2012 im WDR-Regionalprogramm ausgestrahlt wurde.

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