Jason Statham in einer Situation, die unsereiner meiden würde.
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Jason Statham in einer Situation, die unsereiner meiden würde.

"Crank 2: High Voltage"

Unter Strom

  • vonMichael Kohler
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Jason Statham jagt in "Crank 2: High Voltage" seinem Herzen hinterher. Die Handlung abstrus zu nennen, wäre untertrieben. Dafür folgt ihre Raserei einer bezwingenden inneren Logik. Von Michael Kohler, mit Video

Wenn zwischen zwei Menschen der Funke überspringt, muss es nicht immer Liebe sein. Meistens entlädt sich einfach nur schwach dosierte Elektrizität. Doch selbst davon kann Chev Chelios nicht genug bekommen, seitdem ihm ein von der chinesischen Mafia bestellter Quacksalber das Herz herausriss und stattdessen eine batteriebetriebene Pumpe in seiner Brust versenkte.

Auf der Jagd nach seinem geraubten Herzen muss Chelios nun alle paar Minuten buchstäblich den Akku wieder aufladen: Als erstes holt er sich von einem Autofahrer Starthilfe, später legt er sich ein Hundeschockhalsband an, bedankt sich bei der Polizei für eine Misshandlung mit dem Teaser und wird schließlich mit einer Striptease-Tänzerin auf der Pferderennbahn intim. Ein Vögelchen hatte ihm zuvor gezwitschert, dass auch zwischenmenschliche Reibung elektrische Ströme fließen lässt.

Die Handlung von "Crank 2 - High Voltage" abstrus zu nennen, wäre noch untertrieben. Dafür folgt ihre Raserei einer bezwingenden inneren Logik: Vor drei Jahren übertrugen die beiden Werbefilmer Mark Neveldine und Brian Taylor das Konzept des Thrillers "Speed" auf einen Menschen und verabreichten ihrem Helden eine Prise Gift, dessen tödliche Wirkung sich nur durch einen abnorm hohen Adrenalinspiegel aufschieben ließ. Jason Statham alias Chev Chelios musste also immer schön auf Touren bleiben, um an das Gegengift heranzukommen. Diese Vorgabe galt es in der Fortsetzung zu übertreffen, weshalb sich die Autoren und Regisseure augenzwinkernd als eine Mischung aus Computerspiel-Trotteln und den legitimen Nachfahren Doktor Frankensteins inszenieren.

Neveldine und Taylor haben es tatsächlich geschafft, das Tempo noch einmal anzuziehen. Die Geschichte gibt das nicht unbedingt her, weshalb sich jetzt einfach noch mehr Handkameraleute ins Getümmel stürzen und dabei Kopf und Kragen riskieren. Chelios jagt prügelnd, schreiend und schießend durch einen Hindernisparcours aus schweren Jungs und leichten Mädchen, wobei dem Schnittmeister die härteste Prüfung vorbehalten blieb: Insgesamt 285 Stunden Bildmaterial kamen während der Dreharbeiten zusammen, und das bei einem Film, dessen Handlung sich kaum von einem Slapstick-One-Reeler unterscheidet.

Am besten und das heißt schlichtweg grandios ist "Crank 2 - High Voltage" in seinen parodistischen Momenten - ansonsten ist er immerhin noch einzigartig. Neveldine und Taylor treiben das Actiongenre vor sich her und haben die Selbstzensur dabei so weit gelockert, dass eine jugendfreie Fassung nicht einmal mehr vorstellbar erscheint. Gefallen müssen einem dabei weder die stellenweise reichlich überzogene Gewaltdarstellung noch die ausufernden Anleihen beim pornografischen Film. Natürlich werden die Regisseure nirgendwo explizit, dafür kullern Kameramänner und halbnackte Darstellerinnen umso häufiger durcheinander.

Inspiration und präpotente Pose gehen in diesem atemlosen Actionfilm eine seltsame Verbindung ein: "Wir tun gerne so, als wären wir Rockstars", wird Neveldine im Presseheft zitiert. "Die zertrümmern Gitarren, wir verschrotten Kameras." Und ganze Genres, wie man ohne Übertreibung hinzufügen kann.

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