Markus Graf (Florian Bartholomäi, l.), steht unter Verdacht, ein Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. Kommissar Faber (Jörg Hartmann) ermittelt: Auf seine Art.
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Markus Graf (Florian Bartholomäi, l.), steht unter Verdacht, ein Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. Kommissar Faber (Jörg Hartmann) ermittelt: Auf seine Art.

TV-Kritik Tatort: Auf ewig Dein

Unter Psychopathen

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Der Dortmunder Tatort mit Jörg Hartmann als Kommissar Faber ist diesmal ein dunkler Thriller mit einem erstmals ziemlich einleuchtenden Ermittler.

Auch wenn jede halbwegs anständige Fernsehproduktion irgendwann im Leben einen Grimme-Preis bekommt, und auch wenn der Tatort in diesem Jahr im Großen und Ganzen geehrt wird, so fiel doch auf, dass unter den Einzelnominierungen keines der zahlreichen neuen Teams war.

Und tatsächlich: Keines ist glanzvoll gestartet, auch der von einigen Hoffnungen begleitete neue Dortmunder Ermittler nicht, der erst wie ein Schimanski-Verschnitt wirkte, dann wie ein armer Irrer, und dabei umrundet schien von einem Team wie aus dem Vorabendprogramm. Kein Wort natürlich gegen das Vorabendprogramm.

Bringt der morgige Sonntag die Wende? Es erweist sich jedenfalls als Vorteil, dass der neue, vierte Dortmunder Tatort mit Jörg Hartmann als wahnsinnigem (na ja, traumatisiertem, depressivem, ungezogenem) Kommissar Faber nicht einmal mehr so tut, als sei er ein Tatort.

„Auf ewig Dein“ ist, wie der Titel schon sagt, ein dunkler Thriller nordeuropäischer Bauart. Es gibt Versatzstücke, gewiss, und die sind nicht der Hammer – grausame Morde an kleinen Mädchen, ein Psychopath, der langfristig plant und den Kommissar ziemlich kompliziert herausfordert –, aber es ist doch auch das erste Mal, dass das Publikum eintauchen darf in Fabers Welt. Jetzt ist er nicht mehr der einzige Verrückte, sondern der Mann, der am schnellsten begreift, was mit dem anderen, noch Verrückteren los ist.

Das zwangsläufige Duell, nicht das erste und sicher auch nicht das letzte seiner Art, schreiben und inszenieren Jürgen Werner und Dror Zahavi mit einiger Intensität. Dunkel die Orte, sorgfältig gewählt die Perspektiven, fein schmierig das Lächeln von Florian Bartholomäi, was man nicht verschweigen muss, denn bei dem Katz-und-Maus-Spiel, das er aufführt, lässt er die Katze ganz schnell aus dem Sack. Auch ist Faber keine Maus, wie man sich denken kann.

Rustikale Kommissare

Das nervtötende Rollenspiel „Ich sag euch jetzt, was der Mörder dabei gedacht hat“ braucht er außerdem nur am Anfang. Weil nicht sofort – erstaunlich viele Personen kommen als pädophile Täter in Frage, was für eine Welt! –, aber bald fast alles klar ist. Es hilft bloß nichts.

Nicht widerstehen können Werner und Zahavi, auch weitere Stränge im Leben der rustikalen Dortmunder Kommissare weiterzuverfolgen. Und nicht leugnen kann die Zuschauerin, dass auch das überzeugender gelingt. Der Callboy von Kollegin Bönisch, Anna Schudt, bekommt Ärger mit der Polizei und will sie erpressen.

Sie macht es gut, Faber macht es allerdings auch gut. „Zwei von meiner Sorte können wir uns nicht leisten“, sagt er und geht ihr zur Hand, die Sache in Ordnung und sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Daraufhin nehmen sie ein alkoholisches Getränk aus der Minibar zu sich.

Und Nora (Aylin Tezel) ist schwanger!

Es gibt ferner einige hübsche Details: Die DNA eines Pferdes zu ermitteln, ist kein so großer Quatsch, wie man meinen möchte, beispielsweise. Und es gibt eine kleine Schimanski-Hommage als Abschlussscherz, der, wie soll man sagen, die Wichtigkeit von Fabers treuem Parker in den Mittelpunkt stellt.

Jörg Hartmann hat ihn dem Vernehmen nach aus seiner eigenen Garderobe mitgebracht. Wer es nicht mag, wenn am Ende eines besonders tödlichen Tatorts regelrecht Witze gerissen werden, muss dennoch zugeben, dass man Faber ein bisschen Munterkeit gönnt. Das seltsame Jetzt-ist-alles-egal-aber-trotzdem-geht-es-ja-Weiter seiner Figur funktioniert jedenfalls zum ersten Mal einigermaßen.

Vielleicht ist das alles nur eine Frage der Gewöhnung.

ARD, Sonntag, 2.Februar, 20.15 Uhr.

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