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Der italienische Filmemacher Nanni Moretti vor einem Plakat, das seinen neuen Film "Habemus Papam" ankündigt.

Nanni Morettis Papst-Film

Der unpässliche Unfehlbare

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Nanni Morettis Papst-Film beschäftigt Italien: Ein wunderbar traurig-komischer Michel Piccoli spielt einen Papst, der, gerade gewählt, einen Nervenzusammenbruch erleidet und sein Amt nicht antreten will – noch nie dagewesen in der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche.

Am Ende kam der Meister doch persönlich. Unter stürmischem Beifall trat Nanni Moretti am Freitagabend vor sein Publikum im Nuovo Sacher, seinem Kino im Römer Stadtteil Trastevere, das Kultstatus genießt. Hunderte drängelten sich noch draußen, als die erste Abendvorstellung von „Habemus Papam“ bereits begonnen hatte. Seit Freitag läuft es in 500 italienischen Kinos.

Moretti hatte vor der Premiere immer wieder beteuert, dass es um „einen Papst“ und nicht um „den Papst“ gehe, auch nicht um den Vatikan. Dafür hatte Moretti auch keine Drehgenehmigung, der Film entstand in den legendären Studios der Cinecittà und in römischen Barockpalästen – und wirkt doch in Teilen sehr authentisch. Ein wunderbar traurig-komischer Michel Piccoli spielt einen Papst, der, gerade gewählt, einen Nervenzusammenbruch erleidet und sein Amt nicht antreten will – noch nie dagewesen in der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche. Inkognito taucht er in Rom unter, während Moretti als eigens zugezogener Psychoanalytiker die Kardinäle beschäftigt.

Überraschend wenig Klamauk

Mit viel Ironie, aber überraschend wenig Klamauk schildert Moretti die bizarren Informationsverhinderungsstrategien einer Institution, die Reporter aus der ganzen Welt tagelang im Glauben lassen muss, der Neue sei nur vorübergehend unpässlich. Am Ende erklärt dieser den wartenden Gläubigen, dass er leider nicht Papst sein könne. Das grenzt an Blasphemie in einer Stadt, in der der Vatikan bis heute eine Macht ist, an der niemand vorbeiregiert.

Viele Züge des Film-Papstes erinnern zudem an Johannes Paul II., der am 1. Mai auf dem Petersplatz selig gesprochen wird. Und niemand kann diesen Film sehen, ohne an die Missbrauchsskandale zu denken, die die Kirche seit Anfang vergangenen Jahres erschüttert haben, auch wenn das Wort niemals fällt.

Um ein religiöses Publikum sei es ihm nicht gegangen, sagt Moretti. Doch seine Zuschauer sind oft ebenso religiös wie links, in Italien kein Widerspruch. Die meisten Zeitungen haben den Film gefeiert oder zumindest wohlwollend besprochen. Auch Kritiker, die sonst wenig Sympathie für den linken Starregisseur zeigen, loben ihn. „Unbedingt sehenswert“, so der bekannte Vatikan-Experte Marco Politi. Radio Vatikan bemängelt Realitätsferne – wer hat je von Kardinälen gehört, die während des Konklaves Volleyball spielen –, hat sich aber „gut unterhalten“. Jesuitenpater Tiziano Repetto bescheinigt „Habemus Papam“ sogar, eine „Lehre von Toleranz und Mitmenschlichkeit“ zu sein. Das kommt einer Absolution für Moretti recht nahe.

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