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Illustration zu Tischlein deck dich. Alexander Zick, Berlin 1910.
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Illustration zu Tischlein deck dich. Alexander Zick, Berlin 1910.

"Das Mädchen mit den Schwefelhölzern"

Ungewohnt düster, aber herausragend

Die prominentesten Märchen der Brüder Grimm hat die ARD längst verfilmen lassen. In diesem Jahr sind daher gleich zwei Filme nach Vorlagen von Hans Christian Andersen entstanden, und prompt kommt ein ungewohnt düsterer Tonfall ins Spiel.

Von Tilmann P. Gangloff

Die Adaption der Geschichte vom Mädchen mit den Schwefelhölzern ragt derart aus dem diesjährigen Angebot derart heraus, dass die anderen Beiträge beinahe verblassen. Im Gegensatz zu den Grimm’schen Märchen enden die Geschichten von Andersen in der Regel nicht mit dem Satz „Und wenn sie nicht gestorben sind...“. Bei der Erzählung vom „Kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern“ ginge das schon deshalb nicht, weil die bedauernswerte Titelfigur am Ende erfriert.

Es ist also durchaus mutig, dass die ARD das Wintermärchen in ihren Kanon aufgenommen hat. Das gilt auch für die Umsetzung. Regisseur Uwe Janson und Kameramann Marcus Stotz haben ein Lichtkonzept ersonnen, dass die Düsternis der ohnehin wenig erbaulichen Handlung buchstäblich verstärkt: Nur wenige Lichtinseln vermitteln warme Behaglichkeit; der weitaus größere Teil des Films ist in betont kühlem Blaugrau gehalten. Damit entspricht die Umsetzung dieser in der vorindustriellen Zeit angesiedelten Geschichte allerdings perfekt dem Geist des Märchens.

Kapitalismuskritik in der Märchenverfilmung

Gleiches gilt für die Adaption durch den märchenfilmerfahrenen David Ungureit: Das Mädchen Inga hat beide Eltern verloren und lebt in einem Waisenhaus, wo die Schutzbefohlenen schamlos ausgebeutet werden. Die Bedingungen, unter denen die bedauernswerte Geschöpfe Akkordarbeit abliefern müssen, erinnern an Dokumentationen über asiatische „Sweatshops“.

Die Kapitalismuskritik ist offenkundig, zumal sie sich auf die Ausbeuterin konzentriert; dank Schminke, Kostüm und Beleuchtung verkörpert Nina Kunzendorf die Besitzerin des Heims, Frau Landfried, als klassische Märchenhexe. Inga ist ihr Gegenentwurf, ein herzensgutes Geschöpf, das sich für andere einsetzt. Als Frau Landfried die Kinder an Heiligabend auf die Straße schickt, um Schwefelhölzer zu verkaufen, überlässt Inga einem Jungen ihre Einnahmen. Anstatt ins Waisenhaus zurückzukehren, sucht sie das verfallene Haus ihrer Eltern auf. Im Widerschein der hell brennenden Streichhölzer sieht sie einen in goldenem Licht erstrahlenden festlich gedeckten Tisch, einen geschmückten Baum und schließlich auch ihre Eltern, die sie ins Paradies geleiten.

Noch ergreifender als das Märchen

Jansons Verfilmung ist sogar noch ergreifender als das Märchen; daran ändern auch die liebenswerten Slapstick-Einlagen Oliver Korittkes als freundlicher Wachtmeister nichts. Von großer Wirkung sind auch die Auftritte Jörg Hartmanns als zunächst mysteriöse Figur, die sich schließlich als Engel des Todes entpuppt. Obwohl Hartmann den Himmelsboten fast statuarisch anlegt, gelingt es ihm allein kraft seiner Ausstrahlung, eine Aura der Ehrfurcht zu verbreiten. Das größte Lob allerdings gebührt der jungen und filmisch noch weitgehend unerfahrenen Lea Müller (Inga), die sich als echte Entdeckung entpuppt.

Für kleine Kinder ist die Geschichte möglicherweise zu düster, zumal die finstere Frau Landfried bis ins Mark böse ist. Aber mit Hilfe einer kleinen dramaturgischen künstlerischen Freiheit ist es Ungureit gelungen, der Verfilmung doch noch ein positives Ende zu geben, ohne Andersen untreu zu werden. Und die Bildgestaltung ist dank einiger ausgeklügelter Fahrten und mehrerer überraschender Perspektiven herausragend.

Um 14.10 Uhr zeigt die ARD das ebenfalls sehenswerte Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“, morgen folgen mit „Die kleine Meerjungfrau“ (ebenfalls nach Andersen) sowie „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ zwei weitere Märchenfilmpremieren.

„Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ (ARD, 25.12., 15.10 Uhr)

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