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Sandra Maischberger
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Sandra Maischberger

TV-Kritik "Maischberger"

Ungemütlich wie am Stammtisch

"Wohlstand für alle oder sozialer Kahlschlag?" fragte Sandra Maischberger in ihrer Sendung voller alter Hasen. Sahra Wagenknecht senkte dabei das Durchschnittsalter, hob den Frauenanteil, aber, ach, nicht das Niveau. Von Judith von Sternburg

Auf dem weiten Feld zwischen Abgeklärtheit und der Devise "Nach der Wahl ist vor der Wahl" ging es in der gestrigen Maischberger-Sendung drunter und drüber. Vor allem drunter. Das lag unter anderem daran, dass die Frage, wie es jetzt unter Schwarz-Gelb laufen wird, schlichtweg nicht zu beantworten war. Nicht in dieser Situation, nicht zu diesem Zeitpunkt, nicht mit diesen Gästen und auch sonst vermutlich nicht.

"Wohlstand für alle oder sozialer Kahlschlag?", stellte der Titel zur Auswahl. Das war einerseits Polemik, andererseits platter, als es nach den Strapazen eines Wahlkampfs auszuhalten war. Das fanden auch einige der Gäste. Die meisten waren ältere Herren, auch alte Hasen genannt. Hans-Jochen Vogel (seit bald 60 Jahren in der SPD, wie er erwähnte), Kurt Biedenkopf (CDU) und Klaus Kinkel (FDP) verstanden sich ganz gut. Sie bedauerten die Schlappe für die SPD, formulierten ein gewisses Mitleid, aber auch Unmut wegen der Verschiebungen in der Parteienlandschaft. Alle brachen logischerweise eine Lanze für die so genannten Volksparteien.

Gemeinsam war der Runde auch der fürchterliche Ärger über Sahra Wagenknecht (Die Linke), die den Altersdurchschnitt der Gästerunde senkte sowie den Frauenanteil erhöhte. Aber, ach, nicht das Niveau. Sie erklärte, die SPD habe mit ihren "sozialen Verbrechen" ihre "Existenzberechtigung" verloren. Ob sie eben "soziale Verbrechen" gesagt habe, fragte Maischberger nach. In der Krise, so Wagenknecht, sei die Politik nun "zu feige", die Lasten "den oberen Zehntausend" aufzubürden.

Das kann man unerbittlich und konsequent nennen, aber es waren auch die populistischen Höhepunkte des Abends. Dass sich auch Biedenkopf eine Blöße gab, als er von den vielen zufriedenen Hartz-IV-Empfängern berichtete, die er kenne (wer mag das sein?), hatte da geradezu etwas Tröstliches. Deutlich wurde natürlich wieder, dass Die Linke das Schmuddelkind der Bundestagsparteien ist und rein gar nichts gegen diese Rolle einzuwenden hat. Wagenknecht machte die Runde sicher etwas ungemütlicher, aber es war die Ungemütlichkeit, die auch am Stammtisch bisweilen aufkommt.

Die Hoffnung, durch nicht mehr aktive Politiker mehr Übersicht ins Gespräch zu bekommen, erfüllte sich auch ansonsten nicht. Zwar signalisierten Vogel und Biedenkopf, dass sie lieber über die großen Themen gesprochen hätten: Folgen der Wirtschaftskrise, Altersentwicklung, Umweltschutz. Biedenkopf erinnerte zu Recht daran, dass das heute eine völlig andere Republik sei als die, die zuletzt von einer schwarz-gelben Koalition regiert wurde. Aber auch das verlief im Sande eines zunehmenden Gleichzeitig- sowie Aneinandervorbeiredens. Selbst Sandra Maischberger ließ letztlich offen, um was es eigentlich gehen sollte.

Ferner war seltsamerweise noch Bildzeitungs-Kolumnist Hugo Müller-Vogg dabei, grundsätzlich kein Niveau-Heber. Die Szene, in der Maischberger und Müller-Vogg an einer Magnettafel mit Politikerspielkarten Kabinett-Kombinationen probierten und die anderen entweder den Kopf verdrehen mussten, um etwas zu sehen, oder woanders hin glotzten, war wie früher in der Schule: Hinten am Gruppentisch scherte sich keiner darum, was vorne an der Tafel geschah. In den Totalen sah man Vogel in einer Zeitung blättern.

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