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Zufälligerweise muss Superman im Alter von 33 Jahren die Welt retten.

Superman „Man of Steel"

Unfreiwillig komisch

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Dieser Streifen eignet sich nicht für eine Pyjama-Party: Die Superman-Comicverfilmung „Man of Steel" übertönt sich selbst.

Ist es ein Comic? Ist es ein Film? Ist es ein Videospiel? Nein, es ist Superman und damit wie die meisten sogenannten Sommer-Blockbuster natürlich doch wieder alles auf einmal. Denn neben der obligatorischen Weltrettung kämpft der Serienheld in Zack Snyders Neuverfilmung auch in eigener Sache der Wert der Marke kann etwas Aufwind vertragen. Besonders nach dem unglücklichen letzten Relaunch namens Superman Returns.

Den Titel Superman erhält der von Henry Cavill gespielte Held im Film allerdings reichlich spät. Lois Lane (Amy Adams), die wortgewandte Zeitungsjournalistin, die als erste ein Stück weit hinter sein Geheimnis blickt, hat ihre Wortschöpfung schon auf der Zunge, als sie das markante S auf seinem Trikot liest, das hier eher einem mächtigen Brustpanzer gleicht. Doch bevor sie es noch aussprechen kann, wird sie sanft unterbrochen. Bei uns ist dieses Zeichen kein S, sondern bedeutet Frieden, belehrt sie der Abkömmling des Planeten Krypton. Und klingt dabei fast so pathetisch wie einst die Sängerin Milva, als sie schwärmte: Freiheit in meiner Sprache heißt Libertà, gibt es ein schöneres Wort als Libertà?

Hauptsache nur, das S bedeutet nicht schon wieder Scientology, nach After Earth kann die Suche nach versteckter spiritueller Propaganda erst einmal pausieren. Christliche Bezüge allerdings sind wie so oft im Science-Fiction-Kino nicht zu übersehen, wenn ein Welterlöser bis zum Jesusalter von 33 Jahren unerkannt über die Erde wandelt. So lange hält er sich mit seinen Superkräften zurück, angehalten von seinen fürsorglichen und bodenständigen Adoptiveltern (Kevin Costner und Diane Lane).

Ungebetener Besuch aus dem All

Warum sollte auch die Rettung der Menschheit, wenn sie denn stattfinden soll, vom ländlichen Kansas ausgehen? Erst ein ungebetener Besuch aus dem All setzt das Thema auf die Agenda.

General Zod (Michael Shannon) kommt mit einigen Schergen erst nach Kansas, dann ins urbane Metropolis. Auf der Erde will er seinen zerstörten Heimatplaneten Krypton ein zweites Mal errichten, und die dafür nötigen Informationen vermutet er zurecht bei Clark Kent alias Superman: Sein leiblicher Vater, ein Wissenschaftler auf Krypton, hat sie ihm als Baby mit in die rettende Raumschiff-Wiege gelegt.

Man wünscht sich manchmal, Regisseur Zack Snyder wäre auch mit anderen Dingen so ökonomisch umgegangen wie mit der Verwendung des Wörtchens Superman. Sein geradezu bestürzend unorigineller Film ist über weite Strecken eine ermüdende Aneinanderreihung von Zerstörungs- und Katastrophenszenen. Leider lassen sie jene Stilisierung vermissen, die den Regisseur von 300 und The Watchmen zu einem wahren Bilderstürmer im Heer der Comic-Verfilmer machte. Nun herrscht ein stumpfer Naturalismus.

Nichts gegen leinwandfüllend einstürzende Hochhäuser. Doch trotz 3D-Projektion scheint die Apokalypse den Zuschauerraum gar nicht zu erreichen. Manchmal wirkt es gar als agierten die menschlichen Darsteller vor den apokalyptischen Bildern wie vor einem Theaterhintergrund. Man fühlt sich an die alten Zeiten der Rückprojektion erinnert. Unfreiwillig komisch, wie viel Beton der Held selbst zum Einsturz bringt, wenn er sich nur pfeilschnell auf die Gegner stürzt. Aus den frühen Trickfilmen der Vierziger blieb doch eher jenes Bild im Gedächtnis, wie der Held einhändig einen Wolkenkratzer vor dem Fall bewahrte.

Es fehlt jede Ironie

Passend zum langweiligen Katastrophenfilm fehlt in den Dialogen alle Ironie, und Hans Zimmers bombastische Filmmusik gibt dazu den Takt. Offenbar spät zu dem Projekt berufen erst hatte er erklärt, mit Man of Steel habe er nichts zu tun , ging er auf deutliche Distanz zu John Williams geradezu lyrischer Heldenmusik aus Richard Donners Superman-Version mit Christopher Reeve. Die vier Töne von Zimmers Hauptmotiv wurden von seinen Assistenten durch alle Register orchestriert.

Nur zwei der Special-Effects-Szenen gelingt es, Anteilnahme zu erwecken. Die erste spielt in der Kindheit des von seinen Mitschülern als Sonderling gemiedenen Helden und zeigt ihn bei der Rettung eines abgestürzten Schulbusses. In der zweiten lässt er sich von seinem Ziehvater davon abhalten, ihm in einem Wirbelsturm das Leben zu retten. Das mögliche Bekanntwerden der Superkräfte seines Sohnes hält er für bedrohlicher als den eigenen Tod. Ob sich die Sorge als berechtigt erweist, wird vielleicht die angekündigte Fortsetzung erklären.

Der Titel Man of Steel knüpft an John Byrnes Version des gedruckten Comics an, in dem eine metallische Bekleidung den Helden endlich von dem Verdacht befreit, einer Pyjama-Party entflohen zu sein. Damit wurde die Figur auch in die Nähe des Iron Man der Konkurrenz von Marvel gerückt dem derzeit wohl auch im Kino neben Batman beliebtesten Superhelden.

Würden die beiden ihren Konkurrenzkampf freilich nicht nur in den Kinocharts austragen, sondern sich direkt gegenüberstehen, zöge dieser Superman fraglos den Kürzeren: In Henry Cavills Verkörperung würde er, wenn nicht gleich an Robert Downey juniors Eisenanzug zerschellen, so doch zumindest an seiner messerscharfen Ironie.

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