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Kommissar Bäckström (Claes Malmberg, re.) ermittelt in der Schwulenszene.
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Kommissar Bäckström (Claes Malmberg, re.) ermittelt in der Schwulenszene.

"Der 4. Mann", Arte

Unbemerkte Weichenstellungen

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Deutsche Terroristen, ein ermordeter Ministerpräsident ? ein schwedischer Dreiteiler nach einem Erfolgsroman von Leif G. W. Persson erzählt Zeitgeschichte im Krimigewand.

In den Büros der Stockholmer Polizei herrscht ein rauer Ton. Wir schreiben das Jahr 1989.

Der Ermittlungsleiter Bäckström (Claes Malmberg), genannt „Speckbacke“, rüpelt herum, mampft am Tatort, macht abschätzige Bemerkungen gegenüber der Kollegin Jeanette Eriksson (Helena Af Sandeberg), bedient sich am Alkoholvorrat des Toten. Ein Ekelpaket, wie es im Buche steht. Als ein alleinstehender Angestellter des Statistischen Zentralamts erstochen aufgefunden wird, bestimmen Ressentiments die Ermittlungen. Schnell sind der Widerling Bäckström, sein Kollege Wijnbladh (Anders Johannisson) und der schrullige Rechtsmediziner Dr. Engel (Etienne Glaser), genannt „Leichenschaftslos“, sich einig, es mit einem Mord unter Schwulen zu tun zu haben. Natürlich irren sie sich gewaltig.

Ein Sprung in die Gegenwart: Lars Martin Johanson (Rolf Lassgård) wird neuer Chef der schwedischen Sicherheitspolizei, ein Nachrichtendienst, der überregional und eigenständig ermittelt und direkt dem Justizministerium unterstellt ist. Die Abteilung erhält einen anonymen Brief, demzufolge der Überfall auf die deutsche Botschaft im Jahr 1975 noch nicht restlos aufgeklärt ist. Es soll schwedische Unterstützer der deutschen Terroristen gegeben haben, die seinerzeit die Freilassung prominenter RAF-Angehöriger erpressen wollten. Die deutsche Bundesregierung lehnte ab. Eine Explosion, mutmaßlich versehentlich ausgelöst, beendete die Geiselnahme. Es gab Tote und Verletzte. Johanson nimmt den Fall wieder auf. In sein Team beruft er unter anderem Kommissarin Jeanette Eriksson. Die stößt im Verlauf der Arbeit auf den Namen Kjell Göran Ohlsson. Des Mannes also, der 1989 gewaltsam zu Tode gekommen war. Der Mörder wurde nie gefunden.

In einer komplexen Dramaturgie mit schnellen Szenenwechseln, aber sehr souverän siedeln die Autoren des schwedischen Dreiteilers „Der vierte Mann“ das Geschehen auf drei verschiedenen Zeitebenen an. Nach und nach legen sie frei, wie scheinbar völlig unzusammenhängende Ereignisse in Verbindung stehen. Immer spielt, da findet auch dokumentarisches Material Verwendung, der zeitgeschichtliche Hintergrund in die Geschehnisse hinein. 1975 war es der RAF-Terrorismus, 1989 der Mord an Olof Palme – 1975 als schwedischer Ministerpräsident in die Botschaftsbesetzung involviert –, in der Gegenwart ist es die fiktive Berufung einer links orientierten Politikerin als neue Verteidigungsministerium.

Sara Heldt und Johan Widerberg schrieben die Drehbücher frei nach dem Roman „Eine andere Zeit, ein anderes Leben“ von Leif G. W. Persson und erweiterten den Stoff um eigene Zutaten. Persson ist Kriminologieprofessor im Ruhestand und seine Sachkenntnis wirkt sich vorteilhaft auch auf die TV-Adaption aus. Genauer als in vergleichbaren Produktionen wird hier die Arbeit der Polizei zum Gegenstand gemacht, ohne dass die Handlung ins Stocken gerät.

Schwach dagegen bleibt die Zeichnung der Figuren. Der feiste Bäckström ist die reine Karikatur, auch andere Protagonisten, die stärker im Mittelpunkt stehen, erhalten kaum Konturen. Handwerklich hilflos wirkt es, wenn die Autoren zum Zwecke der Charakterisierung mehrfach in die Dialoge einflechten, Ermittlungschef Lars Martin Johanson sei der Sohn eines Schlachters. Selbst die Gespräche mit seiner Lebensgefährtin, die ein wenig mehr über ihn verraten könnten, klingen papieren.

Für Irritationen dürfte sorgen, dass die Figur der Jeanette Eriksson auf beiden Zeitebenen, also 1989 und 2014, von derselben Schauspielerin verkörpert wird – fünfundzwanzig Jahre Unterschied, ohne dass nennenswerte Veränderungen erkennbar wären. Anders verfuhr man bei der Besetzung der designierten Verteidigungsministerin Helena Stein. Den Part des naiven Teenagers übernahm Ida Engvoll, als gereifte Politikerin erscheint Helena Bergström. Eine glaubwürdige Doppelbesetzung. Ida Engvoll, bereits bekannt aus der ZDF-Krimiserie „The Team“, wird der deutschen Zuschauerschaft schon bald erneut begegnen. Sie ist die Hauptdarstellerin der von der ARD für Januar angekündigten Krimireihe „Rebecka Martinsson“.

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