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In "Trixie Nightmare muss Trixie Dörfel muss ein Prominentenschicksal erleben.

"Trixie Nightmare"

Unaufhaltsamer Abstieg

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In "Trixie Nightmare" lässt Olli Dittrich seine Diva ein typisches Prominentenschicksal erleiden.

Wir müssen uns Olli Dittrich als einen Mann vorstellen, der eine sadistische und eine masochistische Ader in sich vereint. Was hat er sich nicht durch das bundesdeutsche Fernsehprogramm wühlen müssen für seine Persiflagen. Stunde um Stunde durch die sumpfigen Niederungen der TV-Unterhaltung watend, hoffend auf ein Fundstück, mit dem er wieder eine Unart, ein Klischee oder eine Macke entlarven könnte. Mit dem er das Fernsehen bloßstellen könnte als das, was es überwiegend ist: schreiend bunter Leerlauf.

Nun zeigen seine „Mockumentaries“ allerdings, dass Dittrich reiche Ernte halten konnte im Laufe der Jahre, so dass er nicht bloß sein „Talk-Gespräch“ mit gleich acht verschiedenen Teilnehmern aus der Prominenten-Halbwelt bestücken konnte, sondern dass er einzelnen Exemplaren der Spezies „Beinah-berühmt-durch-TV-Auftritt“ noch eine Sonderbehandlung in Form eines kleinen Porträts zukommen lassen konnte. War es erst der Reporter-Darsteller Sandro Zahlmann, folgte bald die nicht mehr ganz junge Diva der Talkrunde: Trixie Dörfel (wieder von Dittrich selbst verkörpert).

Die war allerdings so ergiebig, dass sie eine Fortsetzung bekommen hat. Mit „Trixie Nightmare“ hat Dittrich nun ein wenig deutlicher seine sadistische Ader ausgelebt. Denn er lässt Trixie abstürzen, nach oben quasi: Von der scheußlich-soliden Münchner Villa in den siebten Stock einer als Hochhaus-Komplex getarnten Wohnkaserne. 

War es zuvor die „homestory“, derer sich Dittrich annahm, wirft er seinen bösen Blick nun auf die einschlägigen Skandal-Formate im TV wie „Brisant“ (ARD) und „Hallo Deutschland“ (ZDF) – gemischt mit einer galligen Prise aus den gelben Blättern, da Druckerzeugnisse und TV-Beiträge einander ja ohnehin ergänzen (sagen wir: voneinander abkupfern).

So künstlich Trixie Dörfel erscheinen mag: Für die Geschichte ihres unaufhaltsamen Abstiegs musste Dittrich nur die realen Magazine durchforsten, die sich mit kaum verhohlener Gier auf die Ausrutscher von Prominenten stürzen. Also exerziert der gemeine Herr Dittrich so einige typische Fehltritte von Stars und Sternchen an seiner Figur durch: Da stellt sich heraus, dass die Kosmetik-Serie „Trixiebzehn“ Schadstoffe enthält; eine nächtliche Unfallfahrt mit Alkohol am Steuer und der ebenfalls promillehaltige Ausraster beim Auftritt im Frühstücksfernsehen zerren die ohnehin Gebeutelte auf die Titelseiten der Klatschpresse.

Ein Übriges tut natürlich der öffentliche Plastikrosenkrieg mit Ex-Ehemann Peter Pudl (ein Schelm, der dabei an Helmut Dietl denkt?), der auch sein neues Gespons dermaßen verächtlich behandelt, dass Trixie froh sein müsste ob der Trennung… 

Dialoge mit scharfen Brocken gewürzt  

Damit nicht genug. Das halbstündige Werk wird im Wortsinne zur Satire, wenn Dittrich mit ätzend scharfen Brocken wie nebenbei die Dialoge seiner Charaktere würzt. Und wenn die Kamera aus einiger Entfernung zeigt, wie Trixie Dörfel im Erdgeschoss eines halbleeren Einkaufszentrums irgendeinen 200-Euro-Preis vergibt, ohne dass auch nur ein Passant Notiz davon nähme, dann kann einem diese so eitle Figur fast leid tun: Ein beklemmendes Bild für den dem Aufstieg folgenden Absturz – ein Schicksal,  das wohl niemand der Klatschgeschichten-Konsumenten teilen möchte.

Olli Dittrich und seinem Regisseur Tom Theunissen ist diesmal die schärfste Folge seiner Reihe mit Entblößungen des Herrschers über unseren Feierabend gelungen. Nicht oft zeigt das Fernsehen selbst so deutlich, wie hohl drehend es zu großen Teilen ist (Zufall, dass die Sendung erst kurz vor Mitternacht läuft?).

Allerdings stellt sich die Frage, ob diese TV-Hofnarren wie Dittrich und sein Kollege Jan Böhmermann bei ihren medien-kritischen Beiträgen nicht schon deshalb auf verlorenem Posten stehen, weil das Publikum zunehmend zu nicht-linearen Medienangeboten im Netz abwandert und dort mit ähnlich eskapistischen Inhalten in noch größerer Masse überschüttet wird – man sehe sich nur einmal einige der populären YouTuber an…

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