Klaus Hargreeves als Sektenführer in der zweiten Staffel „Umbrella Academy“ (auf Netflix).
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Klaus Hargreeves als Sektenführer in der zweiten Staffel „Umbrella Academy“.

„Umbrella Academy“ auf Netflix

Stell dir vor, es ist Apokalypse … schon wieder

  • Sonja Thomaser
    vonSonja Thomaser
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Die Auswirkungen von Homophobie und Rassismus spielen in der zweiten Staffel „Umbrella Academy“ eine Rolle – denn auch Superheld*innen sind davor nicht geschützt. Die Serienkolumne „Nächste Folge“.

Frankfurt - „Wir haben den Weltuntergang hierher mitgebracht.“ – „Oh mein Gott! Ehrlich? Meine Sekte! Die werden so sauer sein! Ich habe denen gesagt wir haben bis 2019!“ – „Wir haben bis Montag.“

Montag also. Um genau zu sein: Montag, der 25. November 1963. Keine Angst also, ist alles schon passiert. Aber halt, wie kann das denn jetzt sein?

So stellt Klaus Hargreeves in der zweiten Staffel „Umbrella Academy“ (auf Netflix) also fest, dass man sich auch als zeitreisender Sektenführer auf nichts verlassen kann – aber hey, sowas kann passieren, Klaus, das ist schon okay … (die Autorin ist sehr verliebt und hier nicht besonders objektiv, will aber herausstellen, dass Sekten generell nichts Gutes sind).

Zweite Staffel „Umbrella Academy“ bei Netflix: Die Auseinandersetzung mit Diskriminierung

Trotz allen Widrigkeiten schaffen es die mit Superkräften ausgestatteten Hargreeves-Geschwister Luther, Diego, Allison, Klaus (mit dem Geist von Ben stets im Gepäck), Fünf und Vanya am Ende der ersten Staffel dem von ihnen ausgelösten Weltuntergang im Jahr 2019 zu entkommen. Durch einen Zeitsprung kommen die Geschwister in Dallas, Texas, raus. Allerdings an verschiedenen Zeitpunkten in den Jahren 1960 bis 1963. Es dauert bis November 1963, bis sie sich alle wiederfinden, nur um dann festzustellen, dass sie auch hier wieder die Apokalypse auslösen werden. Manche Gewohnheiten sind eben schwer abzulegen.

„Umbrella Academy“ basiert auf der gleichnamigen Comicreihe von Gerard Way und Gabriel Bá, die für Fans der Serie unbedingt zu empfehlen ist, um in die Hinter- und Abgründe der „Umbrella Academy“ einzutauchen.

In der Serie sind die Hargreeves-Geschwister nicht, wie im Comic, alle weiß und heterosexuell. Dadurch erreicht die Serie eine andere Dimension an Qualität, zeigt, wie wichtig die Auseinandersetzung mit Diskriminierung ist und schafft Repräsentation. Die Auswirkungen von Homophobie und Rassismus spielen in „Umbrella Academy“ eine Rolle – denn auch Superheld*innen sind davor nicht geschützt.

Klaus‘ große Liebe Dave zeigt, wie Homophobie und ein falsches Verständnis von Männlichkeit zu Gewalt und Selbsthass führen. Klaus‘ Charakter ist dazu ein Gegenbild, mit sich und seiner Sexualität völlig im Reinen, zeigt er eine Form von Männlichkeit, die mit Rock und Federboa Lichtjahre entfernt ist von toxischer Männlichkeit, gemäß der Männer Hosen tragen müssen und emotionslos sind. Und dabei gelingt etwas sehr Wichtiges: Klaus wird als komplexe Person gezeigt und nie auf seine Sexualität reduziert.

Auch seine Schwester Vanya hat mit den Schwierigkeiten der gleichgeschlechtlichen Liebe zu Beginn der 60er-Jahre zu kämpfen. Die Frau, in die sie sich verliebt, ist gefangen in ihrer Ehe und sieht keinen Weg, wie sie jemals mit Vanya zusammen sein kann: „Sie werden so welche wie uns nie akzeptieren.“

Die Serie

„Umbrella Academy“, zwei Staffeln, auf Netflix.

Zweite Staffel „Umbrella Academy“ bei Netflix: Großartiger Soundtrack, guter Humor

Allison hat in den USA der 60er Jahre mit Rassismus und der Entmenschlichung Schwarzer zu kämpfen. So hat sie als Schwarze Frau nicht einmal das Recht, ein Diner zu betreten. Sie kämpft gemeinsam mit ihrem Ehemann Raymond, den sie in den 60ern kennen und lieben lernt, in der Bürgerrechtsbewegung. Dies stellt einen schmerzhaft-aktuellen Bezug her, wenn sie ihren Mann bittet, mit ihr ins Jahr 2019 zu kommen, er aber ablehnt, weil er weiter für die Bürgerrechtsbewegung kämpfen will. „Die Bewegung ist auch im Jahr 2019 noch nicht zu Ende.“, muss Allison dem geschockten Raymond daraufhin erklären.

Die zweite Staffel „Umbrella Academy“ erzählt mitreißend, mit wundervollem Humor und einem großartigen Soundtrack wie die Hargreeves-Geschwister ein Leben in den 60ern meistern – mit allen zugehörigen Problemen, und nicht nur denen, von weißen, heterosexuellen Menschen. Und schließlich müssen sie herausfinden, ob das Attentat auf John F. Kennedy die schon wieder drohende Apokalypse nun verhindert oder auslöst – und was ihr Vater mit all dem zu tun hat.

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