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Arnold Schwarzenegger (l.) als Trench und Harrison Ford als Max Drummer in einer Szene des Films "The Expendables 3".

Patrick Hughes - „The Expendables 3“

Der ultimative Gruppenzwang

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Für „The Expendables 3“ versammelt Sylvester Stallone mehr alte und jüngere Recken um sich, als es einem Actionspektakel guttut.

Viel zu selten lobt die Filmkritik die Kunst des Castings, nur spektakuläre Fehlbesetzungen fallen sofort auf. Glücklich, wer es als Besetzungsagent schafft, die größtmögliche Schnittmenge zwischen den für die Rolle besten und den zugkräftigsten Schauspielern zu finden. Sylvester Stallone, der das Casting seiner „Expendables“-Produktionen selbst verantwortet, macht es lieber umgekehrt: Haben genug prominente Kollegen zugesagt, findet sich schon für jeden eine Rolle. Allerdings gibt es eine gefühlte Obergrenze an Prominenz, die schon einmal, im untergehenden Hollywood der Sechziger und Siebziger Jahre, bis zum oberen Rand ausgelotet wurde. Damals bescherten überlange Spektakel wie „Eine total, total verrückte Welt“ Stummfilmstars wie Buster Keaton noch einmal große, wenn auch oft nur sekundenlange Auftritte.

Es war die Ära des Ensemblefilms, am liebsten spielten sie dort, wo man möglichst viele Stars an einem Ort versammeln konnte: In Zügen („Mord im Orientexpress“) oder Flugzeugen („Airport“). Und wenn es sein musste auch im flammenden Wolkenkratzer-Inferno. Für einen funktionierenden Actionfilm allerdings gilt wohl doch das „Weniger ist mehr“. Man kann es schon aus den Titeln herauslesen: „Ocean’s Eleven“, oder besser noch: „Die glorreichen Sieben“.

Leinwandfüllende Kraftprotze

Aber nur Pferden gibt man das Gnadenbrot. Arnold Schwarzenegger, Mel Gibson, Wesley Snipes oder Harrison Ford könnten darauf gut verzichten. Nur nein sagen können sie nicht. Das allein führt sie mit Jason Statham, Antonio Banderas, Stallone selbst und vielen anderen in einen Film, der schon deshalb in Breitwand vorgeführt wird, damit wenigstens ein paar dieser leinwandfüllenden Stars nebeneinander stellen kann. Aber vor allem stehen sie sich selbst im Weg.

Mit der Befreiung ihres Ex-Kollegen Doc aus dem Gefängnis verhilft die Söldnertruppe zunächst Wesley Snipes zu einem nicht wirklich würdigen Comeback, der gleich auf seine eigene Verurteilung wegen eines Steuerdelikts anspielen muss. In Somalia sollen sie, im Auftrag ihres CIA-Kontaktmanns (Harrison Ford ersetzt hier den nicht mehr bezahlbaren Bruce Willis) einem Waffenhändler das Handwerk legen. Dass sich dieser als ihr ehemaliger, totgeglaubter Gefährte Conrad Stonebanks (Mel Gibson) entpuppt, bringt die Geschichte äußerlich zurück in die Spur der Vorgängerfilme – bis zum handfesten Begleichen einer alten Rechnung mit Barney Ross, dem von Sylvester Stallone gespielten Frontmann der Veteranentruppe. So weit, so vorhersehbar. Der einzige Lichtblick in diesem von erbärmlichen Computeranimationen in absurde Tiefen geführten Spektakel ist Neuzugang Antonio Banderas.

In völliger Freiheit agiert der einst von Pedro-Almodóvar entdeckte Spanier in einer eigenen Liga. Als wolle er alle Hyperaktivität der Filmserie höchst persönlich verkörpern, spielt er einen Getriebenen, der sein letztes Muscles-Shirt für etwas Aufmerksamkeit seiner männlichen Ersatzfamilie gäbe. Ebenso ergeben fügt er sich gar ins Klischee des alternden Latin Lover – weil es eben leichter ist, innerhalb einer Gruppe ein liebgewonnenes Vorurteil zu bestätigen. Und mehr hat ja der ganze Film nicht vor.

Es sind wenige anrührende Momente, in denen Banderas hier ein Dutzendprodukt glänzen lässt. Aber das war ja auch schon in den Ensemblefilmen der Sechziger Jahre immer wieder so. Als Buster Keaton sein letztes surreales Glanzlicht setzte in „Toll trieben es die alten Römer“…

The Expendables 3. Regie: Patrick Hughes. USA 2014. 126 Minuten.

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