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Ukraine-Krieg bei Maybrit Illner: Habeck äußert sich zu Selenskyjs Vorwürfen

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Von: Jendrik Walendy

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ZDF-Talk bei Maybritt Illner
Andrij Melnyk (l-r), Erich Vad, Moderator Theo Koll, Michael Roth und Marie-Agnes Strack-Zimmermann nehmen an der Sendung Maybrit Illner im ZDF teil. © Svea Pietschmann/dpa

Der Ukraine-Krieg ist Thema bei Maybrit Illner im ZDF. Neben Robert Habeck findet auch der ukrainische Botschafter deutliche Worte.

Unter dem Eindruck von Wolodymyr Selenskyjs Rede im Bundestag ging es in der gestrigen Ausgabe von Maybrit Illner im ZDF um die Frage, ob Deutschlands Engagement für die Ukraine weit genug gehe.

Zu Beginn der Sendung wurde aber auch deutlich, dass die Corona-Zahlen hierzulande im medialen Schatten des Krieges fast unbemerkt wieder besorgniserregende Ausmaße angenommen haben. Denn statt der positiv getesteten Maybrit Illner begrüßte ihr Kollege Theo Koll die Zuschauer:innen und führte an diesem Abend durch die Sendung. Auch bei den Gästen gab es eine Umbesetzung, die allerdings nicht begründet wurde: Für den angekündigten SPD-Politiker Kevin Kühnert nahm dessen Parteikollege Michael Roth im Studio Platz.

Maybrit Illner (ZDF) zum Ukraine-Krieg: Habeck kritisiert „völlig falsche Einschätzung“

Bevor die Anwesenden ins Gespräch einstiegen, war ein zuvor aufgezeichnetes Gespräch zwischen Theo Koll und Wirtschafts- und Energieminister Robert Habeck (Grüne) zu sehen. Dieser beteuerte persönliches Verständnis für die Lage des ukrainischen Präsidenten und dessen eindringlichen Appell an Olaf Scholz, alles zu tun, um den Krieg zu stoppen. Zugleich seien Selenskyjs Vorwürfe, dass die Bundesregierung zu wenig tue „nicht komplett berechtigt“, da Deutschland schon vieles unternommen habe.

Maybrit Illner im ZDFDie Gäste der Sendung vom 17.03.2022
Robert HabeckB´90/Die Grünen, Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister
Marie-Agnes Strack-ZimmermannFDP, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag
Andrij MelnykBotschafter der Ukraine in Deutschland
Michael RothSPD, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag
Erich VadBrigadegeneral a. D., ehemaliger militärischer Berater von Angela Merkel

Aber Habeck bekräftigte auch, dass die Grenze zur Kriegspartei nicht überschritten werden dürfe. Eine Friedenstruppe in der Ukraine, wie von Polens Vizeregierungschef Jarosław Kaczyński vorgeschlagen, sei für Habeck nur unter der Bedingung einer zuvor ausgehandelten Waffenruhe denkbar. Auf sein eigenes Ressort angesprochen, gestand Habeck eine „gebremste Solidarität“ mit der Ukraine aufgrund der Abhängigkeit von russischen Öl- und Gasimporten ein und machte klar: „Energiepolitik ist nicht rein wirtschaftlich zu betrachten“. Hier habe es in der Vergangenheit eine „völlig falsche Einschätzung“ gegeben.

Talk bei Maybrit Illner (ZDF) zum Ukraine-Krieg: Botschafter wird deutlich

Koll führte dann souverän aber reserviert durch das Gespräch in der großen Runde. Er fragte die anwesenden Politiker:innen Roth und Agnes Strack-Zimmermann (FDP) nach ihren Reaktionen auf Selenskyjs Rede und sprach über die jeweiligen Positionen zum Krieg, ohne dass dabei grundlegend Neues herauskam.

Bemerkenswert an diesem Abend war vor allem eine unterschiedliche Einschätzung über den Fortgang der Kriegshandlungen. Von Koll auf die Berichte der schlechten Truppenmoral bei den russischen Aggressoren angesprochen, verwies Erich Vad, General a.D. und ehemaliger Berater Angela Merkels, auf die eingekesselten urbanen Zentren der Ukraine und die russische Kontrolle der Schwarzmeerküste bis Odessa. Es habe also trotz allem weitreichende militärische Fortschritte der Russen gegeben.

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk widersprach dieser Sichtweise entschieden, da weder Kyjiw, noch Charkhiw eingekesselt seien und betonte nochmal die niedrige Kampfmoral der russischen Streitkräfte. Hier wäre es interessant gewesen, mehr über das Zustandekommen und die Informationsquellen der verschiedenen Einschätzungen zu erfahren, die noch einmal zeigen, dass es sich in der Ukraine auch um einen „information war“ handelt.

Ukraine-Krieg bei Maybrit Illner (ZDF): Strack-Zimmermann über Deutschlands Rolle

Die Sendung hielt sich auch insgesamt wenig mit Nachfragen auf und schritt zügig fort durch eine Bestandsaufnahme möglicher Handlungsweisen. So sprach Michael Roth davon, dass mehr Engagement Deutschlands bei der Bevölkerung Besorgnis auslöse und sagte: „Wir dürfen keine Angst haben“, denn genau das wolle Wladimir Putin. Auf die Widersprüchlichkeit dieser Aussage, da Deutschland im Vergleich mit anderen Nato-Staaten durchaus vorsichtiger agiert, wurde der SPD-Politiker allerdings nicht angesprochen.

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In ihrer Einschätzung der Kompromissfindung kamen Melnyk und Vad dann am Ende der Sendung doch zusammen. Die Verhandlungen seien noch nicht so weit fortgeschritten, wie von russischer Seite dargestellt, sagte der ukrainische Botschafter. Man solle aus den vergangenen Fehlern lernen und den Worten des Außenministers von Russland keine große Glaubwürdigkeit verleihen. Momentan versuche man noch, die gegenseitigen Positionen zu verstehen. Die Ukraine sei aber zu „allen Kompromissen“ bereit, um das Blutvergießen zu stoppen. Auch der General a.D. sprach sich für eine rasche diplomatische Lösung aus, verwies auf die momentan günstige Verhandlungsposition beider Seiten und forderte: „Wir müssen doch mal versuchen, politisch da rauszukommen.“

Auch dabei sei Deutschlands Rolle eine der Zurückhaltung stellte Strack-Zimmermann klar. Die Entscheidungen in den Verhandlungen solle die Ukraine eigenständig treffen, so die FDP-Politikerin abschließend. (Jendrik Walendy)

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