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Erschreckende Szenarien zum Ukraine-Krieg: „Putin will uns umbringen“

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Von: Bettina Schuler

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TV-Talk  vom 14.02.2022 zum Ukraine-Krieg bei „hart aber fair“ mit Frank Plasberg.
TV-Talk vom 14.02.2022 zum Ukraine-Krieg bei „hart aber fair“ mit Frank Plasberg. © Screenshot ARD

Bei „Hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg geht es erneut um den Krieg in der Ukraine und die weiterreichenden Folgen des Konflikts.

Köln - „Drückt bitte mal jemand auf die Pausetaste?“, wünscht sich Frank Plasberg gleich zu Beginn der Sendung in der ARD. Und damit spricht er vielen Menschen aus der Seele: Denn nach zwei Jahren Corona, der Flutkatastrophe, Hitzewellen und mit der Klimakatastrophe im Rücken befinden wir uns alle in einem emotionalen Ausnahmezustand und haben das Gefühl, das alles nicht mehr aushalten zu können. Doch wie Plasberg feststellt, funktioniert die Pausetaste leider nur im Film. „In der Realität zerstampfen Putins Truppen die ukrainischen Städte“.

Doch was ist die angemessene Reaktion auf Putins Wahnsinn? Welche Einschränkungen sind wir bereit, auf uns zu nehmen, um Putin mit unseren wirtschaftlichen Sanktionen zu bestrafen? Und ab wann wird die überwältigende Hilfsbereitschaft, der Sorge um die eigene Zukunft weichen?

Ukraine-Krieg bei „Hart aber fair“ (ARD): Es häufen sich Worte wie „dritter Weltkrieg“

Das sind die Fragen, die Plasberg in der Sendung mit seinen Gästen, der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken, dem Journalist Vassili Golod, Sergiy Osachuk, der ukrainische Gouverneur der Oblast Chernivtsi, Katja Kipping, der Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales in Berlin und dem Politikwissenschaftler Markus Kaim diskutiert.

Das Erschreckendste an dieser Diskussion ist, wie häufig Worte wie „dritter Weltkrieg“, „atomare Bedrohung“ und „Einsatz von chemischen und biologischen Waffen“ fallen. Szenarien, die wir längst als vergangen abgespeichert haben und die bei allen über Vierzigjährigen, Erinnerungen und Ängste aus der Zeit des Kalten Krieges hervorrufen.

„Hart aber fair“ (ARD): Rote Linie der Bundesregierung längst überschritten

Nicht zu Unrecht. Denn die rote Linie der deutschen Außenpolitik ist, wie die SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken in der Sendung richtig feststellt, mit der Waffenlieferung in ein Kriegsgebiet längst überschritten worden. Ja, selbst ein militärisches Einschreiten der Nato schließt die SPD-Vorsitzende nicht mehr aus, „denn wir sind mittlerweile in einer Situation angekommen“, so Esken, „in der wir zur nichts niemals sagen sollten.“

„Hart aber fair“ (ARD)Die Gäste der Sendung vom 14.03.2022
Saskia EskenParteivorsitzende SPD
Katja KippingDIE LINKE
Vassili GolodWDR-Journalist
Markus KaimPolitikwissenschaftler
Prof. Dr. Dirk ReinhardtDirektor der Kinderklinik am Universitätsklinikum Essen

Für den WDR-Journalisten Vassili Golod, der sowohl russische als auch ukrainische Wurzel hat, würde mit dem russischen Einsatz von chemischen und biologischen Waffen der Punkt erreicht, an dem selbst dieser Schritt denkbar wäre. Eine Haltung, die er mit dem Politikwissenschaftler Markus Kaim teilt. Das Einrichten einer Flugverbotszone lehnen beide ab, „Weil“, so Golod, „die Gefahr eines dritten Weltkrieges“ dadurch wachsen würde. Wladimir Putin habe gezeigt, „dass er zu vielem bereit ist“ und auch Wort Atomwaffen schon in den Mund genommen.

„Hart aber fair“ (ARD): Ukraine fordert mehr Waffen und Sanktionen gegen Russland

Sergiy Osachuk, der ukrainische Gouverneur der Oblast Chernivtsi indes kommt ohne Umschweife zum Punkt: „Putin will uns umbringen“. Und „wenn ein Mörder kommt und sagt, ich will dich umbringen, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Aufzugeben, sich zu ergeben oder zu dagegen zu kämpfen.“ Das ukrainische Haus brenne. „Es ist ein Völkermord vor den Augen Europas. Genug der schönen Diplomatie“. Die Nato müssen jetzt die Feuerwehr und nicht mehr die Reinigungskräfte schicken. Was das für Sergiy Osachuk heißt? Mehr Waffenlieferungen und noch schärfere wirtschaftliche Sanktionen. Immer wieder zieht er den Zweiten Weltkrieg als Beispiel für die aktuelle Situation heran und fordert, dass, wenn der Krieg beendet ist, sich alle Politiker:innen an einen Tisch setzen, um eine neue Sicherheitsordnung zu finden.

Zur Sendung

„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg vom 14.03.2022 in der ARD. Thema der Sendung: Auf der Flucht vor Putin: Wie können wir helfen?

Die Sendung in der ARD-Mediathek.

Doch nach der Einschätzung des Politikwissenschaftlers Markus Kaim, ist der Riss im Kreml und die damit einhergehende Hoffnung auf eine baldige Beendigung des Krieges nur „wishfull thinking“. Und so geht man mit dem unguten Gefühl aus der Sendung, dass jetzt alles möglich ist. Selbst das Unvorstellbare. (Bettina Schuler)

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