Als Langstreckenläufer schafft es der junge Amerikaner Louis Zamperini bis zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Dann bereitet der Zweite Weltkrieg seiner Sportlerkarriere ein jähes Ende.
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Als Langstreckenläufer schafft es der junge Amerikaner Louis Zamperini bis zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Dann bereitet der Zweite Weltkrieg seiner Sportlerkarriere ein jähes Ende.

Angelina Jolie „Unbroken“

Überleben ist Heldensache

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Regisseurin Angelina Jolie wandelt im Epos „Unbroken“ auf Clint-Eastwood-Spuren und gibt sich auch ansonsten große Mühe.

Helden sind selten, und die wenigsten bringen es in ihrem Leben gleich auf mehrere Heldentaten. Der Amerikaner Louis Zamperini war ein Held des Sports, bevor er einer des Krieges wurde: In Japan überlebte er als Flieger nach einer Rettungsmission einen Abschuss über dem Pazifik sowie 47 Tage in einem Schlauchboot ohne nennenswerten Proviant.

Manche halten auch seine spätere Karriere als Prediger von Billy Grahams Erweckungsbewegung für heroisch, Angelina Jolie kann darauf in ihrem 137-Minuten-Epos „Unbroken“ gut und gern verzichten. Es stecken genug Filme im Leben des Louis Zamperini. Entbehrlich erschien ihr auch ein Händedruck von Adolf Hitler, der sich 1936 vom olympischen Endspurt des Italo-Amerikaners beim 5000-Meter-Lauf beeindruckt zeigte. Nach einer überraschenden Aufholjagd ging er als Neunter durchs Ziel.

Nicht, dass jede Wikipedia-Information gleich in ein „Biopic“ gehörte. Doch Jolie hat genau die Sorte Film gedreht, bei der man solche Vergleiche anstellt. Der Ausstattungsaufwand der kurzen Olympia-Episode ist immens, und ein wenig erinnert diese Szene nun an die vielen antiquarischen Ausgaben von Riefenstahls Olympia-Buch, bei denen ausgerechnet die Bildseite mit Hitler irgendwie abhanden kam.

Ihr Film ist das Glanzbild eines untadeligen Lebens, gekrönt durch Zamperinis Bereitschaft, seinen Peinigern zu vergeben – den mitunter sadistischen Aufsehern im japanischen Kriegsgefangenlager, wo er die letzten beiden Kriegsjahre verbrachte.

„Unbroken“ ist ein technisch imposanter Film, und gleich vier Drehbuchautoren halfen Jolie dabei, keine Erinnerung an ihr enttäuschendes Debüt „In the Land of Blood and Honey“ aufkommen zu lassen (darunter Joel und Ethan Coen und der erfolgsverwöhnte Richard LaGravenese, der unter anderem „König der Fischer“, „Die Brücken am Fluss“ oder „Liberace“ schrieb).

Gern würde man sagen, der prestigeträchtige Film wäre wie Zamperinis Leben: Zu gut um wahr zu sein. Doch so ist es nicht. Es ist ein gut gemachter, ja durchaus unterhaltsamer, aber vom ersten bis zum letzten Bild erwartbarer und deshalb letztlich auch vergesslicher Film. Das Gute daran: Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Angelina Jolie, die zu den wenigen Frauen gehört, die Hollywood überhaupt hinter die Kameras lässt, handwerklich alle Genres und Budgets bewältigen kann, ist er hiermit erbracht. Immerhin ist es erst ihr zweiter Film.

Ihr (unerreichtes) Vorbild dabei scheint Clint Eastwood: Man hat förmlich das Gefühl, „Unbroken“ sei aus drei Eastwood-Filmen, den Kriegsdramen „Flags of Our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“ sowie dem Sportler-Drama „Invictus“, zusammengesetzt. Dazu kommt noch die wie ein eigener, halblanger Film im Film wirkende Überlebensgeschichte auf hoher See. Allerdings muss man auch sagen, dass drei Soldaten in einem Schlauchboot weniger faszinieren als ein einsamer Robert Redford als Schiffbrüchiger in „All is Lost“.

Es gibt viele Überlebende in „Unbroken“. Um Angelina Jolies weitere Karriere dürfte man sich nun ebenso wenig sorgen wie die des Hauptdarstellers Jack O’Connell, der das Epos imponierend auf seinen Schultern trägt. Für Hollywood ist das schon für sich eine kleine Heldengeschichte.

Unbroken. USA 2014. Regie: Angelina Jolie. 137 Min.

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